Händler mit gemischten Gefühlen

Mit dem Wegzug des Finanzamtes und seinen 100 Mitarbeitern verlieren die Läden der Innenstadt wichtige Kundschaft.

Hohenstein-Ernstthal.

Der Wegzug eines der größten Arbeitgeber der Stadt rückt näher. Wenn zum 1. Dezember die Fusion der Finanzämter Hohenstein-Ernstthal und Zwickau abgeschlossen ist, könnte es um die Mittagszeit deutlich ruhiger in der Innenstadt zugehen. Denn die hiesige Behörde nimmt den Großteil ihrer knapp 100 Bediensteten mit nach Zwickau.

"Ich finde es äußerst schade, dass die Stadt das Finanzamt gehen lassen musste", sagt Silke Kreul. Die Inhaberin des Blumengeschäftes "Florales Gestalten" in der Stadtpassage lebt gut von Lauf- und Stammkundschaft. Einen allzu großen Umsatzrückgang fürchtet sie zwar nicht, wenn das Finanzamt verschwindet. "Ich mache mir aber Sorgen um die Läden in der Weinkellerstraße, gerade die Frauen im Amt haben die Mittagspause gerne für Stadtbummel genutzt." Kreul sähe es am liebsten, wenn neue Geschäfte in das bald leer stehende Gebäude gegenüber der Stadtpassage einziehen würden. "Ich will dort nicht das nächste Alten- oder Pflegeheim haben."

Etwa 200 Meter die Weinkellerstraße hinauf betreibt Helga Winkler ihr Schuhgeschäft in vierter Generation. Auch sie findet es schade, dass das Finanzamt geht. "Wir freuen uns über jeden, der hier bleibt", sagt die Verkäuferin. Denn zur Belebung der Innenstadt würden nicht nur Angestellte des Finanzamtes beitragen. "Wer aus Lichtenstein, St. Egidien oder anderen Orten in der Nähe kommt, kombiniert den Termin beim Finanzamt gerne mit einem Einkaufsbummel." Meckern oder den Kopf hängen lassen sei jedoch der falsche Weg. "Wir bleiben hier und blicken optimistisch in die Zukunft", sagt Winkler. Es komme nun darauf an, den richtigen Mix aus Läden und Geschäften in der Innenstadt zu etablieren. Denn gerade Kundenbetreuung und Kreativität können die kleinen Läden besser als die Großmärkte "auf der Wiese", so glaubt Winkler.

Den Wegzug des Finanzamtes und die Entwicklung der Innenstadt möchte auch der Gewerbeverein Hohenstein-Ernstthal beim Händlertreff am nächsten Donnerstag auf die Tagesordnung setzen. "Mit der Stadt arbeiten wir daran, Hohenstein-Ernstthal für Kunden attraktiver zu machen, sagt Vorsitzende Anett Schmidt. Das sieht auch eine frühere Vorgängerin, Marion Tischendorf, so: "Wir haben schon viel geredet, was nach dem Finanzamt in das Gebäude soll." Darüber verhandele die Stadt aktuell auch mit der Sparkasse Chemnitz, so OB Lars Kluge (CDU) - dem Kreditinstitut gehört die Immobilie an der Schulstraße.

Während die Händler über Ideen für die Innenstadt diskutieren, sucht die sächsische Immobilienbehörde im Auftrag des Finanzamtes nach Räumen zur zeitweisen Anmietung. Denn zumindest im nächsten Jahr soll es im Frühling und Herbst wöchentliche Servicetage geben, sagt Diana Roth, Sprecherin des Staatsministeriums für Finanzen. "Ob wir das Angebot nach 2019 fortführen, hängt von der Nachfrage ab", sagt Amtsleiter Thomas Fischer. Die Bürger der Stadt können sich dann an Mitarbeiter des Finanzamtes Zwickau wenden, die einmal pro Woche mit ihren Laptops vor Ort sein werden - immerhin ein kleines Trostpflaster für die Händler.

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