Kirche: Einigung auf neue Struktur

Nicht nur die Zahl der Einwohner sinkt in den sächsischen Kommunen, sondern auch die Zahl der Mitglieder in den Kirchgemeinden. Darauf soll nun mit Veränderungen ähnlich der Gebiets- reform reagiert werden.

Langenhessen.

Hinter Claudia Knepper und den fünf Pfarrern im Raum Werdau liegen Monate intensiver Gespräche. Die Geistlichen mussten ihren Kirchengliedern mehr Fragen als sonst beantworten und dabei auch viel Überzeugungsarbeit leisten. Der Grund: Die Landessynode hatte im Frühjahr 2018 beschlossen, dass sich alle Kirch- gemeinden zu großen Strukturen zusammenschließen müssen. Geht es nach dem Willen der Landeskirche, so soll auch über das Jahr 2030 hinaus jede Struktureinheit mindestens 4000 Gemeindeglieder haben. Mehrere Modelle wie zum Beispiel die Bildung von Kirchgemeinde- verbünden oder die Vereinigung zu einer Gesamtgemeinde wurden zur Diskussion gestellt. Dabei war es den Kirchgemeinden selbst über- lassen, für welche Varianten sie sich entscheiden.

Ende 2018 sind die Würfel gefallen. "Wir werden ein Schwesternkirchverhältnis bilden. Um das zu ermöglichen, haben sich sechs von neun Kirchgemeinden in der Region bereit erklärt, sich jeweils mit einem Partner zu vereinen", sagt Claudia Knepper. In ihrem Zuständigkeitsbereich haben die Kirchenvorstände von Langenhessen und Oberalbertsdorf dafür votiert, sich zu einer Gemeinde zu vereinigen. Bisher waren die beiden Kirchgemeinden selbstständig und unterhielten miteinander ein Schwesternverhältnis. Der Zusammenschluss fällt den Kirchengliedern laut Knepper nicht leicht. "Die alten Strukturen waren über viele Jahre gewachsen. Der Zusammenschluss war keine Liebesheirat, auch wenn wir uns in der Vergangenheit gut verstanden haben", resümiert die Pfarrerin.


In der Region werden sich auch die Kirchgemeinden von Beiersdorf und Ruppertsgrün sowie die von Werdau und Königswalde zu jeweils einer Kirchgemeinde vereinigen. Die drei neuen Schwestern sowie die selbstständig bleibenden Kirchgemeinden Steinpleis, Langenbernsdorf und Trünzig bilden nun ein neues Schwesternkirchverhältnis mit aktuell rund 5900 Gliedern. Außen vor ist die Kirchgemeinde Fraureuth, die zur Landeskirche Thüringen gehört. Veränderungen gibt es ebenfalls im Raum Crimmitschau.

Mit der neuen Struktur will die Landeskirche unter anderem auf die Zahl der sinkenden Mitglieder reagieren. Zählten beispielsweise die Kirchgemeinden Langenhessen-Oberalbertsdorf im Jahr 2012 noch 860 Glieder, so sind es aktuell rund 780. Ein weiterer Effekt: die Straffung der Strukturen. "Das bedeutet, dass hauptamtliche Mitarbeiter wie die Kantoren und Gemeindepädagogen künftig nur bei einer Kirchgemeinde angestellt sind. Das wird in Werdau, der größten der sechs Gemeinden sein", sagt Claudia Knepper. Sie und ihre Amtskollegen bleiben vor Ort als Ansprechpartner und Seelsorger erhalten.

"Aus meiner Sicht ist es der richtige Weg, dass die Gemeinden so weit wie möglich selbstständig bleiben und zugleich ein größeres Schwesternverhältnis eingehen, um den strukturellen Veränderungen gerecht zu werden", so der Werdauer Pfarrer Andreas Richter im "Gemeindeblatt" der Kirchgemeinde. Nach seinen Worten kann Zentralisierung nicht die Lösung sein, denn das Leben geschehe in den einzelnen Gemeinden mit ihren Traditionen und Prägungen. "Dem widerspricht nicht, in Zukunft mehr als bisher gemeinsame Aktivitäten durchzuführen und einander über die Ortsgemeinde hinaus zu begegnen", so Richter weiter. Für eine persönliche Stellungnahme gegenüber der "Freien Presse" war Richter nicht erreichbar, da er sich momentan im Jahresurlaub befindet.

Imola Virginas, Pfarrerin in der Kirchgemeinde Beiersdorf-Ruppertsgrün, sieht den Zusammenschluss der beiden bisher selbstständigen Kirchgemeinden positiv. "Beide Gemeinden haben die zurückliegenden Jahre schon sehr eng miteinander zusammengearbeitet", sagt Imola Virginas. Probleme sieht sie aktuell noch in der neuen Struktur. "Bisher hatten wir beispielsweise mit Niederalbertsdorf keine Berührungspunkte. Das wird sich mit der neuen Struktur nun ändern. Wie das funktioniert, wird die Zukunft zeigen. Ich bin diesbezüglich zuversichtlich."

Nachdem nun auch das Landeskirchenamt in Dresden die Strukturplanung für die Region Werdau bestätigt hat, soll nun der zweite Schritt folgen: der Vollzug der Ver- einigung und die Bildung der Schwesternkirchverhältnisse. Dazu gehören auch das Finden eines neuen Namens für die Kirchgemeinde und die Ratifizierung des Vereinigungsvertrages durch die beteiligten Partner.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...