Wildunfälle richten Millionenschaden an

Im dicht besiedelten Westsachsen teilen sich Mensch und Wild den begrenzten Lebensraum. Obwohl das Jahr noch nicht einmal zu Ende ist, hat es bereits 574-mal auf den Straßen im Landkreis gekracht.

Waldenburg.

Wie viel angefahrene Wildtiere Franz von Feilitzsch in den letzten Jahren von der Straße aufgelesen hat, kann der Forstverwalter von Waldenburg und Remse mittlerweile nicht mehr zählen. "Allein dieses Jahr habe ich fünf Rehe, zwei Rehböcke, dreimal Dammwild, drei Wildschweine und einen Dachs tot oder schwer verletzt von der Straße oder aus dem Graben ziehen müssen. Alle Tiere wurden angefahren. Das sind mehr, als ich auf meiner Abschussliste stehen habe", so der Forstverwalter. Den Anstieg der Zusammenstöße mit Wild beobachtet er zunehmend mit Sorge.

Insgesamt 574 Unfälle mit Wild registrierte die Polizeidirektion Zwickau bereits dieses Jahr im Landkreis Zwickau (Stand: 22. Oktober). Laut Pressesprecher Christian Schümann entstanden dabei rund 990.000 Euro Sachschaden. Im Durchschnitt sind das 1700 Euro pro Unfall. Im vergangenen Jahr sind 612 Kollisionen erfasst worden. Dabei entstand ein wirtschaftlicher Gesamtschaden von 1.023.000 Euro. Die Tendenz der Anzahl der Unfälle sei trotz verschiedener Schutzmaßnahmen laut dem Sprecher gleichbleibend.

Für den Forstverwalter von Feilitzsch haben die Unfälle mehrere Ursachen. "Der Verkehr hat im Laufe der Zeit stark zugenommen. Außerdem hat sich parallel dazu das Tempo auf den Straßen erhöht." Eine nicht zu vernachlässigender Umstand sei zudem, dass die Tiere einem wesentlich höheren Druck als früher ausgesetzt sind. "Spaziergänger und Sportbegeisterte tummeln sich zahlreich im Wald, und das nicht immer auf den vorgeschriebenen Wegen. Dadurch werden die Tiere aufgescheucht und fühlen sich gestresst", so von Feilitzsch.

Besonders im Herbst erhöht sich das Risiko, mit Wild zu kollidieren. "Es wird früher dunkel, viele Autofahrer sind in der Dämmerung unterwegs und treffen auf Wildtiere, die ihren Rhythmus auch nach der Zeitumstellung beibehalten", sagt Polizeisprecher Schümann. Dann seien Wildtiere am aktivsten, weil sie sich auf Futtersuche begeben.

Aus diesem Grund appelliert von Feilitzsch an die Autofahrer, besonders in dieser Jahreszeit vorausschauend zu fahren und in Übergangsbereichen zwischen Wald und Feld die Geschwindigkeit zu verringern. Außerdem sollten Warnschilder ernst genommen und an den entsprechenden Stellen besonders vorsichtig gefahren werden. "Die Schilder warnen effektiv vor Übergängen, an denen die Wildtiere häufig die Straße überqueren, denn einige Arten haben festgelegte Fährtenwechsel", so der Experte.

Um die Anzahl von Wildunfällen auf den Straßen zu senken, sind in den letzten Jahren an verschiedenen Bundesstraßen blaue Warnreflektoren an Leitpfosten angebracht wurden. Die Lichtreflexe, die durch Scheinwerferlicht entstehen, sollen die Tiere von den Fahrbahnen fernhalten.

So oder so: Ganz vermeiden lassen sich Wildunfälle trotz allem nicht. Kommt es zu einem Zusammenstoß, sollte man nach dem Sichern der Unfallstelle unverzüglich die Polizei anrufen. Von verletzten Tieren sollten Autofahrer zum Selbstschutz vor einer möglichen Ansteckung mit Krankheiten Abstand halten, so der Forstverwalter.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    saxon1965
    30.10.2019

    Schönen Gruß an die Jagdgegner: "Am Besten wir schaffen die Jagd ab! ODER?"



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