Entdecker Eddy greift nun zur Lupe

Graffiti-Künstler Tasso hat in Lichtenstein zur Spraydose gegriffen. Hinter dem Auftragswerk steht ein lebendiges Model.

Lichtenstein.

Jens Müller aus Meerane, alias Tasso, führt eine flinke Dose. Das weiß in Westsachsen jeder. Tasso ist bekannt wie ein bunter Hund. Trotzdem: "Ich kannte ihn bisher nicht, muss ich zu meiner Schande gestehen", sagt Anett Schmidt, Geschäftsführerin der Firma Barth Optik in Lichtenstein. Das hat sich geändert. Heute ist sie froh, dass bei der Internet-Recherche nach einem Graffiti-Künstler Tasso an erster Stelle im PC auftauchte. Er hat nun die Giebelwand des Hauses Ernst-Thälmann-Straße 9 in Lichtenstein verziert.

Wer jetzt aus Richtung Bernsdorf in die Stadt fährt, dem fällt nach dem Passieren des Altmarktes sofort das riesige Graffito ins Auge. Ein Junge, durchgestylt vom Basecap bis zu den Schuhen in Jeansblau, hockt mit einer Lupe in der Hand am Boden und lässt seiner Entdeckerfreude freien Lauf. Da hat nicht irgendwer Modell gestanden, sondern Eddy, der fünfjährige Sohn von Anett Schmidt. Sie hatte im Zusammenhang mit der Fassadenerneuerung am Geschäftshaus die Idee zu dem Graffito. "Die Wand weist verschiedene Putzstrukturen auf. Da war uns aufgefallen, wenn wir die Wand einfarbig streichen lassen, scheint es so, als hätte sie Streifen", sagt sie. Den Makel mochte sie nicht. "Da kam mir die Idee mit dem Graffito." Ein ähnliches Motiv, das sie im Internet fand, wollte Tasso nicht kopieren. Das ging dem Künstler an die Sprayer-Ehre. Er fragte, ob sie ein Kind wüsste, das da mitspielen würde. Was lag näher, als Sohn Eddy zu fragen. Der freute sich diebisch, denn Mama kleidete ihr Kinder-Model dafür völlig neu ein. Tasso schoss ein Foto und legte los. "Ich war verblüfft, wie schnell das ging. Er hat nur zweieinhalb Tage gebraucht", sagt Anett Schmidt. Das Gesicht habe Tasso absichtlich etwas älter gestaltet. Für das Graffito, das schließlich zum Unternehmen passen sollte, suchten die Mitarbeiterinnen gemeinsam nach einer hübschen Brille für den Jungen. Am Ende fanden sie alle, dass es genau die Brille sein soll, die er ohnehin trägt. Und die ist nun auf dem Wandbild verewigt.

Zwar stehen immer noch die Gerüste am Haus, doch die Reaktionen der Kunden sind durchweg positiv. Sorgen, dass das Graffito ihrem Sohn mal nicht mehr gefallen könnte, macht sie sich nicht. "Diese Kunst ist im Gegensatz zum gerahmten Bild sowieso vergänglich. So eine Fassade hat nicht das ewige Leben. Dann wird es eben übermalt."

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