Neue Idee für Schocken-Nutzung: Arztpraxen ins frühere Kaufhaus

In das Wahrzeichen an der Badergasse soll wieder Leben einziehen. Der Investor hat dazu einen neuen Vorschlag gemacht.

Crimmitschau.

Für das ehemalige Schocken-Kaufhaus in Crimmitschau gibt es eine neue Nutzungsidee: In die erste Etage sollen drei oder vier Arztpraxen einziehen. Das kündigte Investor Jens Dietrich bei einer Bürgerversammlung vor rund 70 Gästen am Montagabend an. "Die Tendenz geht dazu, dass sich mehrere Arztpraxen an einem Standort konzentrieren. Wir können den Platz hier anbieten. Die Räume wären auch über einen Aufzug erreichbar", sagte Jens Dietrich. In der Vergangenheit wurde in Erwägung gezogen, dass in der ersten Etage möglicherweise Büros oder Räume für die Stadtbibliothek entstehen sollen. Vor einigen Jahren war geplant, die medizinischen Angebote in Crimmitschau schon einmal an einem Standort zu konzentrieren - in einem Gesundheitsbahnhof. Das dortige Vorhaben ließ sich nicht umsetzen, der Bahnhof steht leer.

Über die Pläne für das Schocken-Kaufhaus wurde in den letzten Wochen bereits bei einer der Eröffnung der Werkbundausstellung und zum Wirtschaftstreff gesprochen. Damit haben sich zur Bürgerversammlung einige Punkte (erwartungsgemäß) wiederholt. In die zweite und dritte Etage sollen große Loft-Wohnungen kommen. Zwei von sechs Wohnungen können mit einem Balkon ausgestattet werden. Im Erdgeschoss ist ein "Café Schocken" geplant. Dazu ist eine multifunktionale Fläche, unter anderem für Ausstellungen und Veranstaltungen, vorgesehen. "In dem Bereich wollen wir vorerst so variabel wie möglich bleiben, um vielleicht auch in zwölf oder 18 Monaten mit Blick auf die Nutzung noch kurzfristig reagieren zu können", sagte Jens Dietrich.

Als eine Option gilt dabei weiter ein Umzug der Stadtbibliothek. Pro und Contra hat Oberbürgermeister André Raphael (CDU) bei einer Klausurberatung mit den Stadträten diskutiert. Details teilte er zur Bürgerversammlung nicht mit, sagte nur: "Auch die Bibliothek ist ein Thema für das Schocken-Kaufhaus." In den Kellerräumen sollen Toiletten und Lagerbereiche untergebracht werden. Die anwesenden Einwohner fanden durchweg positive Worte zu den Nutzungsideen für den Komplex, der seit zwei Jahrzehnten leer steht. Die weiteren Anregungen aus der Bevölkerung: Einige Räume könnten der Volkshochschule angeboten werden, auf der Freifläche wäre ein Wasserspielplatz für Kinder vorstellbar.

Die Kosten für die Sanierung des ehemaligen Schocken-Kaufhauses werden auf rund 5,2 Millionen Euro beziffert. 2,6 Millionen Euro kommen vom Bund aus dem Programm "Nationale Projekte des Städtebaus". 1,3 Millionen Euro stellen die privaten Investoren um Jens Dietrich zur Verfügung. Aus der Stadtkasse sollen 1,3 Millionen Euro kommen, was auch als Voraussetzung für die Auszahlung der Bundesmittel gilt. "Ich weiß, dass das viel Geld ist", sagte André Raphael und ergänzte: "Es geht nicht darum, dass sich ein privater Investor das Geld in die eigene Tasche steckt. Es wird in ein Gebäude in Crimmitschau investiert." Die Schocken-Sanierung soll im Optimalfall bis 2021 über die Bühne gehen.


Das waren die weiteren Themen zur Bürgerversammlung

Heimatsammlung: Ein Teil der Heimatsammlung soll künftig in der ersten Etage des Spinnereigebäudes der Tuchfabrik Gebrüder Pfau präsentiert werden. "Wir werden den Bereich nicht bis zur Eröffnung der Landesausstellung im April 2020 fertigstellen, aber die Heimatsammlung im Verlauf des nächsten Jahres für Besucher zugängig machen. Damit gibt es 2020 in der Tuchfabrik zwei Gründe zum Feiern", sagte André Raphael.

Außendarstellung: André Raphael hat zur Bürgerversammlung seine Kritik an den Beiträgen über Crimmitschau im Nachrichtenmagazin "Exakt" des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) untermauert. Vor und nach der Landtagswahl wurde über die Stimmung in der Stadt berichtet. "Die beiden Beiträge sind unerträglich. Das ist nicht Crimmitschau, wie wir es kennen", sagte der Stadtchef, der im Amtsblatt einen offenen Brief zum Thema veröffentlichte.

Mannichswalder Platz: Die spontane Abstimmung, ob hier ein Kreisverkehr oder eine Ampelkreuzung entstehen sollen, endete zur Bürgerversammlung unentschieden. Wenn die Leipziger Straße wieder in beide Richtungen befahrbar ist, sollen Verkehrszählungen durchgeführt werden. Der Hinweis eines Bürgers: Dabei soll unbedingt auch an die Fußgänger gedacht werden. (hof)

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