Mit Fördergeld geht es zu Lieblingsplätzen

Egal ob es um eine Toilette im Gasthof, einen Zugang zum Sportplatz oder einen Lift im Schwimmbad handelt: Die Zuschüsse werden vielseitig eingesetzt.

Werdau.

Für zwölf Projekte im Landkreis Zwickau gibt es einen Zuschuss aus dem Programm für barrierefreies Bauen mit dem Titel "Lieblingsplätze für alle". Die Einrichtungen verbessern die Bedingungen und die Erreichbarkeit für Menschen mit einer Behinderung. Mitglieder des Sozial- und Gesundheitsausschusses des Kreistages verteilten bei ihrer Sitzung im Verwaltungsausschuss in Werdau 239.400 Euro. Wer bekommt Geld?

Gasthof erhält Zuschuss: 20.600 Euro stehen für Bauvorhaben im Gasthof in Lauenhain zur Verfügung. Betreiber Winfried Wiesner will in der vorhandenen Toilettenanlage für Barrierefreiheit sorgen. "Das Thema spielt bei Anfragen und Reservierungen immer wieder eine Rolle", sagt Winfried Wiesner. Er berichtet, dass ihn mit Dieter Wurm der Seniorenbeauftragte des Landkreises auf das Förderprogramm aufmerksam gemacht habe. "Das Vorhaben soll bei laufendem Betrieb umgesetzt werden", sagt Wiesner.

Gemeinde profitiert doppelt: Für zwei Vorhaben in Gersdorf ist eine Finanzspritze bewilligt. Das Sommerbad erhält für 10.300 Euro einen mobilen Schwimmbadlift. Im Vereinshaus "Hessenmühle" wird für 24.700 Euro ein Innentreppenlift installiert. "Vor allem ältere Menschen, die schlecht zu Fuß sind, sollen profitieren", sagt Bürgermeister Erik Seidel. Er sieht als Vorteil des Programms, dass kein kommunaler Zuschuss aufgebracht werden muss. Zu den Dingen, die in Gersdorf noch zu klären sind, gehört die Suche nach einer Unterstellmöglichkeit fürdenSchwimmbadlift.

Sportler erneuern Zugänge: Zwei Sportvereine kommen in den Genuss von Fördergeld. Der FSV Zwickau will auf der Sportanlage an der Bürgerschachtstraße einen barrierefreien und beleuchteten Fußweg schaffen. Dafür fließen 25.000 Euro. Der Sportverein Ebersbrunn kann für 24.900 Euro die Barrierefreiheit am Zugang zum Vereinshaus und zum Sportplatz herstellen. Die Abschnitte können künftig von Rollstuhlfahrern genutzt werden.

Kirchen planen drei Projekte: Drei Kirchgemeinden können Bauvorhaben mit Zuschüssen aus dem Programm "Lieblingsplätze für alle" vorbereiten. In der Kirche in Langenchursdorf wird eine Beschallungsanlage, die 18.800 Euro kostet, installiert. Die Kirchgemeinde in Bärenwalde schafft mit einer Rampe einen Zugang zum Pfarrhaus (24.400 Euro), die Lukasgemeinde in Zwickau-Planitz investiert in einen behindertengerechten Zugang zur Kirche (24.800 Euro).

Weitere Vorhaben: 19.100 Euro stehen für die Schaffung eines barrierefreien Zugangs zur Tierparkschule im Amerika-Tierpark in Limbach-Oberfrohna zur Verfügung. Das Vorhaben setzt der dortige Förderverein um. Das Jugendhilfezentrum des Vereins zur Förderung von Ausbildung und Beschäftigung (kurz: FAB) in Crimmitschau erhält einen barrierefreien Zugang und eine behindertengerechte Toilette. Kosten: 25.000 Euro. Ein Pflegedienst an der Scheringerstraße in Zwickau bekommt 14.200 Euro für den Einbau eines Plattformliftes. Die Frühförderhilfe der Lebenshilfe in Wilkau-Haßlau kann für 7600 Euro ein taktiles Leitsystem für sehbehinderte Menschen installieren lassen, damit sie den Weg in Physiotherapie und Ergotherapie finden.


"Mehr für Blinde und Sehschwache tun"

Die Verteilung der Fördermittel hat der Behindertenbeirat des Landkreises begleitet. Holger Frenzel sprach mit dem Vorsitzenden Gerd Drechsler (70).

Freie Presse: 239.400 Euro stehen 2019 für Investitionen zur Verfügung. Ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein oder ein großer Sprung?

Gerd Drechsler: Weder noch. Das Förderprogramm läuft seit 2014. Seitdem wurden 69 Projekte unterstützt. Damit haben wir in vielen Einrichtungen die Bedingungen für Menschen mit einer Behinderung verbessert - mit kleinformatigen Vorhaben.

In welchen Bereichen muss künftig mehr getan werden?

Aus Sicht des Behindertenbeirates vor allem für Blinde und Sehschwache. Die taktile Ausstattung bietet da einige Möglichkeiten - unter anderem in der Nähe von Haltestellen. Zudem müssen wir mehr für die Menschen mit psychischen Erkrankungen tun, auch im Programm "Lieblingsplätze für alle".

Kein einziger Antrag aus der Region Glauchau, Meerane und Waldenburg taucht auf der Förderliste auf. Wo klemmt die Säge?

Das hat mich auch gewundert. Wir werden uns als Behindertenbeirat überlegen, wie wir auch in dieser Region noch besser auf die Möglichkeiten aus dem Förderprogramm aufmerksam machen können.

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