Lokal ist heute zum Wohnen da

Werdau hatte eine florierende Gaststättenlandschaft. Heute: Das "Turnerheim" (Folge 25)

Werdau.

Bei einem Spaziergang durch die Eisenbahnbrücke, welche die untere "Stadtgutstraße" im sanften Bogen überspannt, ist man schon im wunderschönen Werdauer Naherholungsgebiet "Landwehrgrund" mit Sportanlagen, dem "Fred-H.-Oettel-Bürgerpark" und seinen Teichen sowie mit den am Rand liegenden Gartenanlagen. Entstanden ist das Landschaftsgebiet vor allem durch die Anlegung von Teichen in einer vorgeschichtlich entstandenen Talmulde, die im nordöstlichen Bereich durch den Berghang, der sogenannten "Landwehr", begrenzt und geschützt wird. Die Teiche "an der Landwehr" werden bereits in früher Zeit erwähnt. In einem alten Lageplan aus dem Jahr 1795 sind noch 16 Teiche eingezeichnet. Heute existieren noch acht Teiche, wobei ein Teich in Privatbesitz ist. Die Stadt Werdau erwarb im Jahr 1809 die Teiche und verpachtete sie zur Fischzucht, im Winter zum "Eisschneiden" und für Erholungszwecke. Übrigens: Die Eisblöcke fanden u. a. Verwendung für Kühlanlagen in Krankenhäusern und zum Bierkühlen in den Bergkellern und Gaststätten. Durch Zusammenlegung mehrerer Teiche verringerte sich deren Anzahl ständig. So verschwand auch der unterste kleine Teich durch den Bau der Eisenbahnbrücke über die Ronneburger Straße. Die Teiche erhielten dabei die Namen der jeweiligen Pächter. Um 1860 gab es nur noch neun Teiche, die damals nach dem Pächter Rumland "Rumländische Teiche" genannt wurden. Später hießen sie auch "Leonhardts Teiche" und "Ratsteiche". Vereinzelte Scheunen und erste Häuser am Anfang der Teichgasse waren die wenigen Gebäude in diesem Gelände. 1880 gründete sich am Hang der "Landwehr" die erste Werdauer Gartenbaugesellschaft. Kurz vor dem ersten Teich stand damals ein einfaches Haus mit einem kleinen Garten. Viele Ansichtskartenfreunde kennen das Motiv als "Idyll am Rahmenberg", auf dem auch der noch offen fließende Landwehrbach abgebildet ist.

Mit der Umverlegung der Eisenbahnstrecke nach Weida in den Jahren um 1900, der Errichtung des Haltepunktes Werdau-West im Jahr 1916 sowie der Nutzung des Gebietes um das alte Stadtgut für den Siedlungsbau wurde das gesamte Tal des Landwehrgrundes für eine sportliche, kulturelle und naherholungsmäßige Nutzung interessant. Im oberen linken Landwehrgrund-Bereich befindet sich die weitläufige Anlage der heutigen Landessportschule Sachsen. Bereits 1924 wurde hier durch die "Freie Turnerschaft Werdau" ein Sportplatz mit einem einfachen, lang gestreckten Vereinsheim angelegt. Das Turnerheim besaß eine schon 1925 eröffnete Gaststätte. Der erste Wirt war Max Feustel. Ab 1933 nannte der neue Wirt Gustav Dreßler die Gaststätte "Zum Landwehrgrund". Aus dieser Zeit stammt auch die Ansichtskarte. In dem Bereich, wo die Gäste damals im Freien sitzen konnten, ist heute ein schmaler Vorgarten angelegt. Die bauliche Anlage ist bis heute im Großen und Ganzen, aufwendig saniert, so erhalten geblieben wie früher. Bewirtschaftet wurde die Gaststätte, mit Unterbrechungen in den Jahren von 1944 bis 1948, bis Ende 1950. Danach erfolgte die Zuordnung zur nebenan befindlichen Sportschule. Eine öffentliche Gaststätte gab es für lange Zeit nicht mehr. Erst 1986 wagte Peter Sowa einen Neuanfang. Nur wenige Jahre später wurde der Gaststättenbetrieb wieder aufgegeben. Der Gesamtkomplex wurde 1989 saniert und für Wohnzwecke ausgebaut. Als Schmuckstück befindet sich heute das ehemalige "Turnerheim" als Wohngebäude in einer zu jeder Jahreszeit unvergleichlich herrlichen Umgebung. Seit Mitte der 1920er- Jahre besaß Conrad Dankhoff, Besitzer der Gaststätte "Tivoli" am Bergkellerweg, am heutigen ersten Teich im Landwehrgrund einen kleinen Imbiss. Im Sommer betrieb er dazu eine kleine Gondelstation und im Winter konnte man den zugefrorenen Teich als Eisbahn nutzen. Schon in dieser Zeit gab es Pläne, an dieser Stelle ein großes Parkrestaurant zu errichten. Ernsthafte Verhandlungen zwischen der Stadt Werdau und der Wernesgrüner Lagerbierbrauerei hinsichtlich des Standortes scheiterten, da die Brauerei die Variante an der Koberbachtalsperre mit dem Bau der Gaststätte "Seehaus" vorzog. Mitte der 1980er -Jahre eröffnete Rosemarie Kästner in der Nähe des Pavillons am nächsten Teich einen einfachen Imbiss, der ab 1989 von Margot Ludwig weitergeführt wurde. Entmutigt jedoch wurde die Betreiberin durch fortwährende Beschädigungen und Einbrüche. Ende der Saison 1992 wurde der Kiosk geschlossen und dann abgebrochen.


