Apparatebau: Verwalter zieht die Notbremse

Finanzprobleme besiegeln das Aus für das traditionsreiches Unternehmen aus Crimmitschau. Zuletzt arbeiteten dort 55 Menschen - sie wurden vor weingen Tagen freigestellt.

Crimmitschau.

Die Krise im Apparatebau in Crimmitschau hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Rechtsanwalt Lars Birkigt, der vom Amtsgericht in Chemnitz als Insolvenzverwalter eingesetzt ist, entschied sich nun - in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss - für die Einstellung des Geschäftsbetriebes. "Das Unternehmen konnte zuletzt nicht mehr alle fälligen Rechnungen begleichen", sagt Lars Birkigt, der allerdings noch keine genauen Zahlen zum Umfang der Außenstände nennen kann. Dazu werden momentan noch Unterlagen zusammengetragen.

Schon seit längerer Zeit gab es Probleme im Apparatebau. Die Firma befand sich seit März in einem eigenverwalteten Insolvenzverfahren. Damals wurde eine Eigenverwaltung angeordnet. Lars Birkigt begleitete die Entwicklung zunächst als Sachverwalter, er ist seit November als Insolvenzverwalter eingesetzt. "Die Situation hat sich zuletzt verschärft. Trotz des Einsatzes von verschiedenen Beraterteams ist es nicht gelungen, einen Investor zu finden, den Gläubiger und Banken akzeptieren", sagt Lars Birkigt.

Er berichtet, dass zuletzt 55 Mitarbeiter im Unternehmen an der Fichtestraße beschäftigt waren. Sie wurden - nach der Einstellung des Geschäftsbetriebes - vor wenigen Tagen freigestellt.

In den Apparatebau-Hallen laufen trotzdem noch einige Maschinen. Unter Regie eines Unternehmens aus Crimmitschau, dessen Verantwortliche ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, werden verschiedene Aufträge fertiggestellt. "Die Garantie dieses Partners, der Zusagen zur Fertigstellung gegeben hat, war eine Voraussetzung, um zuletzt überhaupt an Aufträge zu kommen", sagt Birkigt. Er berichtet, dass momentan Gespräche mit Kaufinteressenten laufen. Dabei sei noch unklar, ob Immobilie und Maschinen in einem Paket verkauft werden können. Die Stadtverwaltung in Crimmitschau steht als Vermittlerin zur Verfügung. "Wir versuchen, die richtigen Leute zusammenzubringen", beschreibt Wirtschaftsförderin Andrea Beres die Aufgabe. Sie verweist auf die Tradition des Apparatebau. "Die Mitteilung, dass der Geschäftsbetrieb eingestellt werden muss, sorgt für bedrückte Stimmung", sagt Beres.

Im Apparatebau wurden unter anderem Wärmetauscher und große Behälter für Chemieanlagen hergestellt. Im April 2017 waren noch 70 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen kann auf eine mehr als 150-jährige Tradition zurückblicken. In der Vergangenheit wurde für Kunden aus mehr als 40 Ländern produziert. Die politische Situation in Russland und der Ukraine führte zu Problemen und Anfang 2015 zu Kurzarbeit.

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