Hexenfeuer: Streit wegen Puppe entfacht

Auf dem Holzhaufen in Langenhessen brannte eine Figur, die wie ein Bogenschütze aussah. Zufall oder Absicht? Darüber streitet nun das Dorf. Manch einer hat bereits Konsequenzen gezogen.

Langenhessen.

Andreas Erdmann will sich nicht dazu äußern, was ihm beim Hexenfeuer in der Gemeinde Langenhessen so richtig auf den Magen geschlagen ist. "Ich und meine Frau haben zum 1. Juli alle Ämter bei den Bogenschützen des Vereins Rot-Weiß Werdau niedergelegt", sagt der Werdauer, der als Abteilungsleiter den Bogensport in der Region großgemacht hat. Die eigentlich für den 23. Juni geplante Landesmeisterschaft im Bogenschießen wurde für Werdau abgesagt.

Bei dem Hexenfeuer am 30. April, zu dem Feuerwehr und Feuerwehrverein eingeladen hatten, loderte eine Puppe, angezogen mit weißer Hose und rotem Shirt und in der Hand mit einem "bogenähnlichen Gegenstand" auf dem Holzhaufen. So interpretieren es Andreas Erdmann und weitere Besucher, die sich empört an "Freie Presse" wandten.


Die Wogen schlugen hoch, die Sache schaukelte sich immer höher auf. In dieser Woche nun fand im Büro der Langenhessener Ortsvorsteherin Sabine Löhmer (parteilos) eine Aussprache mit den Beteiligten statt. "Alles war nur ein großes Missverständnis", sagt Sabine Löhmer.

"Vonseiten des Veranstalters lag keine böse Absicht vor. Wir haben die Sache geklärt", sagt auch Udo Fiol, Präsident des SV Rot-Weiß Werdau. Wenn sich die Bogensport-Abteilung des Vereins neu formiert hat, will man mit den Feuerwehrleuten in Langenhessen reden und eine weitere Zusammenarbeit planen. Dass man aus Langenhessen weggehe, davon könne keine Rede sein. "Es gibt keine Anfeindungen gegen die Bogensportler im Dorf", ist sich Sabine Löhmer sicher. Der Werdauer Oberbürgermeister Stefan Czarnecki (CDU) hatte den Schützen den Sportplatz Langenhessen per Pachtvertrag 2014 zur Nutzung angeboten, da sie ihre Trainingsstätte in Werdau im Stadion zugunsten der Fußballer aufgeben mussten.

"Einige Langenhessener waren damals schon stinkig, dass in diesem Zusammenhang der Spielplatz weg musste und erst Jahre später in Nähe des Kindergartens neu entstand. Aber ihr Unmut galt den Ortschaftsräten, nicht den Bogenschützen", schätzt Sören Kristensen ein. Der frühere Ortsvorsteher, der später auch Mitglied des Ortschaftsrates war, weiß, dass jahrelang nach tragfähigen Konzepten gesucht wurde, den verwilderten Sportplatz wieder zu beleben. "Mit einmaligen Veranstaltungen war es nicht getan. Mit den Bogenschützen wurde eine gute Wahl getroffen. Sie haben viel auf dem Platz zum Guten verändert", schätzt der neue Oberbürgermeister von Werdau ein. Auch er habe die Puppe auf dem Holzstapel fotografiert und dazu flapsig kommentiert: "Mal sehen, wer dieses Jahr herhalten muss." "Im Nachhinein tut mir diese unbedachte Bemerkung bei Facebook leid. Aber dass die Puppe ein Bogenschütze sein könnte, kam mir niemals in den Sinn. Ich muss lernen, bei öffentlichen Nachrichten, die ich poste, umsichtiger zu sein, um niemanden ungewollt vor den Kopf zu stoßen." Auch der Ortswehrleiter Hendrik Meyer bedauert den Vorfall. "Wir Wehrmitglieder und auch der Feuerwehrverein sind doch keine Feinde der Bogenschützen. Wir bedauern diesen Streit."

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