"Lampenladen" überlebt Generationen

Das Theater in Crimmitschau besitzt die gleiche Beleuchtung, wie sie einst im Palast der Republik vorhanden war. Inzwischen steht das System unter Denkmalschutz. Das Problem: Es gibt keine Ersatzteile mehr.

Crimmitchau.

Wenn Stefan Opalinski auf Kontrollgang im Theater in Crimmitschau unterwegs ist, geht sein Blick zuerst nach oben zur Beleuchtung. Was für den technischen Leiter in dem Musentempel von Bedeutung ist: Sind noch alle Lampen intakt? Die Beleuchtung ist eine ganz besondere. "Sie wurde mit dem Umbau des Theaters 1978/79 im gesamten Haus, mit Ausnahme des großes Saales, installiert", sagt Opalinski. Wieso gerade das Theater in der Provinz die gleiche Beleuchtung erhielt, wie wenige Jahre zuvor die Lobby im Palast der Republik in der Hauptstadt der DDR, ist bis heute unklar.

Der Palast der Republik, zu DDR-Zeiten auch "Erichs Lampenlanden" genannt, ist Geschichte. Das Theater mit seiner historischen Beleuchtung hat bis heute überlebt. Inzwischen steht sie unter Denkmalschutz. Das Beleuchtungssystem, einst im VEB Kombinat "Rosa Luxemburg" Leipzig hergestellt, wurde speziell für den 1976 eröffneten Palast der Republik entwickelt. Das Leuchtstabgittersystem, so der offizielle Name, erhielt noch im gleichen Jahr auf der Leipziger Messe die Auszeichnung "Gutes Design". Der Vorteil der Konstruktion: Die Deckenmodule lassen sich beliebig oft erweitern. "Das Ganze funktioniert wie ein Baukastensystem. Eigentlich eine coole Sache. Welche Möglichkeiten bestehen, zeigen die unterschiedlichen Varianten überall im Theater", sagt der technische Leiter des Hauses.

Doch die Beleuchtung hat auch ihre Tücken. "Ursprünglich waren die einzelnen Lampen mit 60-Watt-Glühbirnen bestückt. Was man dabei nicht beachtet hatte: Die Glühbirnen erzeugen Wärme. "Das hat oftmals dazu geführt, dass die Glaskugeln platzen. Oftmals in den ungünstigsten Momenten", erinnert sich der Experte. Die Wattzahl zu reduzieren, war ein Versuch, das Problem zu lösen. Bis die EU die herkömmlichen Glühbirnen verbot. Die alten Leuchtmittel durch Energiesparlampen zu ersetzen, stellte das Haus vor eine neue Herausforderung. "In einem Theater oder Kino, in dem zu Veranstaltungsbeginn das Licht allmählich ausgeht, lässt sich das mit Energiesparlampen nicht machen. Die lassen sich nicht dimmen." Inzwischen gibt es Energiesparlampen, die die Anforderungen erfüllen, doch die sind preisintensiv. "Es gibt auch billigere Varianten im Baumarkt. Doch die halten nicht so lange und müssen öfters ausgetauscht werden. Damit ist uns nicht geholfen." Der Grund: Um eine Glühbirne auszuwechseln, muss der Glaskörper behutsam entfernt werden. Die Kugeln sind nicht einfach festgeschraubt, wie oftmals bei anderen Leuchten. Sie sind verankert und müssen demontiert werden. Dadurch besteht eine erhöhte Gefahr, dass die Glaskugeln kaputt gehen. Das Problem dabei: Die Modelle, wie sie im Theater vorhanden sind, werden nicht mehr hergestellt. "Wir hatten 2011 das große Glück, über Beziehungen rund 300 Glas-kugeln zu erhalten", sagt Stefan Opalinski.

Beschafft hat die Glaskugeln vor acht Jahren Falk Michel aus Mannichswalde. Der war zu DDR-Zeiten Oberbauleiter bei der Wismut und hatte unter anderem auch beim Bau eines Ferienobjektes in Zinnowitz an der Ostsee mitgewirkt. Das Gebäude, in dem zu DDR-Zeiten verdienstvolle Bergleute logierten, verfügte über die gleiche Beleuchtung wie das Theater in Crimmitschau. Als das Haus nach einem Eigentümerwechsel modernisiert wurde und der neue Besitzer dabei auch den Rat von Falk Michel benötigte, stieß der im Keller des Hotels auf die demontierte und nicht mehr benötigte Beleuchtung. Falk Michel sicherte sich nach Rücksprache mit dem Hoteldirektor die ausrangierten Glaskugeln für das Theater in Crimmitschau. "Das war für uns ein Glücksfall, von dem wir noch immer profitieren. Die Spezialanfertigung einer Glaskugel würde heute ab 100 Euro aufwärts kosten."

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