Den Anfang des Naherholungszentrums Landwehrgrund bilden zwei Sportanlagen: Das "Stadion im Landwehrgrund", auf dem einst die Fußballer von Motor Werdau ihre Aufstiegsspiele zur DDR-Oberliga austrugen sowie das vor einigen Jahren neu erbaute Sportgelände mit dem Vereinsheim "Sachsen 90 Werdau". Der sich ehemals an diesem Standort befundene "TUB"-Sportplatz (kurz nach 1900 eingeweiht) wurde nach 1945 in "Ernst Grube"- Sportplatz umbenannt. Als der Verein eine feste Unterkunft benötigte, wurden 1954 Baracken-Teile des Schullandheimes vom Stauweiher im Werdauer Wald hierher transportiert und aufgestellt. Damit waren nun einfachste Umkleidemöglichkeiten vorhanden. Ein in die Baracke mit eingerichteter Imbiss versorgte Sportler und Zuschauer. Bewirtschaftet wurde der Imbiss von Paul Dittrich, dem Wirt der nahegelegenen Gaststätte "Westbahnhof" in der Ronneburger Straße und später von Gertraude Siegmund, Wirtin im Gasthaus "Zur Rose" in der Dr.-Külz-Straße. Ab 1958 begannen die Planungen zum Bau eines großen massiven Sportlerheims. Aus Anlass des 7. Oktobers 1960 konnte das neue Sportlerheim "Ernst Grube" mit einer Sportgaststätte feierlich eröffnet werden. Frau Edith Biskula übernahm ab diesem Tag die Bewirtschaftung. Mehrfach zwischenzeitlich renoviert, schloss die Gaststätte 1990. Mit der Wiedereröffnung durch Hans Kretzschmar im Jahr 1993 erfolgte auch die Umbenennung in Vereinsheim mit Sportgaststätte "Zum Alten Sachsen". Im Zuge der Planungen des Bauvorhabens "Westtrasse" kam es auch zu weitreichenden Veränderungen auf dem gesamten Sportgelände. Das Sportlerheim wurde abgebrochen, das Spielfeld wurde standortmäßig etwas verschoben und als Kunstrasenplatz neu errichtet sowie daneben ein kleines Vereinsheim erbaut. Dorthin wurde auch die Gaststätte "Zum Alten Sachsen" verlegt. Zu Sport- und anderen Veranstaltungen wird hier eine einfache zweckmäßige Bewirtschaftung betrieben.

Quelle: "Werdauer Gaststättenchronik", Band 1 mit weiteren historischen Ereignissen und umfangreichen Quellenangaben; Broschüre Schul- und Heimatfest Leubnitz 2011

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