Der Herr der Wege

90 Jahre Kober: Im Naherholungsgebiet kommen nicht nur Schwimmer oder Camper auf ihre Kosten, sondern auch Liebhaber von Flora und Fauna.

Niederalbertsdorf.

Wenn Gerhard Wolf aus Neukirchen mit seinem Auto die Koberbachtalsperre ansteuert und sich in der Nähe des Vorstaus einen Parkplatz sucht, hat er keine Badehose oder Angelausrüstung im Kofferraum. Der 79-Jährige kommt nicht des Wassers wegen nach Niederalbertsdorf. Ihn lockt die Natur. Gerhard Wolf verschwindet kurze Zeit nach seiner Ankunft auf der gegenüberliegenden Seite der Talsperre und verbringt dann oftmals mehrere Stunden im Grünen.

Der Senior ist einer von derzeit vier Kreiswegewarten, die es im Landkreis gibt. Zum Gebiet, das der Rentner betreut, gehört auch das Naherholungsgebiet Koberbachtalsperre. "Die meisten Gäste wissen gar nicht, dass man rund um die Talsperre wunderbar wandern kann", sagt Gerhard Wolf. Dabei stehen den Erholungssuchenden gleich drei Strecken mit unterschiedlicher Länge zur Auswahl. "Es gibt einen gelb markierten Rundweg um die Talsperre. Der ist 4,2 Kilometer lang. Ein weiterer Weg führt an Niederalbertsdorf vorbei bis nach Blankenhain. Die rot markierte Strecke ist 6,4 Kilometer lang. Wer etwas mehr Kondition und auch Zeit hat, kann auch den Wanderweg über den Krippenberg in Neukirchen und dann an Dänkritz vorbei bis nach Zwickau nehmen. Der ist knapp 15Kilometer lang und grün markiert, sagt Gerhard Wolf. Als Start für die Touren, egal welche, empfiehlt der Experte den Damm zwischen Vorstau und der Talsperre. "Dort steht auch ein Wegweiser zur Orientierung."


Die Aufgaben, die Gerhard Wolf hat, sind vielfältig. "Ich bin für die Kontrolle der Wege zuständig. Im Auftrag des Landratsamtes schaue ich beispielsweise, ob die Markierungen noch vorhanden und die Beschilderung in einem guten Zustand ist, ob Gras gemäht worden ist und die Wege gut begehbar sind. Meine Gartenschere habe ich immer dabei und schneide störende Äste oder Zweige weg, wenn ich auf Kontrollgang bin", berichtet der Kreiswegewart. Doch manchmal reicht seine Schere nicht aus. "Als ich vor ein paar Tagen die Strecke nach Blankenhain abgegangen bin, lag mitten im Wald ein Baum quer über den Weg. Da bin ich noch einmal nach Hause gefahren, habe meine Säge geholt und dann den Baum zersägt, sodass der Weg wieder ungehindert genutzt werden konnte."

Was den Senior ärgert und wo er mit seinen Möglichkeiten überfordert ist, sind beispielsweise zerstörte Bänke entlang des Weges nach Blankenhain. "Da muss ich das Rathaus in Crimmitschau informieren, die schicken dann jemand vom Bauhof los." Manchmal geht die Beseitigung der Schäden dem Senior nicht schnell genug, doch er hat Verständnis für die Männer vom Bauhof. "Die haben sicherlich auch so genug zu tun und können auch nicht überall sein." Stolz ist er dagegen auf die Männer, die alljährlich den Triathlon an der Talsperre organisieren. "Das ist eine tolle Truppe. Die kümmert sich im Vorfeld immer um die Beseitigung der Schäden auf dem gesamten Rundweg, weil die Strecke mit für die Veranstaltung genutzt wird."

Das Areal um die Talsperre zieht den Neukirchener nicht nur wegen der Wanderwege an, mit ihm verbindet Gerhard Wolf auch Jugenderinnerungen. "Ich gehörte von 1958 bis 1968 zu den Dauercampern. Da war ich noch ein junger Kerl und habe in den Volltuchwerken in Schichten gearbeitet. Entweder vor oder nach der Arbeit bin ich an die Kober gefahren. Wir haben damals auch viel Blödsinn gemacht und mit Freunden am Ufer Schlammschlachten veranstaltet und hatten viel Spaß dabei. Die Talsperre lässt mich einfach nicht los."

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