Klimaschutz-Bewegung bekommt Unterstützung aus Westsachsen

Zahlreiche Schüler reisen am Freitag nach Chemnitz. Sie sagen: Unsere Zukunft ist wichtiger als ein paar verpasste Schulstunden.

Zwickau/Werdau.

Die Welt retten: Was für ein Vorhaben! Paulina Pekrul, Jakob Oehler und Jakob Springfeld geören zu den jungen Leuten, die sich genau das vorgenommen haben. Nicht aus sozialromantischen Gründen, sondern aus Angst: "Es geht darum, wie wir die Natur zerstören, wie Arten sterben - einfach weil wir so leben, wie wir leben", sagt Jakob Oehler.

Der 17-jährige Werdauer gehört zu einer Gruppe von Schülern aus Zwickau und Umgebung, die an der für Freitag geplanten "Fridays For Future"-Demonstration in Chemnitz teilnehmen wollen. Mehr noch: Über soziale Netzwerke haben sie die Unterstützung für die Protestbewegung in Westsachsen organisiert. Vor etwa einer Woche haben sie damit begonnen, Bekannte zu dem Vorhaben einzuladen. Wie ein elektronischer Kettenbrief breitete sich die Meldung über die Schulen der Region aus. "Jetzt sind wir bei rund 180 Leuten", sagt Jakob Springfeld über den Zuspruch aus Zwickau. "In Werdau sind wir um die 100", ergänzt Jakob Oehler. Ob am Freitag auch alle mitfahren, das wissen die Schüler noch nicht. "Aber 200 könnten es schon werden", hofft Jakob Springfeld. "Vielleicht sogar mehr."

Paulina Pekrul, die am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Zwickau lernt, liegt das Thema Klimawandel sehr am Herzen. In ihrer Schule gab es zu dieser Problematik bereits Profilunterricht - in dem sie mehr erfuhr, als ihr lieb sein kann. "Am Anfang erschien mir das alles so weit weg. Aber zu erfahren, wie alles auf der Welt zusammenhängt, wie groß auch unser Einfluss auf das Wetter auf anderen Kontinenten ist, das finde ich erschreckend", sagt die 15-Jährige. Auch Jakob Oehler blickt mit Sorge auf den Wandel des Wetters. Nicht unbedingt in Sachsen: "Aber anderswo wird das Wetter lebensbedrohlich." Die Folge: steigender Meeresspiegel, Klimaflüchtlinge, eine Welt, die sich dramatisch verändert. So beschreiben die Schüler die Zukunft, die sie gern verhindern möchten. Auch wenn ihnen klar ist, dass sie selbst die Macht nicht dazu haben. Aber sie wollen den Mächtigen klarmachen, wie dringlich ihr Anliegen ist. "Es ist an der Zeit, etwas zu tun", sagt Paulina Pekrul.

Deswegen finden die Demonstrationen auch während der Schulzeit statt: um den Druck zu erhöhen. Um den verpassten Unterricht geht es dabei nicht, versichert das Trio. "Ich habe in der vergangenen Woche mehr Zeit mit der Organisation des Protestes verbracht als mit der Schule. Nur um einen Tag nicht in der Schule zu sein, lohnt sich so ein Aufwand nicht", sagt Jakob Springfeld, der zumindest bei einem Teil seiner Lehrer auf Verständnis stößt. Denn wenn die Pädagogen während der Schulzeit streiken dürfen, dann sollte das den Schülern auch zustehen. Am Wochenende wirke so etwas doch eher wie ein Freizeitvergnügen. Und mal ehrlich: "Dann hätte die Bewegung bei Weitem nicht diese Aufmerksamkeit", findet Paulina.

Ob sie die Welt retten können - dazu haben die Jugendlichen noch keine endgültige Meinung. Sie finden es nur wichtig, mit dem Versuchen nicht nachzulassen. Denn Klimawandel brauche einen langen Atem. Und Einsicht, sagen sie. "Die Leute, die jetzt die Entscheidungen für die Zukunft treffen müssen, werden deren Auswirkungen wohl nicht mehr erleben. Umgedreht können wir jetzt nichts entscheiden", sagt Jakob Oehler. Unter den Schülern hat das Trio in der zurückliegenden Woche viel Engagement erlebt. "Auch von Leuten, die ganz unterschiedliche politische Positionen haben. Es ist einfach inspirierend zu sehen, wie all diese Menschen etwas gemeinsam tun", sagt Paulina Pekrul. "So etwas treibt einen an", ergänzt Jakob Springfeld. Der 16-Jährige möchte bald solch eine Demonstration auch in Westsachsen organisieren, am besten in Zwickau. Das Potenzial dazu sieht er. Lust dazu hat er auch. Und dass man noch nicht nachlassen darf - darin sind die drei sich einig.

Nach Chemnitz kommen die Westsachsen mit dem Zug. Treff dazu ist 11.15 Uhr am Zwickauer Hauptbahnhof. Wer eine Schüler-Verbundkarte hat, fährt kostenlos. Sonst müssen jeweils fünf Schüler ein Sachsen-Ticket bezahlen. Die Schüler wollen aufeinander aufpassen. "Es gehört einfach dazu, dass sich die Älteren für die Jüngeren verantwortlich fühlen", sagt Jakob Oehler. Die Demo in Chemnitz dauert bis gegen 16 Uhr.

Zahlreiche Fragen zum Thema werden im Beitrag "Grüner Freitag: Wenn weltweit Kinder fürs Klima streiken" in dieser Ausgabe beantwortet.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...