Markt 9: Gute Adresse auch für prominente Besucher

Wie sich Crimmitschau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Vereinshof (Folge 33)

Crimmitschau.

Diese Karte gab der Verlag Schocken heraus. Sie zeigt ein malerisches Wochenmarktbild um 1930. Vor dem ersten Haus am Platze, dem "Vereinshof", hört man beinahe Faust sagen: "So ein Gewimmel möchte ich sehn". Das Gewimmel wird von der Laurentiuskirche im Hintergrund überragt. Sie beherrscht die Häuser Markt 11, heute Neubau Commerzbank, und Markt 12, das Korbinsky'sche Haus, sowie Markt 13, gestern wie heute eine Konditorei. Inmitten des Gewimmels reitet König Albert (Denkmal).

Der Standort des heutigen Gebäudes "Vereinshof" gehört mit zu den historisch bekanntesten Grundstücken der Stadt. Sie gehörten ehemals dem Industriereformator David Friedrich Oehler. Nach etlichen Besitzerwechseln kaufte die 1879 gegründete Vergnügungsgesellschaft "Verein" diese Grundstücke. Darauf entstand von 1879 bis 1880 ein repräsentatives Gründerzeitgebäude im Stil der Neurenaissance, welches noch heute in seinen Grundzügen erhalten ist. Die Gebäudehülle des Erdgeschosses trägt Quaderputz. Der Gliederung der Fassade dient ein Mittelrisalit. Über dem Eingang ist ein Balkon angebracht. Die Frontseite zum Markt kennzeichnen Fensterverdachungen mit waagrechten Gebälk oder Dreiecksgiebelchen. Über dem Mittelrisalit thront der Zwerchgiebel, eingerahmt von den beiden Gauben. Am 17. April 1881 fand die Eröffnung des Hotels "Vereinshof" statt. Es war das Vergnügungszentrum für die "High Society" von Crimmitschau.

In der Zeit von 1933 bis 1946 trug das Hotel den Namen "Sachsenhof". Zur Einhaltung neuer Vorschriften mussten 1938 Umbauten im Hotel vorgenommen werden, um es nach dem Tod des Pächters neu eröffnen zu können. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging 1948 die Immobilie an die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) über. Bereits am 11. April 1946 fand die Vereinigung der lokalen Verbände der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der SPD (Sozialdemokratischen Partei Deutschlands) zur SED in diesem Gebäude statt. 1949 übergab die SED die Immobilie an die Stadt. Unter dem Namen "Haus der Einheit" eröffnete die Handelsorganisation (HO) im Januar 1950 im Hotelgebäude die erste HO-Gaststätte von Crimmitschau. 1967 modernisiert die HO das "Haus der Einheit",. Im ersten Stock wurden Kleinstappartements mit Bad eingerichtet. Ein Jahr später erhielten Foyer, Restaurant und Bauernstube (linker Raum) eine neue Ausstattung. Die Fortführung der Renovierung erfolgte 1971 mit der Erneuerung der Heizungs- und Trinkwasseranlage sowie dem Einbau einer Belüftungsanlage und der Auswechselung der Beleuchtungsanlage. Mitte Juni hatte das Haus wieder für die Gäste geöffnet. Natürlich gab es gastronomische Erneuerungen, wie 1974 das Boulevard-Café vor der "Einheit" oder 1983 die Öffnung des kleinen Restaurants als Tagesbar. Drei Jahre vor dem Fall der Mauer brachte man 1986 am "Haus der Einheit" noch eine Tafel an, die auf die Vereinigung von KPD und SPD zur SED hinwies.

Mit dem Schlussstrich unter die DDR kam auch die Auflösung der HO, und die Stadt erhielt die Immobilie zurück. Zur Erhaltung des gesamten Objektes wurden 1991 die Fassade und das Dach erneuert. Im Jahr 1996 erfolgte durch Einbau von Wänden eine Trennung des Bauwerkes in Theater und ehemaliges HO-Hotel. Nach der Separierung verkaufte die Stadt am 30. Dezember 1996 das Filetstück, das ehemalige "Haus der Einheit", für 325.000 DM an einen westdeutschen Investor. Dieser ging großzügig in die Planung, im Erdgeschoss Boulevardgastronomie, im ersten Geschoss Durchgang zum Theater für Besucher in den Pausen und später in die Pianobar. Zur Übergabe der "guten Adresse" im Juli 1999 sah das Ergebnis etwas anders aus. Im Erdgeschoss befand sich nach fast zehn Jahren wieder eine Gaststätte namens "Metropol". Anstelle der Hotelzimmer befinden sich über der Gaststätte nun Büroräume und Wohnungen. Nach wenigen Wochen schloss das "Metropol" wieder seine Tür. Mit einer kurzen Unterbrechung ging es mit gutbürgerlicher und altdeutscher Küche weiter im "Vereinshof". Zu den Gästen gehörten die die sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt und Stanislaw Tillich sowie die Künstler Jürgen von der Lippe und Frank Schöbel.

Nach zwölf Jahren, am 15. August 2012, verlängert der Gastwirt des Traditionslokals "Vereinshof" den Pachtvertrag nicht mehr. Es gab Meinungsverschiedenheiten zwischen Betreiber und Stadt. Noch im gleichen Jahr eröffnete nach kurzer Renovierung das Restaurant "El Greco" mit einer griechischen und einer internationalen Menükarte.

Quelle: Historisches Archiv der Stadtverwaltung Crimmitschau

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