Fotos und Spielzeug wecken Erinnerungen

Das Stadt- und Dampfmaschinenmuseum in Werdau hat eine neue Ausstellung eröffnet. Am Sonntag schauten rund 60 Besucher vorbei. Dazu gehörten auch ehemalige Erzieherinnen.

Werdau.

Ingrid Böttcher hütet die Erinnerungsstücke an die Kinderkrippe "Bummi" in Werdau wie einen kleinen Schatz. Die ehemalige Leiterin der Einrichtung, die sich in einer Villa unweit des Feuerwehrgerätehauses befand, hat Broschüren und Fotos aufgehoben. Auf einer Fotomontage sind die früheren Kollegen der Kinderkrippe zu sehen. Zudem befindet sich ein altes Eingangsschild in der privaten Sammlung. "Mit der Kinderkrippe ist ein großer Teil meines Lebens verbunden", sagt Ingrid Böttcher, die vom 1.Januar 1966 bis 31. Januar 1991 die jüngsten Mädchen und Jungen aus Werdau in der Kinderkrippe am Schlossberg betreut hat. Dabei war sie auch lange als Leiterin für die Werdauer Einrichtung verantwortlich.

Die Exponate von Ingrid Böttcher füllen momentan eine Vitrine in der neuen Ausstellung mit dem Titel "Kindergartengeschichten" im Stadt- und Dampfmaschinenmuseum in Werdau. Die Schau erinnert an Kinderkrippen, Kindergärten und Kinderheime. "Toll, dass sich das Museum des Themas annimmt", sagt Ingrid Böttcher, die sich immer noch aller zwei Monate mit einem Teil der ehemaligen Kolleginnen aus der Kinderkrippe "Bummi" trifft. Vielleicht wird das Treffen in den nächsten Wochen mit einem Abstecher in das Stadt- und Dampfmaschinenmuseum verlegt. Dort wird die aktuelle Schau bis zum 5. Mai gezeigt.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntagnachmittag waren rund 60 Besucher - dazu gehörte auch Oberbürgermeister Stefan Czarnecki (CDU) - in der Einrichtung an der Holzstraße. Darunter war auch Monika Kramer, die in der Kindertagesstätte "Pusteblume" an der Braustraße tätig war. Dort begann sie 1962 als Erzieherin. 1986 übernahm sie die Leitung der Kindertagesstätte. 2004 ging sie in den Ruhestand. Sie berichtete unter anderem, dass die Eltern zu DDR-Zeiten nur für das Mittagessen etwas bezahlen mussten - 35 Pfennig pro Kind und Tag. Ansonsten war die Betreuung, im Gegensatz zu heute, kostenlos. Die Kindereinrichtungen hatten damals von 6 bis 17 Uhr geöffnet. Teilweise wurden die Mädchen und Jungen schon etwas früher abgegeben, weil der Dienst in den Fabriken um 6 Uhr begann. "Bei Bauprojekten, wie zum Beispiel der Schaffung eines Kinderplanschbeckens, haben Partnerbetriebe geholfen", erinnert sich Monika Kramer. Sie wünscht sich - wie einige andere Erzieherinnen im Ruhestand - eine Aufarbeitung und Dokumentation der Kindergartengeschichte von Werdau. "Das wäre sicher lohnenswert", sagt die langjährige Chefin der "Pusteblume". Hans-Jürgen Beier, Leiter des Stadt- und Dampfmaschinenmuseums, bestätigt, dass es viele interessante Dokumente und Aussagen von Zeitzeugen gibt. Beier: "Man braucht aber auch Leute, die sich um so eine Aufgabe kümmern." Vielleicht finden sie ja durch die aktuelle Ausstellung zusammen und können ihre vielen Erinnerungen für die Nachwelt festhalten.


Nach den Kindergarten-Geschichten folgen Stadt- und Landschaftsbilder auf Porzellantassen

Fünf Sonderausstellungen präsentiert das Stadt- und Dampfmaschinenmuseum in diesem Jahr. Bis zum 5. Mai können sich die Besucher über die Kindergarten-Geschichte informieren. Unter dem Titel "Zerbrechliche Reiseträume" rücken vom 19. Mai bis 14. Juli Stadt- und Landschaftsbilder auf Porzellantassen in den Mittelpunkt. Vom 21. Juli bis 29. September heißt es "Achtung Hochspannung". Künstler aus Werdau und Umgebung präsentieren ihre Arbeiten vom 3. Oktober bis 10. November bei der "Pleißenländer Art". Am 30. November beginnt die Weihnachtsausstellung.

Parallel dazu wird eine Foyer-Ausstellung gezeigt. In der Zeit des Jugendstils an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderts bestimmten Glasperlen einen interessanten Modetrend. Bilder, Handtaschen und andere Schmuckgegenstände wurden mit filigranen Mustern aus winzigen Glasperlen überzogen. Das Museum an der Holzstraße 2 in Werdau hat von Sonntag bis Donnerstag, jeweils von 10 bis 16 Uhr, geöffnet. Freitags und samstags bleibt die städtische Einrichtung geschlossen. Der Eintritt kostet 2,50 Euro für Erwachsene und 1Euro für Kinder (ab 6 Jahre). (hof)

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