Sachsenring-Lärm wird immer schlimmer

Nach den permanenten Ruhestörungen durch das Verkehrssicherheitszentrum erhitzt ein lautstarkes Oktoberfest die Gemüter. Die Stadt hat jetzt Fehler eingeräumt.

Hohenstein-Ernstthal.

So eine ungemütliche Stadtratssitzung hat Lars Kluge (CDU), der Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, lange nicht erlebt. Bürger forderten während der emotionsgeladenen Einwohnerfragestunde in dieser Woche sogar indirekt den Rücktritt des Stadtoberhauptes.

Es ging wieder einmal um das leidige Thema Sachsenring-Lärm. Seit Jahren werden die Anwohner an der Rennstrecke durch die Veranstaltungen im Verkehrssicherheitszentrum in ihrem Alltag massiv beeinträchtigt. Trotz energischer Bürgerproteste und Beteuerungen durch die Politik hat sich an ihrer Lage nichts geändert. Offenbar ist das Gegenteil der Fall. Am vergangenen Wochenende hat auf dem Gelände des Sachsenrings ein Oktoberfest stattgefunden - bis in die frühen Morgenstunden hinein. Sogar das Ordnungsamt der Stadt Hohenstein-Ernstthal hat danach eingeräumt, dass der Lärm ohrenbetäubend und nicht zumutbar war. Auch Einwohner im Ortsteil Wüstenbrand mussten ihre Fenster schließen, weil es so laut war.

Mehrere Anwohner waren bei der Stadtratssitzung dabei und machten ihrem Ärger Luft. Zu ihnengehörte auch Jaqueline Ehrt. Sieschimpfte vor den anwesenden Stadträten und dem Oberbürgermeister: "So laut war es noch nie. Ich musste mehrmals die Polizei rufen. Die war dann auch vor Ort. Aber es ist nicht leiser geworden." Laut Ordnungsamt war die Veranstaltung bis 3 Uhr genehmigt. Durch die Zeitumstellung ging sie effektiv aber eine Stunde länger.

Auch der ehemalige CDU-Stadtrat Thomas Franke kritisierte in der Fragestunde: "Muss man denn jetzt mit so einer Veranstaltung noch Wasser in die Mühlen kippen? Wir protestieren seit Jahren gegen den Lärm. Aber keiner hat uns geholfen. Und jetzt das noch? Das alles ist eine riesengroße Ignoranz uns Bürgern gegenüber." Auch Einwohner René Hollerit sprach das generelle Problem der Lärmbelästigung durch den Sachsenring an: "Wenn ein Oberbürgermeister keine Lösung sieht, dann muss er mal über eine Amtsniederlegung nachdenken."

Beim Ordnungsamt hagelte es am Tag nach dem Oktoberfest mehrere Beschwerden. Auch bei der Polizei gingen in der Nacht zuvor viele Anrufe ein. Ein Streifenwagen war vor Ort. Amtsleiter Ulrich Gruner: "Ich kann den Ärger der Anwohner verstehen. Wir wissen nicht, ob wir so eine Veranstaltung in dieser Art noch einmal in der Stadt genehmigen werden."

Unter den rund 1000 Feiernden befand sich auch Oberbürgermeister Kluge. "Wir hätten nicht gedacht, dass es so laut wird", sagte er zwei Tage später auf der Stadtratssitzung. Er räumte weiter ein, dass die Stadt die Situation unterschätzt habe. Dafür könne er sich nur entschuldigen. Die Genehmigungspraxis müsse nun neu überdacht werden. Sollte es im kommenden Jahr wieder einen Antrag für so eine Veranstaltung geben, werde es eine Zeiteinschränkung geben.


Kommentar: Wie ein schlechter Witz

Das Oktoberfest am vergangenen Wochenende am Sachsenring, das vielen Anwohnern den Schlaf raubte und sie wütend machte, ist nicht das eigentliche Problem. Das Dilemma besteht darin, dass wieder jene Menschen betroffen waren, die permanent durch das Verkehrssicherheitszentrum (VSZ) und seine Rennen in ihrem Alltag beeinträchtigt werden.

Da stellt sich auch die Frage nach der Verflechtung von Politik, Behörden und Wirtschaft: Jeder weiß, der Landkreis ist Gesellschafter im VSZ. Von Kommunal- und Landespolitikern gab es meistens nur leere Versprechungen. Schließlich existiert eine Gesetzeslage, die untauglich scheint, weil sie den unerträglichen Lärm erst möglich macht. Das ist wie ein Witz, aber ein schlechter.

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