Heinz Heinrich braucht schnelle Hilfe

Ob Herzinfarkt, Kreislaufzusammenbruch oder ein Zuckerschock: In einer Werdauer Einrichtung werden der richtige Umgang mit Kranken und Handhabung der Technik geübt. Der künstliche Patient kann sogar bluten.

Werdau.

Heinz Heinrich klagt über starke Schmerzen hinter dem Brustbein, Engegefühl im Brustkorb, Atemnot und Angstzustände. Typische Symptome eines möglichen Herzinfarkts. Jetzt zählen jede Minute und die richtigen Entscheidungen. Fehler in der Behandlung könnten fatale Folgen haben.

Heinz Heinrich, 1,70 Meter groß und 70 kg schwer, ist ein normaler Durchschnittsbürger. Er ist jedoch kein Mensch und der Name nur frei erfunden. Heinz Heinrich, der genauso gut Andreas Anders heißen könnte, sieht nur aus wie ein Mensch. Er ist ein Patientensimulator, vollgestopft mit modernster Technik. Sämtliche Reaktionen sind denen eines Menschen zum Verwechseln ähnlich. "Er kann eine dicke Zunge, blaue Lippen oder einen steifen Hals bekommen, zittern, schwitzen, bluten. Er kann sämtliche Gliedmaßen bewegen und sogar sprechen" sagt Peggy Voigtmann. Die 43-jährige ausgebildete Krankenschwester und Rettungsassistentin gehört zum "Betreuungsteam" im Simulationszentrum an der Zwickauer Straße in Werdau.

Verbunden ist der Patientensimulator, mit dem nahezu alle möglichen Notfälle in Szene gesetzt werden können, per WLAN mit einem Computer in einem Nebenraum. Dort sitzt Gyula Szabo. Er überwacht die Technik und ist die "Stimme" des fiktiven Patienten. Auf mehreren Bildschirmen werden unter anderem der Puls und der Herzschlag des Patienten angezeigt. Jede Tätigkeit zur Behandlung der Symptome, wie beispielsweise bei dem fiktiven Herzinfarkt des Musterpatienten Heinz Heinrich, wird exakt registriert. "Ziel ist eine möglichst realitätsnahe Ausbildung", erklärt Frieder Neidel, Leiter der Einrichtung. Mit den Übungen soll die Lücke zwischen den unterschiedlichen Ausbildungen, welche Ärzte und Krankenschwestern erhalten, geschlossen werden. "Die meisten Fehler, die bei medizinischen Behandlungen gemacht werden, sind nicht auf fehlendes Fachwissen zurückzuführen, sondern auf Missverständnisse in der Kommunikation. Deshalb wollen wir üben, damit diese Probleme in der Praxis nicht auftreten", sagt Frieder Neidel, selbst Facharzt für Anästhesie und Intensivpflege. Anders als im Alltag sind Fehler beim Umgang mit dem Patientensimulator "gewünscht". Er reagiert sofort, wenn beispielsweise das falsche Medikament verabreicht wurde oder die Dosis zu schwach war. "Mithilfe des Computers können wir jedoch reagieren, sodass der fiktive Patient am Leben bleibt. Die richtigen Entscheidungen zu treffen, lernt man nur durch das Üben von Zwischenfällen in außergewöhnlichen Situationen", sagt Frieder Neidel.

Nur wenige Einrichtungen in Sachsen können sich die Anschaffung einer derartigen Hightech-Puppe leisten. Die Kosten dafür liegen in einem sechsstelligen Bereich. Neben den Universitäten in Leipzig und Dresden verfügen lediglich die Johanniterakademie in Leipzig sowie das Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt über einen Patientensimulator. "Wir sind neben der Johanniterakademie die einzige medizinische Berufsfachschule in Sachsen, die eine derartige Technik besitzt", sagt der Leiter des Hauses. Die Ausbildung, unter anderem für Sanitäter beziehungsweise Notfallsanitäter und für die Weiterbildung von Ärzten, erfolgt durch zwei Instruktoren mit jeweils einem Team, bestehend aus drei Personen, direkt am Sitz des Zentrums.

"Da der Simulator und die gesamte dazugehörige Technik transportabel sind, können wir damit auch auf Reisen gehen und Weiterbildungen in den jeweiligen Einrichtungen durchführen. Das Einsatzgebiet erstreckt sich bundesweit, schwerpunktmäßig jedoch auf den Großraum Dresden und Chemnitz", sagt Gyula Szabo.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...