Im Werdauer Wald wird das Wetter erfasst

Seit zehn Jahren liefert die einzige Klimastation in der hiesigen Region verlässliche Daten für den Waldumbau und die Klimaforschung.

Werdau.

Einmal im Monat führt der Weg von Alexander Peters in ein Waldstück im Bereich Neudeck im Werdauer Wald. An einer Wiese gelegen und von einem Zaun umgeben befindet sich eine Waldklimastation, die der Forstingenieur regelmäßig kontrollieren muss. Sie ist eine von 21 Stationen im Bereich des Sachsenforstes und die einzige im Landkreisgebiet.

Der Mitarbeiter, der in Graupa in der Abteilung 4, dem Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft, beschäftigt ist, prüft genau nach, ob die Station ihre Funktionen voll erfüllt. "Wir messen hier unter anderem die Windrichtung und -geschwindigkeit, Lufttemperatur und Luftfeuchte, aber auch die Sonneneinstrahlung und die Niederschlagsmengen." Sonden in unterschiedlichen Tiefen des Waldbodens zeichnen ein exaktes Bild der Bodenfeuchte auf. Ein Funkrouter überträgt alle erfassten Daten stündlich nach Graupa, wo sie in einer Datenbank gesammelt werden.

Warum der Aufwand? "Wir haben zahlreiche Projekte, für die wir als Sachsenforst regelmäßig Daten liefern. Eines in Wien befasst sich zum Beispiel mit der Entwicklung des Borkenkäfers." Die im Werdauer Wald erfassten Daten dienen unter anderem auch der optimalen Umsetzung des Waldumbaus, der seit Anfang der 1990er-Jahre in allen Gebieten des Sachsenforstes stattfindet. Dabei geht es darum, weg von der reinen Fichtenmonokultur hin zu einem gesunden Mischwald zu kommen. Die in den Stationen über die Jahre gesammelten Daten geben unter anderem Aufschluss über die jeweilige Bodenbeschaffenheit und die Niederschlagsentwicklung. "Das ist zum Beispiel wichtig für die Pflanzung bestimmter Baumarten. Man kann schauen, für welchen Standort welche besonders geeignet sind oder eben auch nicht", sagt Alexander Peters. Externe Ingenieurbüros benötigen Daten, um Gefahren, die dem Wald drohen, einschätzen zu können. Dabei geht es zum Beispiel um das Ausrufen von Waldbrandstufen. "Aber auch Firmen greifen auf die Werte im Netz zurück, um zu sehen, wie die Feuchte im Waldboden ist und ob ein Einsatz von Maschinen beim Holzeinschlag möglich ist", sagt der Forstingenieur. Außerdem liefern die 21 Stationen sowie zwölf weitere Stationen, die sich jeweils mitten im Wald befinden, Klimadaten für den aktuellen Waldschadensbericht.

Und was kann man über das Jahr 2018 schon heute sagen? "Es war bisher extrem trocken. Seit April hat es praktisch kaum geregnet. Aber ob das schon ein Anzeichen des Klimawandels ist, kann man nicht konkret sagen", so Peters. Eine Häufung von Starkniederschlägen könnte ein Indiz sein. 2018 ist ein sogenanntes Zeigerjahr, ein Jahr mit Extremen, wie es auch 2003 (sehr trocken) und 2010 (kalt und feucht) waren. "Genaueste Beobachtungen lassen sich erst über Messreihen ableiten, die längere Zeit laufen. Wir haben im Forstgebiet Stationen, die bereits seit 20 Jahren und mehr in Betrieb sind. Die in Werdau läuft seit zehn Jahren. Das ist auch schon aussagekräftig."

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