Kampf gegen Windmühlen

Rund um die einstige "Stadt der 100 Schornsteine" entstehen immer mehr Windräder. Der Protest aus dem Rathaus bringt bisher keinen Erfolg.

Crimmitschau.

Der Windpark vor den Toren von Crimmitschau soll weiter wachsen. Zwei Investoren haben für die Flächen, die sich auf Thüringer Flur befinden, die Bauanträge im Landratsamt Altenburger Land eingereicht. Ein Unternehmen aus Döbeln plant eine Windenergieanlage mit einer Nabenhöhe von 143 Metern. Eine Firma aus Suhl bereitet den Aufbau einer Windenergieanlage mit einer Nabenhöhe von 120 Metern vor. Die beiden Standorte befinden sich in der Nähe des Fuchsberges.

"Sie sind auf dem Höhenrücken und damit noch einmal deutlich höher als die vorhandenen Anlagen", sagt Götz Müller, Bau-Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung in Crimmitschau. Er muss bisher - fast tatenlos - mit ansehen, wie sich die einstige "Stadt der 100 Schornsteine" zur "Stadt der Windenergieanlagen" entwickelt. In den letzten beiden Jahren sind neben dem Autobahnzubringer bereits vier neue Anlagen entstanden. Der Grund für die Häufung: In Thüringen herrscht in Sachen Windenergie momentan ein rechtsfreier Raum, weil ein Gericht die Windkraft-Regionalplanung aufgehoben hat. Müller: "Das versuchen die Investoren auszunutzen."

Die Anträge für die Windenergieanlagen liegen auf dem Schreibtisch der Mitarbeiter des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz des Landratsamtes Altenburger Land. Die Behörde holt sich für das Prüfverfahren auch eine Stellungnahme der Stadtverwaltung in Crimmitschau ein, die sich stets gegen eine Windpark-Erweiterung ausgesprochen hat. Wie mit den kritischen Hinweisen zu den beiden aktuellen Projekten umgegangen wird, bleibt fraglich. Die Verantwortlichen im Landratsamt geben sich - mit Blick auf das laufende Verfahren - zugeknöpft. Auch der Versuch von Oberbürgermeister Holm Günther (Für Crimmitschau), der sich im vergangenen Jahr an Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) gewandt hat, war nicht von Erfolg gekrönt. Rechtliche Schritte kann die Stadt nach eigenen Angaben nicht einleiten.

Damit bleibt den Crimmitschauern nur die Möglichkeit, die bereits in der Vergangenheit vorgetragene Kritik fast schon gebetsmühlenartig zu wiederholen. Dazu gehören die Nähe zum Landschaftsschutzgebiet "Sahnwald" und dessen Bedeutung für die Kaltluft-Bewegung. Zudem wird auf den geringen Abstand zur Wohnbebauung hingewiesen. "Beim Blick auf die blinkenden Anlagen denkt man momentan zuerst an ein Gewerbe- und Industriegebiet", sagt Götz Müller.

Die Mitarbeiter im Rathaus haben zuletzt eine Übersicht zu den Standorten der Windenergieanlagen erstellt (siehe Grafik). Damit soll die Häufung im Umfeld von Crimmitschau deutlich gemacht werden. Für eine Anlage, die in der Nähe des Ortsteils Gösau auf sächsischem Territorium geplant ist, wurde die weitere Bearbeitung mit Blick auf den sächsischen Regionalplan ausgesetzt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...