Museumschef sagt leise Tschüss

Fast 28 Jahre lang hat Hans-Jürgen Beier das Museum in Werdau geleitet. Morgen hat er seinen letzten Arbeitstag. Den Abschied hat er sich anderes vorgestellt.

Werdau.

Die geplante Abschiedsparty von seinen langjährigen Berufsgefährten hat der Chef des Werdauer Museums abgesagt. Lediglich mit seinen engsten Mitarbeitern und einigen Vertretern der Stadtverwaltung wird der 63-Jährige noch einmal zusammenkommen und die letzten Jahre Revue passieren lassen. Hans-Jürgen Beier hat am morgigen Dienstag seinen letzten Arbeitstag. Er leitete fast 28 Jahre das Werdauer Museum. Der Abschied erfolgt nun fast still und leise. Geschuldet dem Coronavirus sind derzeit größere Menschenansammlung und das auf engsten Raum untersagt.

Dass die Feier ausfällt, damit kann Hans-Jürgen Beier leben. Doch seinen Abschied aus dem Berufs- leben hat er sich anderes vorgestellt. Das von ihm noch organisierte IFA-Oldtimertreffen, dessen 23. Auflage Ende April über die Bühnen gehen sollte, fällt aus. "Seit fast einem halben Jahr bereiten wir die Veranstaltung vor. Die ganze Arbeit war nun umsonst", bedauert der 63-Jährige. Er hatte die Veranstaltung 1998 ins Leben gerufen. Gedacht war das Treffen auf dem ehemaligen IFA-Gelände einst als Ergänzung für eine Ausstellung im Museum. 79 Fahrzeuge kehrten damals für einen Tag noch einmal an ihren alten Produktionsstandort zurück. Inzwischen sind es rund 500 Aussteller, die mit ihren Fahrzeugen aus ganz Deutschland und darüber hinaus an der Veranstaltung teilnehmen und rund 12.000 Besucher anlocken. Die Veranstaltung ist inzwischen in ihrer Art deutschlandweit einmalig.

Als Hans-Jürgen Beier im August 1993 die Leitung des Hauses übernahm, hieß die Einrichtung noch Heimatmuseum. Davon gab es Land auf und Land ab Dutzende. "Was uns fehlte, war damals ein Alleinstellungsmerkmal", blickt der 63-Jährige zurück. Den hatte der neue Chef schnell gefunden. Zu den Besonderheiten des Hauses gehörte eine alte Dampfmaschine, Baujahr 1899. Der Koloss aus Stahl, noch immer voll funktionsfähig, befindet sich an seinem Originalstandort in einem an den Museumsgarten angrenzenden Gebäude. Hans-Jürgen Beier wollte dies öffentlichkeitswirksam nutzen. Am 25. Mai 1997 folgte der Stadtrat dem Vorschlag und benannte das Heimatmuseum in Stadt- und Dampfmaschinenmuseum um. Der Leiter des Hauses baute seitdem den Bestand an mit Dampf betriebenen Anlagen aus. Heute zieren den Museumsgarten, der von der am Gelände vorbeiführenden Straße einsehbaren ist, neun Großobjekte. Die Palette reicht von einem Dampfhammer bis zu einer Dampflok und machen neugierig auf einen Besuch.

Fast 200 Ausstellungen hat der Historiker im Laufe seines Berufslebens organisiert. "Eine genaue Statistik darüber habe ich nicht geführt." Viele davon befassten sich mit regionalen Themen. So auch die aktuelle Ausstellung, in der die Industriegeschichte der Stadt beleuchtet wird. Die wurde erst vor wenigen Wochen eröffnet. "Der Start war grandios. Jetzt ist sie seit ein paar Tagen wegen des Coronavirus geschlossen. Wie es weiter geht, ist derzeit unklar", sagt Beyer.

Über seine private Zukunft macht er sich keine Gedanken. "Ich habe auch künftig genug zu tun", sagt der 63-Jährige. Er kehrt quasi zurück zu seinen Anfängen. Hans-Jürgen Beier hat an der Uni in Halle Ur- und Frühgeschichte studiert, 1984 promoviert und danach als Lehrer im Hochschuldienst sein Wissen an Studenten weitervermittelt. 1993 wurde seine Stelle gestrichen. Beier verlor seinen Job. Über das Arbeitsamt bewarb es sich damals auf die ausgeschriebene Stelle als Leiter des Werdauer Museums und wurde genommen. Bereits 1991, noch während seiner Zeit an der Uni, gründete er mit einem Studienkollegen einen eigenen Buchverlag. In dem sind bisher rund 400 Titel mit Schwerpunkt Ur- und Frühgeschichte erschienen. "Mit der Thematik werde ich mich weiterhin befassen und habe dafür nun auch mehr Zeit", erklärt der in Langenweißbach beheimatete Historiker.

Von seiner langjährigen Wirkungsstätte verabschieden wird sich Hans-Jürgen Beier jedoch noch nicht. Die von ihm bereits vorbereitete Museumsfahrt, die alljährlich im Herbst stattfindet und in diesem Jahr in dem böhmischen Kaiserwald führt, will er noch begleiten. "Außerdem bin ich ja nicht aus der Welt. Wenn im Museum meine Unterstützung benötigt wird, helfe ich gern."


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.