Neue Schau elektrisiert die Besucher

Da hat sich das Stadt- und Dampfmaschinenmuseum doch tatsächlich in ein naturwissenschaftliches Kabinett verwandelt: Besucher dürfen Funken schlagen, Blitze "fangen" und Strom "erstrampeln".

Werdau.

"Achtung Hochspannung!", heißt die neue Sonderausstellung rund um die Elektrizität im historischen Areal an der Holzstraße. Gleich zur Eröffnung am vergangenen Sonntag lockt sie zahlreiche Besucher an. Ein Novum, "eine Ausstellung zum Experimentieren und Entdecken vom Blitz zum Motor", verspricht Hans Jürgen Beier, Direktor des Stadt- und Dampfmaschinenmuseums Werdau.

An Plasmakugel, Morsestation und Bandgenerator demonstriert Kurator Tobias Deterding, wie Strom sicht- und messbar wird. Der Historiker berichtet über Elektrisiermaschinen um 1650 bis zum Durchbruch der Elektrotechnik (1800 - 1880). Er streut Episoden aus der Elektrizitätsforschung ein, zum Beispiel Benjamin Franklins lebensgefährliche Selbstversuche. Ins Gedächtnis gerufen werden darüber hinaus erste nutzbare Anwendungen wie das elektrische Telegramm (um 1840) oder die elektrische Straßenbahn (1861) in Berlin.

Geschickt bettet die Ausstellung Kulturgeschichte ein. Sie erinnert an Gelehrte, denen bereits in der Antike die elektrisierenden Eigenschaften des Bernstein (griechisch: Elektron) bekannt waren. Texte und Fotos vermitteln, wie im 18. Jahrhundert die Zurschaustellung elektrischer Effekte auf Jahrmärkten oder in Salons für Spektakel sorgte. Wie Elektrizität in den 1960er-Jahren in deutsche Haushalte Einzug hielt, zeigen Werbefilme: "Nimm eine ,Miele' dir ins Haus, dann sieht der Waschtag freundlich aus..."

Die rasante technische Entwicklung in Haushalt, Wirtschaft, Verkehr und Kommunikation wird an den Vitrinen "Elektrische Geräte und ihre Vorgänger" sichtbar. Der "Gameboy" - seinerzeit eine Revolution auf dem Videospiele-Markt - wirkt heute völlig antiquiert. Das ultimative Spielgerät der 1990er-Jahre musste Tobias Deterding neulich einer jungen Ausstellungsbesucherin erst einmal erklären.

Mit einem Kollegen des Universitäts- und Stadtmuseums Rinteln (Niedersachsen) hat der 44-Jährige die Ausstellung 2013 konzipiert. Seitdem befinden sich etwa 100 Exponate und Leuchtdisplays auf ständiger Wanderschaft durch Deutschland. "Werdau ist nach Tübingen bereits die 15. Station." Die Grundlagenvermittlung von Elektrizität sei besonders für Schüler bis Klasse 8 geeignet. Tüftler und technisch Interessierte hätten ohnehin sichtliche Freude daran. "Interessant, sehenswert!" versichern die Werdauer Elke und Hartmut Niemann. "Im August kommen wir nochmal mit unserem neunjährigen Enkel aus Hannover vorbei." Derweil beobachtet der vierjährige Mattis Scholz aus Neumark, wie sich seine Eltern Doreen und Jörn Scholz am Fahrrad-Generator abstrampeln. Mit dem erzeugten Strom könnte eine Kaffeemaschine oder ein Entsafter in Gang gebracht werden. Ein schweißtreibender Spaß, der dem Besucher ganz nebenbei vermittelt, dass Energie nicht umsonst zu haben ist.

Die Ausstellung ist bis zum 29. September montags bis donnerstags und sonntags, jeweils von 10 bis 16 Uhr, im Museum Holzstraße 2 in Werdau zu besichtigen.

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