Mit Laterne und Hellebarde auf historischem Streifzug

Christian Bretschneider aus Lichtenstein ist offenbar gern nachtaktiv. Seit zehn Jahren dreht er als Nachtwächter seine Runden. Im Gegensatz zu seinem historischen Vorgänger ist der 67-Jährige aber meist nicht allein in der Stadt unterwegs.

Lichtenstein.

Es sind vor allem die Nachtwächterrundgänge, die Christian Bretschneider bekannt gemacht haben und sich bis heute an einer großen Resonanz erfreuen. "Wie viele es bisher waren, kann ich gar nicht genau sagen. Es gab mittlerweile auch schon Veranstaltungen in Rödlitz und in Heinrichsort", erzählt der 67-Jährige, der die Rundgänge mit den Worten "Hört, Ihr Leut' und lasst Euch sagen..." einleitet.

Als Ausrüstung hat er dabei die kleine Laterne, die der Zwickauer Laternenmacher gefertigt hat, und eine Hellebarde dabei. Die lange mittelalterliche Stichwaffe war für die Nachtwächter typisch, bedeutet aber auch eine Herausforderung. "Um die mit sich zu führen, braucht man eine behördliche Genehmigung", sagt Bretschneider, der sich zum Glück schon frühzeitig mit dem Thema befasst hatte, und wusste, dass es da durchaus Probleme geben kann. Transportiert wird die Hellebarde in zwei Teilen, die vor den Rundgängen zusammengeschraubt werden. Wenn Christian Bretschneider unterwegs ist, ist er auch als Nachtwächter versichert. Das wird durch die Mitgliedschaft in der Nachtwächtergilde möglich. Mehrfach hatte der Lichtensteiner Nachtwächter auch schon Kollegen aus anderen Städten zu Gast, unter anderem zum Jubiläum "800 Jahre Lichtenstein", das 2012 gefeiert wurde. Selbst war er schon als kultureller Botschafter der Stadt in vielen anderen Orten unterwegs.

Christoph Ulrich

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Bei den Festlichkeiten "300 Jahre Callenberg" im Jahr 2008 war erstmals ein Nachtwächter als historische Figur zu sehen. Danach befasste sich Bretschneider intensiver mit dem Thema. Im Mai 2009 fand dann der erste Nachtwächterrundgang des Geschichtsvereins Lichtenstein statt. Viele weitere folgten, unter anderem zu Themen wie den großen Feuersbrünsten in der Stadt, historischen Gaststätten oder geschichtlichen Episoden. Durchaus besondere Aspekte des mittelalterlichen Lebens wurden beispielsweise erläutert, als ein Rundgang mit dem Thema "Drauf geschissen" beleuchtete, wie die kleinen und größeren dringenden Geschäfte einst erledigt wurden. "Der Rundgang kam wirklich gut an, den werde ich bestimmt mal wiederholen", sagt Christian Bretschneider. Seit 2011 hat er auch das Amt des Zwickauer Nachtwächters inne. Nachdem es eine Anfrage für Führungen in der Stadt gegeben hatte, wälzte Bretschneider Chroniken und Archivmaterial, um wenig später auch fundierte Einblicke in die Geschichte der Stadt geben zu können.

Manchmal schlüpft er auch in eine andere Uniform und wird zum Lichtensteiner Burghauptmann, der einst im Schloss ein wichtiger Mann war. Das Schloss bewegt auch Christian Bretschneider, und er hofft, dass der heutige Schlossherr bald mit dem Ausbau zum Hotel beginnen kann. "Er unterstützt den Geschichtsverein wirklich gut", sagt er über Schlossbesitzer Mario Schreckenbach. Deshalb sind am Montag von 13 bis 16 Uhr auch wieder kleine Führungen auf dem Areal und in den unterirdischen Anlagen möglich, die von Christian Bretschneider und Manfred Geyer durchgeführt werden. Die Weinberglesung des Nachtwächters am 4. Mai ist bereits ausverkauft.

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