Das Geld der alten Dame

Ein 60-jähriger muss sich vor Gericht verantworten, weil er die Konten seiner Mutter geplündert haben soll. Oder gab sie ihm das Geld freiwillig.

Zwickau.

Hat ein 60 Jahre alter Mann die Konten seiner Mutter geplündert und die fast 90-jährige, an Demenz leidende Frau um etwa 140.000 Euro gebracht? Diese Frage muss seit Mittwoch am Amtsgericht Zwickau geklärt werden. Allerdings zeigte sich bereits am ersten Verhandlungstag, dass eine vollständige Aufarbeitung schwierig wird.

Das Geld der alten Dame, die nach Auffassung ihrer Betreuerin früher durchaus vermögend war, soll in erster Linie für die Finanzierung ihres Aufenthaltes in einem Pflegeheim gedacht gewesen sein. Davon jedenfalls geht die Staatsanwaltschaft aus. Sie wirft dem Angeklagten vor, große Summen für sich abgezweigt zu haben. Ende 2014 hatte die Mutter ihrem Sohn eine Vollmacht erteilt, die ihn berechtigte, über ihre Finanzen zu verfügen. Von da an weist die Anklageschrift eine lange Liste an Barabhebungen und mit der EC-Karte der Mutter bezahlten Einkäufen aus. Das Geld habe der Sohn gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin verwendet, um sich ein schönes Leben zu machen, heißt es in der Anklage.


Das sieht der Angeklagte, der am Mittwoch in kurzen Hosen und mit einem knallgelben ärmellosen Shirt vor Gericht erschien, ganz anders. "Das beweist doch das gute Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir", sagte er. Sie hätte ihm das Geld überlassen, weil sie es nicht mehr brauchte. "Sie war ja auch vorher schon immer sehr großzügig zu mir und hat allen in der Familie wertvolle Geschenke gemacht", erklärte der Angeklagte. Genau da beginnen für den Richter die Probleme. Hat die Frau ihrem Sohn das Geld freiwillig überlassen, weil sie sich in ihrem Alter um diese Fragen nicht mehr kümmern wollte, oder war sie wegen ihrer fortschreitenden Demenz nicht mehr dazu in der Lage, sich um ihre Finanzen zu kümmern? Die alte Dame selbst kann dazu vor Gericht nicht aussagen, wie die Betreuerin bestätigte. Der Angeklagte wiederum will die Einkäufe zumindest zum Teil im Auftrag seiner Mutter vorgenommen haben. "Nimm Dir, was Du brauchst, hat sie dann immer gesagt", erklärte der Sohn die fehlenden Beträge. Der Bruder des Angeklagten war es, der schließlich die Justiz einschaltete. Aber auch dafür hatte der Mann auf der Anklagebank eine einfache Erklärung: "Er hat weniger bekommen als ich."

Das Gericht muss noch viele Fragen klären und wird dazu neue Verhandlungstermine festsetzen. Dann sollen unter anderem der Bruder und weitere Familienangehörige angehört werden. Auch soll geklärt werden, wie lange die Mutter noch selbst die Kontrolle über ihr Geld hätte ausüben können.

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