Hier explodieren Kosten für Bauprojekte

Crimmitschau muss in diesem Jahr mehr Geld für den Ausbau von Straßen ausgeben. Diese Entwicklung kommt für Experten nicht überraschend.

Crimmitschau.

Baufirmen reichen zusätzliche Ausgaben für Personal und Material an ihre Auftraggeber weiter. Deshalb kommt die Explosion der Kosten bei mehreren Tiefbauprojekten in Crimmitschau für Steffen Hinz, Geschäftsführer des Landesverbandes des Sächsischen Straßenbaugewerbes, nicht überraschend. "Egal ob in der Gastronomie oder im Handwerk: Dort, wo es um personalintensive Leistungen geht, steigen die Preise. Gute Leute präsentieren sich selbstbewusst, lassen sich nicht mehr mit einem Mindestlohn halten", sagt Steffen Hinz, der die Interessen von 60 kleinen und mittelständigen Bauunternehmen aus dem Freistaat vertritt. Er verweist auf einen weiteren Punkt, der zur schwierigen Personalsituation beiträgt: "Immer mehr Männer entscheiden sich für Elternzeit. Die Leute fehlen für zwei Monate, was im Sommer schwer zu kompensieren ist." Zudem würden Lieferanten für Asphalt und Bitumen höhere Preise aufrufen, zum Teil auch Mehrkosten von Spediteuren weiterreichen. "Es gibt momentan einen Bauboom und eine Verknappung der Ressourcen in den Baufirmen", stellt der Geschäftsführer fest. Die Auswirkungen haben die Verantwortlichen im Bau-Fachbereich in der Stadtverwaltung in Crimmitschau bei drei Baustellenzuspürenbekommen. Wilhelm-Stolle-Siedlung: 111.000 Euro mehr als ursprünglich geplant werden für den dritten Bauabschnitt beim Ausbau der Wilhelm-Stolle-Siedlung im Ortsteil Frankenhausen benötigt. Der Auftrag wurde an ein Bauunternehmen aus Chemnitz vergeben. Die Kosten belaufen sich auf 367.000 Euro. In einer im August 2016 erstellten Berechnung wurde der Finanzbedarf auf 256.000 Euro beziffert. Das Interesse an der Ausschreibung war überschaubar: Sieben Firmen forderten die Unterlagen ab, davon legten zwei ein Angebot vor. Die Bagger sind letzte Woche angerollt. Die Arbeiten dauern bis November an. Dabei werden die Querverbindungen, die sich im oberen Bereich der Siedlung befinden, auf Vordermann gebracht. Die Stadt hofft, dass ein Teil der Extra-Kosten aus den Töpfen für den kommunalen Straßen- und Brückenbauübernommenwerden. Glauchauer Landstraße: Rund drei Jahre liegen zwischen der Kostenberechnung und der Auftragsvergabe für den Ausbau eines 240 Meter langen Abschnitts der Glauchauer Landstraße. Im Januar 2016 wurden die Kosten auf 352.000 Euro geschätzt. Im April 2019 wurde der Auftrag an ein Unternehmen aus Wilkau-Haßlau vergeben - für 615.000 Euro. Das macht einen Unterschied von 263.000 Euro aus. Die zusätzlichen Ausgaben werden durch Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer und einen Griff in die liquiden Mittel gedeckt. Bau-Fachbereichsleiter Götz Müller informiert, dass die Kostenexplosion nicht nur auf die Preissteigerung in der Branche zurückzuführen sei. Zudem wäre ein Mehraufwand "im Bereich der Leitungszonen" entstanden. Die Arbeiten zwischen Gerhart-Hauptmann-Straße und Schillerstraße sind seit Dienstag beendet.

Friedrich-August-Straße: 863.000 Euro muss die Stadtverwaltung für den Ausbau des 215-Meter-Abschnitts zwischen Fabrikstraße und Gartenstraße überweisen. Zur Erinnerung: In der Kostenberechnung, die vom Juni 2017 stammt, wurden die Baukosten noch auf 611.000 Euro beziffert. Das macht einen Unterschied von 252.000 Euro aus. "Die jährlichen Preissteigerungen von rund 20 Prozent sorgen für die Kostenerhöhung", teilt Götz Müller mit. Hier sollen die zusätzlichen Ausgaben durch einen Griff in die liquiden Mittel gedeckt werden. Die Chance auf eine Extra-Förderung besteht nicht. Auf der Baustelle, wo unter anderem Fahrbahn und Gehweg erneuert werden, muss noch bis November gewerkelt werden.


"Seit drei, vier Jahren werden höhere Preise aufgerufen"

Robby Winkler ist Chef eines Tiefbauunternehmens mit sechs Mitarbeitern in Crimmitschau. Holger Frenzel sprach mit dem 52-Jährigen.

Freie Presse: Welche Gründe gibt es für den Anstieg der Preise bei Tiefbau-Projekten?

Robby Winkler: Verschiedene Ursachen spielen eine Rolle. Die Preise für Baumaterialien und Rohstoffe, die wir auf Baustellen benötigen, steigen. Zudem stellen wir einen Anstieg der Personalkosten fest.

Seit wann ist die aktuelle Preis-Entwicklung in der Baubranche festzustellen?

Seit drei, vier Jahren werden höhere Preise aufgerufen. Ende 2017, Anfang 2018 ging es dann noch einmal sprunghaft nach oben. Parallel dazu beteiligen sich weniger Firmen an Ausschreibungen. Dort, wo es früher noch 15 Angebote gab, bewerben sich nun vielleicht noch fünf Firmen um einen Auftrag.

Viele Baufirmen berichten von Schwierigkeiten bei der Personalsuche. Wie kann die Tätigkeit im Tief- und Straßenbau - vor allem für junge Leute - attraktiver gemacht werden?

Wir müssen über die Veränderungen, die es auch in unserer Branche gab, informieren. Auf den Baustellen läuft längst nicht mehr alles mit Schaufel und Kelle, da kommen auch viele moderne Maschinen zum Einsatz. Zudem werden in der Ausbildung etliche Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, mit denen man besser durchs Leben kommt.

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