Gekocht wird wie im DDR-Fernsehen

In der "Erdbeerschänke" in Leubnitz stehen derzeit ausschließlich Gerichte aus der DDR-Zeit auf der Speisekarte. Das Team lässt sich dabei von Kurt Drummer inspirieren. Am Sonntag lud das Team zum Brunch ein.

Leubnitz.

Als Ronald Otto geboren wurde, hatte Kurt Drummer seinen Dienst im DDR-Fernsehen längst quittiert. Dennoch war er das Vorbild für den kleinen Ronald. "Ich kenne Kurt Drummer nur aus den Erzählungen meines Opas. Der fand den Fernsehkoch toll und ich ihn damit auch. Mit meinen Großeltern habe ich als Kind immer am Herd gestanden und wusste schon als Vierjähriger, dass ich von Beruf Koch werden möchte", blickt der heute 33-Jährige zurück.

Seinen Wunsch hat er wahr gemacht und nach Abschluss der Schule im Schloss Klaffenbach bei Chemnitz Koch gelernt. Danach folgten Stationen in verschiedenen Orten von den Alpen bis zur Ost- und Nordsee - bis er vor sechs Jahren die "Erdbeerschänke" in Leubnitz übernahm und dort das Sagen hat. Auch wenn er dort der Chef ist, legt er Wert auf ein gut funktionierendes Miteinander. Neben ihm stehen auch Phillip Berg (31) und Ilona Kloth (63) am Herd. Alle drei sind gelernte Köche. "Wir wechseln uns in der Küche ab und treffen Entscheidungen auch gemeinsam."

Eine der Entscheidungen war, eine DDR-Woche auf die Speisekarte zu nehmen. Dabei bauten die beiden Männer, die die DDR nur vom Hörensagen her kennen, auf die Erfahrungen ihrer Mitstreiterin Ilona Kloth. Die kann sich noch genau an die Kochsendungen im DDR-Fernsehen erinnern. "Wir haben die Sendungen mit Kurt Drummer immer gesehen und uns dabei auch so manche Tipps und Tricks abgelauscht. Wenn man aus der Branche kommt, sieht man das auch alles mit anderen Augen", sagt die 63-jährige Greizerin. Was das Team von der "Erdbeerschänke" den Gästen bis zum Ende des Monats servieren will, sind keine Gerichte aus irgendeinem DDR-Kochbuch, sondern die Speisen, wie sie Kurt Drummer zubereitete, die in den DDR-Gaststätten zum Alltag gehörten und in vielen Lokalen zwischen Ostsee und dem Erzgebirge auch noch immer mit zu finden sind: Soljanka, Würzfleisch mit Toast, Jägerschnitzel mit Kartoffelpüree, Spirelli mit Wurstgulasch, Steak Letscho oder als Dessert "Kalter Hund". Selbst Getränke, wie "Pfeffi" und "Kommodenlack" (Mokkalikör) sind auf der Karte zu finden. Allerdings sind die Preise nicht mehr wie zu DDR-Zeiten.

Was dem Küchen-Trio wichtig ist: "Bei uns werden nur frische Zutaten verwendet und nichts aus der Büchse geschüttelt oder aus der Tüte zusammengerührt. Das beginnt bei der Soljanka und hört beim Hirschgulasch auf", sagt Ronald Otto. Ilona Kloth nennt es anders. "Bei uns gibt es Küche ohne Schnickschnack." Die 63-Jährige hat einst im HO-Kreisbetrieb in ihrer Heimatstadt Greiz Köchin gelernt und weiß, wie zu DDR-Zeiten gekocht wurde. Auch wenn Ronald Otto in renommierten Häusern am Herd stand, weiß der Chef die Erfahrungen seiner Kollegin zu schätzen. Und ein bisschen ist auch bei ihm die DDR in puncto Geschmack erhalten geblieben. "Ich mag am liebsten Sauerbraten mit Klößen und Apfelrotkohl, den mein Opa macht. Er hat sich dabei immer an dem Rezept von Kurt Drummer orientiert." Und Ilona Kloth ergänzt: "Bei mir zu Hause sind noch immer Rouladen, jedoch mit Thüringer Klößen, der Favorit." Und bei Phillip Berg kommt als gebürtiger Leipziger am liebsten "Leipziger Allerlei" auf den Tisch.


Wer war Kurt Drummer?

Der gebürtige Sachse, in Gornsdorf aufgewachsen, war eines der bekanntesten Gesichter im DDR-Fernsehen. 1958 flimmerte das erste Mal seine Sendung "Der Fernsehkoch empfiehlt" über die Bildschirme - 650 Folgen wurden ausgestrahlt. Im August 1983 wurde die Reihe eingestellt. Neben Kurt Drummer gab es einen zweiten Fernsehkoch: Rudolf Kroboth. Der hatte sich auf Fischspeisen spezialisiert. Zwischen 1960 und 1972 war er im DDR-Fernsehen präsent. Kurt Drummer erlernte seinen Beruf im "Chemnitzer Hof" in Karl-Marx-Stadt und war danach unter anderem im Hotel auf der Wartburg und im Hotel "Elephant" in Weimar Küchenchef. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in der BRD war er als Koch für die DDR-Mannschaft engagiert. Kurt Drummer starb am 8. Juni 2000. (Quelle: Wikipedia)


Das Lieblingsgericht von Ronald Otto: Sauerbraten nach Opas Rezept

Zutaten: 1,5 Kilo "Falsches Filet" vom Rind, 500 Milliliter Essig, ein Liter Wasser, zwei Essläufel Salz, ein Lorbeerblatt, einen halben Teelöffel Pfefferkörner, zwei Nelken, Suppengrün.

So wird es gemacht: Essig, Wasser und Salz aufkochen, Suppengrün und Gewürze zugeben und abkühlen lassen. Den Rinderbraten waschen und mit dem Sud übergießen. Mindestens vier Tage einlegen. Das Fleisch herausnehmen, abtupfen, scharf anbraten, Suppengrün (frisches, nicht das mit dem Fleisch eingelegte) ebenfalls anbraten. Fleisch heraus nehmen und Tomatenmark anbraten und mit Rotwein ablöschen. Einen halben Liter Gemüsebrühe aufgießen. Sauerbratensud nach Geschmack zugeben - circa die Hälfte sollte es schon sein, damit auch die Soße sauer wird. Zwei Stunden garen beziehungsweise so lange, bis das Fleisch zart ist. Das Fleisch aus der Soße nehmen und schneiden. Die Soße durch ein Sieb geben. Kartoffelstärke und Mehl zusammen mit kaltem Wasser anrühren und in den kochen Soßenfond einrühren, um sie abzubinden.

Dazu passen sehr gut Rotkohl und Grüne Klöße.

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