Drachen tanzen am Herbsthimmel

Im Herbst steigt in Silberstraße seit Jahren ein besonderes Fest. Drachen rauschen durch die Luft - und am Boden sind mitunter echte Profis am Werk.

Silberstraße/Neukirchen.

Herbst und Drachensteigen gehören einfach zusammen. Der Dorfclub Silberstraße hat aus dem Spaß eine Tradition gemacht und am Mittwoch zu seinem 15. Drachenfest auf eine freie Fläche am Rande des Wohnparks eingeladen. Dutzende Einwohner des zu Wilkau-Haßlau gehörenden Ortsteiles schickten ihre Fluggeräte in den Herbsthimmel.

Je nach Erfahrung mit mehr oder weniger Erfolg. Einige Versuche, die Drachen an der Leine zu zähmen, endeten in einem der Bäume. Dank der Unterstützung der freiwilligen Feuerwehr konnte aber so manches Malheur schnell wieder behoben werden. Einer der Betroffenen gab augenzwinkernd zu: "Ja meinen Namen nicht in die Zeitung schreiben! Ich habe früher mit meinen Kumpels erstklassige Drachen gebaut und steigen lassen. Wenn die lesen, dass ich jetzt so ein Ding im Baum versenkt habe, kann ich mich auf Arbeit auf viele hämische Worte gefasst machen." Solche Problemchen bereiteten dem Drachenexperten Andreas Napravnik aus Neukirchen kein Kopfzerbrechen. Der versierte Bastler gehört zu Elite der Drachenbauer und war mit seinen Kreationen schon bei vielen internationalen Veranstaltungen auf der ganzen Welt dabei. Seit gut zehn Jahren zeigt er auch in Silberstraße immer wieder eine Auswahl besonders schöner Exemplare. "Hier fühle ich mich wohl, weil dieses Fest noch sehr volkstümlich ist. Es ist wunderbar zu erleben, wenn Erwachsene zusammen mit den Kindern oder Enkeln Drachen steigen lassen und sich gemeinsam daran erfreuen, wenn ihr Drachen munter im Wind tanzt", sagte er. Allerdings bedauerte Andreas Napravnik, dass die meisten Leute nur noch auf gekaufte Exemplare zurückgreifen. Damit gehe ein großes Stück vom eigentlichen Reiz an der Sache verloren. Trotzdem freute er sich, dass es noch immer genügend Familien gibt, die sich dieses herbstliche Vergnügen gönnen.

Bestes Beispiel: Bernd Emmerlich. Der 60-jährige Zwickauer besuchte extra aus Anlass des Drachfestes die in Silberstraße wohnende Familie seines Sohnes. "Ich genieße es, mit meinem Enkel einen Drachen steigen zu lassen. Zugegeben, ein gekauftes Exemplar, weil das die bequemere Variante ist. Aber selbst so einen fertigen Drachen in die Luft zu bekommen und dort zu halten, ist bei diesem Wind schon eine echte Herausforderung.". Er habe schon früher lieber auf die bunten Herbstflieger mit "Fluggarantie" zurückgegriffen, als selbst die mühevolle Bastelei zu bewerkstelligen. Aber es rückten am Mittwoch auch einige Drachenfans an, die es sich nicht nehmen lassen wollten, die Erfolge ihrer Bastelkunst in den Himmel zu schicken. Ein besonders eindruckvolles Exemplar hatte Ralf Schimmack mit bei. "Diesen Drachen habe ich bestimmt schon vor 20 Jahren gebaut. Das Grundgerüst ist noch original. Lediglich die Papierbespannung musste ich immer wieder mal erneuern. Aber, und das zählt: Er fliegt noch immer ziemlich gut und stabil", freute sich der 63-Jährige. Interessant fand er, dass sein "historischer" Drachen mit dem langen Papierschwanz ein völlig anderes Flugverhalten aufweist als die modernen mit Folie bespannten Drachen. Doch auch Vertreter der jüngeren Generation scheinen Gefallen an der Drachenbautradition zu finden. Sven Bergert, 33 Jahre alt, rückte mit einem Eigenbau an. "Ich kenne das noch aus meiner Kindheit. Allerdings habe ich schon seit ewigen Zeiten keinen Drachen mehr gebaut. Das ist heute mal wieder ein Versuch. Ich hoffe er fliegt", meinte er. Tat er, wenngleich auch nur kurz. Sven Bergert hatte das wohl kommen sehen und sicherheitshalber noch einen Kaufdrachen mit dabei.

Armin Klug, der vor 15 Jahren die Idee des Drachenfestes ausgebrütet hatte, freute sich über den Zuspruch. "Wenn ich sehe, wie viele große und kleine Leute so eine Veranstaltung anlockt, dann ist das für mich ein Zeichen dafür, dass sie nach dem Geschmack der Menschen hier bei uns ist", so der 66-Jährige. Und er betonte, dass der Dorfclub dieses Drachenfest aus eigener Kraft stemmt. "Wir haben dafür keinerlei Sponsoren - auch wenn wir uns die manchmal wünschten. Wenn Drachen-Spezies wie Andreas Napravnik zu Gast sind, dann auf eigene Kosten. Wir können ihnen im Gegenzug lediglich Essen und Trinken anbieten."

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