Brandenburger hält Talsperre die Treue

90 Jahre Kober: Gert Pietsch wohnt seit einigen Jahren in Leegebruch im Kreis Oberhavel. Mit der Talsperre verbindet er noch immer zahlreiche Jugenderinnerungen.

Langenhessen.

Aus der Ferne verfolgt Gert Pietsch (Foto) mit Interesse die Vorbereitungen für die im August geplanten Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen der Koberbachtalsperre. Der ehemalige Langenhessener wohnt seit einigen Jahren 333 Kilometer von Werdau entfernt in einem kleinen Ort nördlich von Berlin. "Die Kober ist schon immer ein Zauberwort für alle, die der Freizeit, Erholung und Erlebnissen große Bedeutung beimessen. Noch heute ein Magnet für mich, wenn ich in die Heimat komme", sagt Geert Pietsch und gerät ins Schwärmen. "Vor allem erinnere ich mich an das Baden, den Anblick mit den Booten, insbesondere Segelbooten. Als Hobby-Fotograf habe ich viele Motive rund um das Gewässer aufgespürt und damit bei Ausstellungen und Wettbewerben gepunktet und somit die Talsperre quasi in alle Welt gebracht", blickt der Senior aus Brandenburg zurück.

"Persönlich habe ich so viele Erlebnisse, die mich mit der Talsperre verbinden, sodass es ein Roman werden könnte. Als ehemaliger Handballer war ich fast täglich im Dorf auf dem Sportplatz mit Schlackebelag und sah danach schwarz aus wie ein Schornsteinfeger. Danach gab es nur eins: Sich auf das Rad zu schwingen, an die Kober zu fahren und aus den Fluten der Talsperre wieder wie ein Mensch aufzutauchen. Und das vom Frühjahr bis zum Herbst, denn in der elterlichen Wohnung gab es noch keine Dusche."


Gert Pietsch verbindet noch mehr Erinnerungen an seine Jugendzeit in Langenhessen. Wollte er Freunde treffen oder sich mit ihnen verabreden, fuhr er dazu an die Talsperre. "Auch ohne Verabredung traf man stets Bekannte und die Zeit war immer zu kurz, wegen der Abwechslung zwischen Gespräch und Aktivitäten. Der Zeitungskiosk, der Imbiss, Bootsverleih und das Bademeisterkollektiv waren stets umringt. Hier fällt mir besonders der Bademeister Hans Petermann ein. Der rührigste Mann vor Ort, ein Kumpel und Helfer bei Bienenstichen, Sonnenbrand, Pflaster für den Fuß, Kind suchen, auf Sauberkeit achtend und den Einen und Anderen das Schwimmen beizubringen."

Doch nicht nur Gert Pietsch zog es in der Freizeit immer wieder an die Talsperre, sondern auch seine Geschwister. "Das ehemalige Gelände der GST-Seesport war das Domizil meiner beiden Brüder Norbert und Jürgen. Rudern und Segeln gehörten zur seemännischen Ausbildung. Für einen meiner Brüder war es das Sprungbrett, um später mit dem Segelschulschiff ,Wilhelm Pieck' nach Leningrad zu segeln", sagt der Brandenburger stolz.

Noch eine anderen Episode blieb Gert Pietsch in Erinnerung: "1950 rettete meine Mutter, eine ausgebildete Rettungsschwimmerin, eine Person vor dem Ertrinken."


Welche Bäche speisen die Koberbachtalsperre und wo haben sie ihre Quelle?

Das Einzugsgebiet der Talsperre Koberbach ist nach Aussagen der Landestalsperrenverwaltung 22,72 Quadratkilometer groß und reicht bis nach Thüringen. Zum Vergleich: Die Fläche der Stadt Werdau mit Ortsteilen ist 65,63 Quadratkilometer groß.

Die Talsperre staut das Wasser des Koberbaches, einem Nebenfluss der Pleiße, des Erdbaches und drei kleiner Seitenarme. Der Koberbach mit einer Länge von rund neun Kilometern und der Erdbach mit einer Länge von circa fünf Kilometern liefern die größte Wassermenge. Die Zuflussmenge werden am Pegel "Langenreinsdorf" elektronisch erfasst und dienen zur Steuerung der Abgabemengen der Talsperre.

Die Quelle des Koberbaches entspringt am Ortsausgang von Blankenhain in Richtung Chursdorf. Der Bach zieht sich durch das ganze Dorf, mal frei, mal verrohrt, speist den Schlossteich, verläuft dann weiter parallel zur gleichnamigen Straße in Blankenhain und endet in der Talsperre.

Der Erdbach entspringt unweit der B 175 an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Thüringen. Er fließt zwischen Feldern bis nach Niederalbertsdorf und dann weiter oberhalb der Dorfstraße bis in die Talsperre. (umü)

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