Aktenträger sind nicht mehr zeitgemäß

Dirk Kirst ist neuer Landgerichts-Präsident. Er muss den Generationswechsel bewältigen und die E-Akte einführen.

Zwickau.

Mit Dirk Kirst hat das Landgericht Zwickau seit dem 1. Juni einen neuen Präsidenten. Seine erste Amtshandlung: Der Griff zum Telefon, um mit den Direktoren der Amtsgerichte einen Besuchs- und Gesprächstermin abzustimmen. Eines ist ihm dabei wichtig: "Ich wünsche mir, die gute Stimmung unter allen Mitarbeitern zu erhalten", sagt er. Vorstellen musste sich der 56-jährige Jurist nicht. Dirk Kirst ist in der Region bekannt. Und das nicht nur, weil er seit vielen Jahren in Zwickau lebt. Seine Karriere begann der Heidelberger in der Muldestadt, wo er zum Richter auf Probe ernannt wurde - am damaligen Kreisgericht Zwickau-Stadt. "Damals hatte ich gar keinen Bezug zu Sachsen", erinnert er sich. Ihm gefiel jedoch die Dynamik. "Hier konnte man die Justiz noch mit entwickeln", sagt er. Die Aufgabe - vor allem das Gebiet des Arbeitsrechts - reizte ihn, und er blieb.

Dabei war Kirst die Justiz nicht in die Wiege gelegt worden. "In meiner Familie waren bis dahin alle Chemiker", sagt er. "Ich bin da etwas aus der Art geschlagen". Ihn haben die Geisteswissenschaften und Sprachen interessiert. Dazu passt aber im Grunde auch sein Credo "Justiz muss verständlich sein". Dass er als Gerichtschef nicht mehr so oft die Richter- robe überstreifen kann, schmerzt Kirst schon etwas. Daher ist er auch froh, dass er die Erste Strafvoll- streckungskammer übernehmen konnte. "Den Großteil meiner Arbeit macht aber tatsächlich die Verwaltung aus", sagt Kirst. Immerhin gehören zu seinem Aufgabengebiet neben dem eigenen Haus vier Amtsgerichte: in Zwickau, Hohenstein-Ernstthal, Plauen und Auerbach/V.


Über Arbeitsmangel wird er sich nicht beklagen können. Kirst muss den Generationswechsel bewältigen. Historisch bedingt haben viele Richter 1991 ihre Tätigkeit aufgenommen. "Die kommen jetzt nach und nach ins Rentenalter", sagt er. Um den Nachwuchs macht er sich jedoch keine Sorgen. "Es gibt in Sachsen sehr viele sehr gut ausgebildete Juristen", sagt er.

Sein zweites großes Vorhaben ist die Einführung der elektronischen Akte. "Für die Justiz ist das ein Erdbeben", sagt er. Die Umstellung von Papier auf Computermonitor und damit verbunden schnellere Abläufe und bessere Büroorganisa- tion bedeuten viel Überzeugungsarbeit. "Boten, die Akten über Gänge tragen, gehören nicht zu einer modernen Justiz", erklärt er. Von 2008 bis 2012 war Kirst bereits Gesamtprojektleiter für die Einführung verschiedener Technik-Systeme bei der Justiz.

Die Reihe "Kunst & Justiz" will er wiederbeleben. Allerdings werde das in einem kleineren Rahmen als früher stattfinden. Das Foyer steht wegen der Eingangskontrollen nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Das sieht Kirst mit Bedauern. "Wir haben uns vor 20 Jahren für offene Gerichte eingesetzt", sagt er. Er ist aber auch Realist: "Wir werden das leider nicht mehr ändern können."


1994 zum Richter ernannt

Dirk Kirst wurde 1960 in Heidelberg geboren. Nach dem Staatsexamen wurde er im Oktober 1991 zum Richter auf Probe ernannt und dem Kreisgericht Zwickau-Stadt zugewiesen. Nach einem Gastspiel am Amtsgericht Kempten kehrte er 1992 nach Zwickau zurück und arbeitete am Arbeitsgericht, wo er 1994 zum Richter ernannt wurde. Ein Jahr später wechselte er ans Landesarbeitsgericht. Von 1996 bis 2001 stand sein Schreibtisch im Justizministerium, bevor er 2007 das Amtsgericht Zwickau als Direktor übernahm. 2012 wurde er Vizepräsident des Landgerichts Chemnitz. (nkd)

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