In Pfefferkorns Prokuristen-Villa zieht bald wieder Leben ein

Vor 133 Jahren wurde das Haus Oststraße 53 gebaut. Die "Villa Regenbogen", einst Besitz des Fabrikanten Pfefferkorn, kann eine lange Geschichte erzählen. Die bekommt jetzt ein neues Kapitel.

Hohenstein-Ernstthal.

Noch geben sich die Handwerker im Haus Oststraße 53 die Klinke in die Hand. Lange stand die Villa leer. Schon bald wird wieder Leben einziehen in jene Villa, die den Hohenstein-Ernstthalern noch heute als "Spielhaus" oder "Villa Regenbogen" ein Begriff ist. Im August werden die ersten Senioren in der geschichtsträchtigen Villa ein neues Zuhause finden.

Wenn Wände reden könnten, hätten diese einiges zu erzählen. Zimmermann und Baumeister Robert Müller hatte keine Baugenehmigung, als er am 1. Oktober 1886 mit dem Bau loslegte. Die kam im Nachhinein. Fabrikant Robert Pfefferkorn kaufte das Haus und baute es teilweise um. Verwaltet wurde das Wohnhaus bis in die 1930er-Jahre hinein von Pfefferkorn-Prokuristen. 1960 zog der Betriebskindergarten des VEB Malitex ein, nach der Wende ging es in den Besitz der Stadt über, wurde "Spielhaus". Von einer kuriosen Ära zeugt heute noch ein Schild am Haus: "Hochradfahrer und Überlebenskünstler Axel Pfeiffer". Der Limbach-Oberfrohnaer ersteigerte das Gebäude im Jahr 2009 für 55.000 Euro und richtete es als Museum im Stil des 19. Jahrhunderts ein. Die Episode währte allerdings nicht lange. Das Schild lässt der heutige Besitzer dran. "Irgendwie gehört auch das zur Geschichte des Hauses", sagt Martin Kolbenschlag, der im Herbst 2016 die Villa nach mehreren Jahren Leerstand gekauft hat. Der heute 28-Jährige hat im Wüstenbrander Pflegedienst LaVita, den seine Mutter Simone führt, eine Lehre als Krankenpfleger absolviert. Schon damals reifte die Idee mit der Seniorenwohngruppe. "Der Standort ist ideal", sagt Martin Kolbenschlag. "Ältere Menschen wollen nicht am Stadtrand irgendwo abgeparkt werden, sondern im Ruhestand auch noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben", weiß Mutter Simone aus der Erfahrung heraus.


Im Frühjahr 2017 begannen die Umbauarbeiten, bei denen auch der Denkmalschutz mitredete. Das historische Treppenhaus sollte erhalten bleiben. "Das schöne Bleiglasfenster habe ich neu einfassen lassen. Das war aber mein eigener Anspruch", sagt Martin Kolbenschlag, der oft selbst mit angepackt hat und viele Ideen für den Umbau beisteuerte. Aus der finsteren Villa ist jetzt ein Haus mit hellen, freundlichen Räumen geworden. Das Haus erhielt einen Aufzug, der das Erreichen der neun Zimmer barrierefrei ermöglicht. Zwei Wohnbereiche sind für Paare geeignet. "Nasszellen, Küche und Gemeinschaftsräume werden von allen genutzt", erklärt Martin Kolbenschlag. Einige Verträge mit künftigen Bewohnern sind geschlossen. Wenige Zimmer seien noch frei.

Auch die Dachterrasse zwischen den beiden Türmchen wird für die Bewohner nutzbar gemacht. "In den Türmchen können wir dann im Winter die Terrassenmöbel unterbringen", sagt er. Im nächsten Jahr soll die Außenanlage gestaltet werden. Das riesige Gartengrund bietet viele Möglichkeiten. "Ideen habe ich schon", sagt der junge Mann.

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