Fäkaliendeponie wird zur Oase für Tiere

4000 Erdkröten haben in den ehemaligen Absetzbecken in Dänkritz ein neues Quartier erhalten. Abgeschlossen sind die Arbeiten damit noch nicht.

Dänkritz.

Eine der wichtigsten Hürden bei der geplanten Sanierung der ehemaligen Fäkaliendeponie in Dänkritz ist jetzt genommen worden. Der Umzug von mehr als 4000 Erdkröten, zu denen unter anderem der Bergmolch, der Grasfrosch, die Knoblauchkröte und die Kreuzkröte gehören, ist erfolgreich abgeschlossen worden. "Die Tiere wurden durch Amphibienleiteinrichtungen in das neu angelegte Laichgewässer umgesetzt. Sie haben das Ersatzbecken auch gut angenommen. Ein Beleg dafür sind die zahlreichen Kaulquappen, die derzeit vorhanden sind", sagt die Pressesprecherin des Landratsamtes, Ilona Schilk.

Aus dem derzeit noch wassergefüllten Klärbecken 4 wurde darüber hinaus eine Biomasse-Umlagerung in die Laichgewässer durchgeführt. "Die Biomasse besteht aus Unterwasserpflanzen und daran haftenden Insektenlarven", sagt Schilk. Mit dieser "Beimpfung" der Ersatzgewässer soll die Besiedlung der Großen Moosjunger beschleunigt werden. "Dabei handelt es sich um eine nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Libellenart, deren Vorkommen hierdurch in dem Areal gesichert werden soll", erklärt Brit Wendler, Leiterin des Umweltamtes in der Kreisverwaltung. Heimisch fühlen sich in dem Areal inzwischen auch etliche kleine Reptilien wie die Zauneidechse und die Waldeidechse.


Notwendig machten sich all die Maßnahmen zum Wohl der Tiere, um die im Vorjahr begonnene Sanierung der ehemaligen Fäkaliendeponie fortsetzen zu können. "Derzeit werden die Fäkalienschlämme der beiden Absetzbecken unter Beimischung eines Stützkornes, das zur Erhöhung der Festigkeit dient, eingebaut. Parallel dazu wird der Schlamm aus dem Klärbecken mittels Pumpen entnommen und in sogenannte Geotubes eingebracht", erklärt die Behördensprecherin. In den überdimensionalen "Kloßsäcken" soll der Schlamm zunächst entwässert werden, bevor er mit Asche stabilisiert und dann ebenfalls in den Deponiekörper eingebaut wird. Abschließend erfolgen noch der Dichtungsaufbau sowie eine Abdeckung der Deponie mit Rekultivierungsboden.

Das seit einigen Jahren geplante Vorhaben macht ein Fördermittelbescheid der Landesdirektion möglich. Der Freistaat stellte dem Landkreis vor zwei Jahren knapp 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt sind für das Projekt, mit dessen Realisierung im Vorjahr begonnen wurde, 2,9 Millionen Euro eingeplant. Für den Differenzbetrag muss der Landkreis aufkommen. "Ein Projekt in der Größenordnung ist schon eine Hausnummer. Nicht nur vom Wertumfang her, sondern auch von der Aufgabe. Die Fäkaliendeponie ist die einzige dieser Art im Landkreis", sagte Brit Wendler bereits zu Beginn der Rekultivierungsarbeiten.

In Betrieb genommen wurde die Deponie 1983 und bis zum 30. Juni 1996 genutzt. Während dieser Zeit landeten auf der Halde an der Crimmitschauer Straße am Ortseingang von Dänkritz, aus Richtung Zwickau kommend, rund 19.000 Kubikmeter Fäkalienschlamm. 21 Jahre lang herrschte nach der Stilllegung Ruhe auf dem Areal. In dieser Zeit eroberte sich die Natur das Gebiet zurück. Doch die Hinterlassenschaften, zu denen auch Industrieschlamm gehörte, blieben. "Da es sich zu DDR-Zeiten um eine öffentlich zugelassene Deponie handelte, war es auch möglich, unterschiedliche Schlämme zu entsorgen. Der Umweltschutz spielte damals keine große Rolle", sagt Wendler.

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