Mit wehenden Ohren

Spaß gemacht hat der Wettlauf beim "Tag des Hundes" in Oberlungwitz den Teilnehmern - und ums Gewinnen ging es ohnehin nicht.

Oberlungwitz.

Struppi kann sich kaum halten. Er steht an der Startlinie, jede Faser geballte Aufmerksamkeit, Frauchen im Blick. Er bellt. Kann's nicht endlich losgehen - so in etwa klingt das. "Auf die Plätze", ruft Hundetrainerin Anke Schulze, die Hände um Struppis kompakten Terrierkörper gelegt. Fertig, los.

Am Sonntag war "Tag des Hundes" in Oberlungwitz - ums Gewinnen allein ging es dabei aber nicht. Frauchen Erika Wuchrer wartet auf der Hälfte der Rennstrecke. Mit rot-weißem Flatterband ist die auf der Wiese neben "Stahlmanns Bistro" abgesteckt, am Ortsrand von Oberlungwitz. Bistro-Chef Jens Stahlmann selbst sitzt am Ende der Strecke im Gras, nimmt die Zeit. Auf Los flitzt Struppi los - und Frauchen auch, Richtung Ziellinie. Struppi fliegt durchs Ziel: 4,71 Sekunden, ruft Stahlmann. Der Terrier war der erste Läufer. Ob es für den Sieg reicht, wird sich später zeigen. Auf der Stirn seiner Besitzerin jedenfalls perlt der Schweiß, schließlich ist sie mitgerannt. "Den Trick hab ich mir beim Mopsrennen abgeschaut", sagt Erika Wuchrer. Es ist heiß. Von 50 auf 30 Meter hat Organisator Stahlmann die Strecke deshalb verkürzt beim Wettlauf am Sonntag.


Es ist Stahlmanns zweiter "Tag des Hundes" hinterm Bistro, den er zusammen mit der Chemnitzer Hundeschule "Mobilia" veranstaltet. Nicht nur die Sonne hatte die rund 20 Hunde und ihre Besitzer schon vor dem Rennen aufgewärmt: Ganze zwei Stunden waren die Teilnehmer in der Gruppe durch Wald und über Wiesen gewandert, begleitet von der Chemnitzer Hundetrainerin Anke Schulze. Die lieferte währenddessen Ideen für die Beschäftigung unterwegs. Moment - beschäftigt Gassigehen denn nicht genug?

Trainerin Schulze wiegt den Kopf. "Viele gehen nur ein stupides Ringel. Und wundern sich dann, wenn der Hund sein eigenes Ding macht." Sie rät, das Tier auch mal nach Fährten schnüffeln und etwa über Baumstämme springen zu lassen - was sich unterwegs eben findet. Das laste nicht nur den Kopf aus, sondern sei quasi eine teambildende Maßnahme für Mensch und Tier. Das ist wichtig: Ein schlecht erzogener oder dauerhaft unterforderter Hund kann schließlich zur Gefahr für andere werden. Generell, sagt Anke Schulze, würde sie begrüßen, wenn sich Halter darüber Gedanken machten - und zwar bevor sie sich einen Vierbeiner anschaffen.

Dass Hunde Aufgaben brauchen, weiß auch Bistro-Chef Stahlmann. Mit seinem Golden Retriever Matti ist er deshalb in der Hundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes. Zusammen besuchen sie Altenheime und Krankenhäuser. Das fordert den Hund - und freut die alten und kranken Menschen.

Beim Wettlauf auf der Wiese haben derweil mehrere Hunde Struppis Zeit getoppt. Erika Wuchrer, die in Chemnitz einen Hundesalon betreibt, hat aber noch einen zweiten Joker dabei: die drahtige Kirki. Doch die Pointer-Dame zögert am Start, bevor sie in Gang kommt. 4,12 Sekunden im zweiten Anlauf. Das reicht am Ende nicht fürs Treppchen. Den Hunden zumindest ist das egal; warme Worte gibt es am Ende für alle. Und das reicht für ein Schwanzwedeln.

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