Hohe Strafen nach Gefangenenmeuterei

Zwei verhinderte Gefängnisausbrecher wollten mit der Berufung eine geringere Strafe erwirken und erreichten das Gegenteil.

Zwickau.

Zwei 23 Jahre alte Männer, die am 10. Oktober 2016 einen spektakulären Ausbruch aus dem Zwickauer Gefängnis versucht hatten und dabei einen Justizbeamten schwer verletzten, sind am Freitag in der Berufungsverhandlung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Der Rädelsführer muss demnach drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis und sein Kumpan für drei Jahre.

Am Amtsgericht waren sie in erster Instanz zu Strafen von zwei Jahren und neun Monaten sowie zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Die von den beiden Angeklagten angestrengte Berufung wurde von der Jugendkammer am Landgericht Zwickau verworfen, dafür folgten die Richter im Wesentlichen den Anträgen von Staatsanwalt Jürgen Pfeiffer, der für beide Männer sogar noch ein paar Monate Haft mehr beantragt hatte. Die beiden Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert.

Die Richter am Landgericht sahen es jedoch als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten aktiv an der Vorbereitung und der Durchführung des Ausbruchsversuchs beteiligt waren und dabei auch die Verletzung des Justizbeamten in Kauf genommen hatten. Damit folgten sie der Einschätzung ihrer Kollegen am Amtsgericht. Ein dritter Häftling, der an der Aktion beteiligt war, hatte seine beiden Mitinsassen vor Gericht schwer belastet. Im Gegensatz zu den beiden Verteidigern glaubte das Gericht den Angaben des Jugendlichen. Anzeichen dafür, dass seine Aussage mit unerlaubten Vernehmungsmethoden zustande gekommen war, konnte das Gericht nicht erkennen.

Bis zuletzt hatte die Verteidigerin des Hauptangeklagten Stefanie Biewald mit Beweisanträgen versucht, das Verfahren in die Länge zu ziehen. Unter anderem wollte sie die Protokolle der regelmäßigen Zellendurchsuchungen einsehen. Offenbar wollte sie damit beweisen, dass der Ausbruchsversuch samt Überfall auf den Wachmann frühzeitig hätte verhindert werden können. Die Protokolle waren jedoch "ohne Befund", soweit sie noch existierten.

Rechtsanwalt Klaus Bartl, der den Justizbeamten als Nebenkläger vertrat, machte in seinem Plädoyer noch einmal deutlich, wie schwer dessen Verletzungen waren. "Mein Mandant leidet bis heute unter den Folgen der blutigen Tat." Der ursprünglich dritte Angeklagte ist rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der zur Tatzeit 16-jährige hatte den Justizbeamten mit dem Tischbein von hinten niedergeschlagen.

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