Grabenhexe bohrt sich durchs Gestein

Einen Kilometer Glasfaser zu verlegen, kostet durchschnittlich 80.000 Euro. Nur nicht in Wildenfels. Wegen des "wilden Felsens" und zum Schutz der Linden ist Spezialtechnik notwendig.

Wildenfels/Crimmitschau.

"Ditch-Witch" heißt das Gerät, das seit Montag nahe des Bahnübergangs an der Ernst-Schneller-Straße in Wildenfels steht. "Ditch-Witch" - zu Deutsch: Grabenhexe - ist eine Felsbohranlage, die sich unter dem kleinen Fußweg, der hinauf zur Lindenstraße führt, durch den Berg buddelt. Oder besser schneidet, wie Christian Schulze sagt. Er steuert im Auftrag der Zeitzer Firma Beermann den Bohrer der Grabenhexe, der bis zu fünf Meter unterhalb der Wurzeln einen Weg für ein Rohr mit sechs Zentimetern Durchmesser freimacht. "Am Schlossberg ist das eine schwierige Geschichte", sagt Bürgermeister Tino Kögler (parteilos) und ist doch froh, dass nach zwei Jahren Absichtserklärungen nun Taten folgen. "Und ich gehe davon aus, dass man oben auch dort rauskommt, wo man es geplant hat", sagt der Stadtchef am Donnerstagmorgen gut gelaunt bei einer Stippvisite vor Ort.

Nach Informationen von Rainer Frank, bei der Telekom zuständig für den Infrastrukturvertrieb in der Ostregion, passiert mit dieser Verfahrenstechnik derzeit beim Breitbandausbau im Landkreis Zwickau etwas Einmaliges. Vorteil des Bohrspülverfahrens: Es wird grabenlos gebaut. Das hat freilich auch seinen Preis, versichert er, ohne konkret zu werden. Doch um die Linden nicht zu gefährden, blieb keine Alternative. Einen Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen, kostet nach Telekomangaben durchschnittlich 80.000 Euro.

Liegen die Leerrohre, werden die Breitbandkabel mit Druck durchgespült. Ziel ist es laut Frank, in allen Wildenfelser Ortsteilen bis zum Einbruch der Winterperiode fertig zu werden. Rund 1850 Haushalten stünden dann Bandbreiten - je nach Entfernung zum Verteilerkasten - von 30 bis zu 100 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen (Down-Load) zur Verfügung. "Für den, der möchte, sogar noch mehr: Im Download-Bereich sind dank neuer Technik sogar bis zu 250 Megabit machbar", sagt Frank. Zwölf neue Verteiler werden aufgestellt.

Bohrexperte Christian Schulze zufolge arbeitet sich die Maschine 280 Meter unterirdisch vor. "Allein am Dienstag haben wir 100 Meter geschafft", sagt er. Ziel ist, die Grabenhexe Ende nächster Woche wieder abzuziehen. Dann geht es für die Telekom anderenorts weiter. "Ohne vorübergehende Straßen- und Gehwegsperrungen wird das nicht machbar sein", kündigt Kögler an.

Laut Telekom-Regio-Managerin Conny Wiegand geht es auch anderenorts zügig voran. In Kirchberg läuft der Ausbau nach Plan, ebenso in Crimmitschau und Neukirchen, Waldenburg und Oberwiera sowie Limbach-Oberfrohna. Wiegand zufolge ist Ziel, Ende 2018, spätestens Anfang 2019 mit dem Ausbau in diesen Orten fertig zu sein. Danach werden die Kunden angeschrieben. Sie entscheiden mit der monatlichen Rate, wie schnell sie im Internet unterwegs sein wollen.

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