Das Schicksal des Ottokar Dörffel

Schweren Herzens hatte das Glauchauer Stadtoberhaupt seine Heimat verlassen und ging nach Brasilien. Jetzt, anlässlich seines 200. Geburtstages, erschien ein Buch mit seinen Briefen nach Sachsen.

Glauchau.

Die längste Zeit seines Lebens hat der ehemalige Glauchauer Bürgermeister Ottokar Dörffel (1818 bis 1906) in Brasilien verbracht. Doch die Fahrt dorthin war nicht nur abenteuerlich, sondern nicht ganz freiwillig. Dörffel sah im Jahr 1854 keinen anderen Ausweg, als mit seiner Frau Glauchau und Deutschland zu verlassen. Mit dem Segelschiff "Florentin" fuhr er am 1. Oktober nach Brasilien und kam neun Wochen später in der dortigen Siedlungskolonie Dona Francisca an, dem heutigen Joinville.

Nach Sachsen kehrten die Dörffels nie zurück, hielten aber Briefkontakt zu ihren Verwandten und Freuden in Glauchau. Ihre nahezu 100 Auswandererbriefe wurden aus Anlass von Ottokar Dörffels 200. Geburtstages nun in einem Buch veröffentlicht und bieten umfassende Einblicke in ein Leben auf zwei Kontinenten. Autorin Judith Matzke vom Sächsischen Staatsarchiv wird am 18. November das Buch vorstellen. Die Briefe befinden sich im Sächsischen Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz sowie im Museum Schloss Hinterglauchau. Sie stellen in ihrer Quantität wie inhaltlichen Breite ein einzigartiges Zeugnis der Kultur-, Mentalitäts- und Alltagsgeschichte des 19. Jahrhunderts dar und ermöglichen intensive Einblicke in ein Auswandererleben, teilt das Staatsarchiv mit. Mit viel Herzlichkeit, Humor und spielerischem Umgang mit Sprache beschreiben Ida und Ottokar Dörffel ihren Alltag vom Aufbruch in Glauchau bis in Ottokar Dörffels Todesjahr.

Dabei ist der Grund, warum Dörffel mit seiner Frau Ida - Kinder hatte das Paar nicht - überhaupt ausgewandert ist, eher ein trauriger. Ottokar Dörffel war in den Revolutionsjahren 1848/49 Bürgermeister von Glauchau. Im Zusammenhang mit der Forderung der Einführung der neuen Reichsverfassung kommt es im Mai 1849 zu Aufruhr und zu blutigen Zusammenstößen zwischen Volk und Militär in Dresden. Auch in Glauchau kochen die Emotionen hoch. Bürgermeister Dörffel reagiert besonnen und mit Umsicht. Ihm gelingt es durch Reden, die Gemüter zu beruhigen und einen Sturm auf das Glauchauer Schloss - wie es ein Jahr zuvor in Waldenburg vollzogen wurde - zu verhindern. Um die Wortführer und besonders Aufsässigen aus der Stadt bekommen, schickte er als Bürgermeister zwei Freiwilligenzüge Richtung Dresden, um sich dem kämpfenden Volk anzuschließen. Das war sein Verhängnis, die Männer aus Glauchau kehrten unverrichteter Dinge zwar wieder zurück, Dörffel jedoch wurde wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde kurz drauf auf zwölf Jahre Freiheitsentzug abgemildert. Die Kaution in Höhe von 6000 Talern, das sei damals ein Vermögen gewesen, zahlten mehrere Glauchauer Fabrikanten, die Dörffel schätzten. So kam er nicht ins Gefängnis. Da er selber Jurist war, ging Dörffel in Berufung und wurde in zweiter Instanz sogar freigesprochen. Doch ein ruhiges Leben in Glauchau konnte er nicht mehr haben.

Die Präsentation findet am 18. November, 14.30 im Schloss Hinterglauchau statt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...