Attraktionen an Talsperre in einer Hand

90 Jahre Kober - Um Bootsverleih, Bad, Park- und Zeltplatz kümmerte sich einst ein Zweckverband. Er betreute sogar ein Flugzeug.

Langenhessen.

Es gab in der 90-jährigen Geschichte der Koberbachtalsperre eine Epoche, die man heute als deren Blütezeit bezeichnen könnte. In dem Zeitabschnitt lagen die Betreibung und Vermarktung des gesamten Areals in einer Hand. Dazu wurde bereits 1970 der Kommunale Zweckverband (KZV) "Naherholung Werdauer Wald" gegründet, dem wenige Monate später die Gemeinden Langenhessen mit der Talsperre sowie die Gemeinden Niederalbertsdorf und Blankenhain beitraten. Parallel dazu gab es noch den Zweckverband "Harthwald und Umgebung" mit Sitz in Dänkritz. Am 1. Januar 1976 fusionierten die beiden Verbände - der Name: "Naherholungsgebiete Kreis Werdau". Seinen Sitz hatte der neue Zweckverband mit in der Gemeindeverwaltung Langenhessen.

Rainer Siegel, heute im Hunsrück in Rheinland-Pfalz lebender Pensionär, wurde 1985 zur Leiter des Zweckverbandes berufen. Unter dessen Regie fanden 1989 die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen der Talsperre statt. Rainer Siegel verfasste damals eine Broschüre zur Geschichte der Talsperre und beschäftigte sich dabei auch mit den Ereignissen vor seiner Zeit. "Seit der Übernahme der Talsperre durch den Zweckverband wurde zielstrebig am Ausbau dieses für den damaligen Kreis Werdau wichtigen Naherholungsgebietes gearbeitet", erinnert sich Siegel. Mit Erfolg. Die wichtigsten Ereignisse hat er noch immer parat. "Am 1. Oktober 1974 wurde der erste Teil des Bungalowdorfes fertig, fünf Jahre später erfolgte die Errichtung eines Sanitärtraktes auf dem Areal. Im Frühjahr 1976 wurde ein Torpedoschnellboot mit einer Länge von 15 Metern und einer Breite von 3,50 Meter am Ufer befestigt und zur Touristenattraktion. Noch im gleichen Jahr wurde das neue Eingangsgebäude zum Strandbad eingeweiht", zählt Siegel als Beispiele auf. Und noch ein Termin ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben: Der Sommer 1976 war heiß und sorgte für einen Besucheransturm im Strandbad. " Wir hatten an einem Juliwochenende rund 15.000 Besucher, ein absoluter und wohl bis heute einmaliger Rekord."


Der Zweckverband war nicht nur für die Talsperre zuständig, sondern auch für zahlreiche andere Attraktionen im Kreis Werdau. "1970 wurde ein Flugzeug vom Typ IL 14 neben der Gaststätte "Waldperle" in Langenbernsdorf stationiert und 1971 eröffnet. Es hatte eine Spannweite von 31,7 Meter und eine Rumpflänge von 21,3 Metern. Die Reisegeschwindigkeit betrug 350 km/h."

In der Gunst der Besucher ganz oben stand der Zeltplatz. 1975 konnten Gäste aus zwölf Nationen begrüßt werden. "Das zeigt, wie beliebt der Zeltplatz einst war. Er war auch eine unserer Haupteinnahmequellen", erinnert sich Gisela Junge. Sie gehörte von Mai 1976 bis Dezember 1990 zu den elf hauptamtlich Beschäftigten im Zweckverband und war all die Jahre für die Finanzen tätig. "Es war eine schöne Zeit. Damals gehörte auch die Minigolf-Anlage in Dänkritz mit zum Zweckverband. Die Einnahmen vom Flugzeug, den Zeltplatz, dem Bad oder dem Minenräumboot mussten exakt verbucht werden. Das war damals nicht anders als heute", sagt Gisela Junge.

Mit der Wende kam 1990 auch das Aus für den Zweckverband. Die Gemeinden, die in der Organisation mitarbeiteten, gingen andere Wege. "Das Flugzeug beispielsweise gehörte fortan der Gemeinde Langenbernsdorf und wurde für Besucher geschlossen. Ein paar Jahre später verkaufte es die Kommune an ein Autohaus", sagt Siegel. Er wechselte nach der Auflösung des Verbandes 1992 in die Gemeindeverwaltung Langenhessen und kümmerte sich um den Fortbestand der Talsperre als touristische Attraktion. Im Bürgermeister von Langenhessen, Lothar Plehn, fand er dabei einen Unterstützer. "Der Bootssteg wurde erneuert, der Parkplatz erweitert, und neue Wassertreter wurden angeschafft. Höhepunkt war am 16.Juli 1993 die Einweihung der Rutsche", zählt Siegel auf. 1996 erfolgte die Eingemeindung von Langenhessen nach Werdau. Seitdem ist es um das Naherholungsgebiet still geworden.

Vor ein paar Jahren gründete sich eine Interessenvereinigung Koberbachtalsperre, die sich bemüht, das Erbe des Zweckverbandes fortzusetzen. Bisher mit mäßigem Erfolg. Die Schuld darin sieht Andreas Osse, einer der Mitbegründer und langjähriger Chef der Vereinigung, im mangelnden Interesse der Stadt Werdau am Naherholungsgebiet. Auf dem Territorium von Werdau befindet sich der größte Teil des Gebietes mit seinen Hauptattraktionen. Quer durch die Talsperre verläuft die Grenze zu Niederalbertsdorf. Auf deren Fläche befinden sich der Zeltplatz sowie das inzwischen geschlossene Bungalowdorf.

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