Pfarrer wechselt von Kanzel ins Studio

Normalerweise steht Albrecht Hoffmann sonntags in der Kirche "Zum Heiligen Kreuz" in Crimmitschau oder Glauchau und hält dort seine Predigt. Kommende Woche lauschen seinen Worten tausende Menschen vor dem Radio.

Crimmitschau/Glauchau.

Albrecht Hoffmann ist mit seinem Auto auf der A 4 in Richtung Dresden unterwegs. Aus den Lautsprechern dudelt nebenbei MDR 1 Radio Sachsen. Als der Moderator kurz vor 9 Uhr das "Wort zum Tage" ankündigt, lauscht Albrecht Hoffmann aufmerksam den Ausführungen. Gut 90 Minuten später wird der 37-Jährige selbst im Landesfunkhaus Dresden sitzen und dort seine Gedanken zu Themen der Zeit aus dem Blickwinkel eines Geistlichen äußern. Albrecht Hoffmann gehört zum Kreis der Pfarrer, die bei MDR 1 von Montag bis Samstag an jedem Morgen das "Wort zum Tage" sprechen.

Mit jedem Kilometer, den der gebürtige Zwickauer der Landeshauptstadt näher kommt, steigt seine Aufregung. "Es ist schon ein Unterschied, ob ich sonntags vor 30 bis 50 Leuten stehe und meine Predigt halte oder im Studio sitze und weiß, dass wenige Tage später Tausende zuhören", sagt der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinden "Zum Heiligen Kreuz" in Crimmitschau an der Glauchauer Landstraße und an der Charlottenstraße in Glauchau. Dabei ist das Gastspiel im Landesfunkhaus für ihn nicht neu. Seit 2009 gehört er zu den ausgewählten Vertretern, denen die Aufgabe zuteil wird. "Ich wurde damals vom Sendebeauftragten der evangelischen Freikirchen angesprochen und habe ja gesagt", blickt Albrecht Hoffmann zurück. Begleitet wird Hoffmann bei seiner Fahrt nach Dresden von Pfarrer Andreas Heyn aus Chemnitz. Beide Männer haben gemeinsam studiert und sind noch heute befreundet. Und noch eins verbindet die Familienväter: Beide sind Fans des FSV Zwickau und besuchen, wenn es die Zeit erlaubt, gemeinsam die Heimspiele.

Das Männerduo trifft gut 30 Minuten vor dem geplanten Termin in Dresden ein und entspannt sich noch bei einem Kaffee in der Kantine des Landesfunkhauses. Danach folgt ein kurzes Hallo im Büro von Simone Kittel. Sie ist seit 1992 beim MDR beschäftigt und seit 2004 unter anderem verantwortlich für die sonntäglichen Übertragung der Gottesdienste bei MDR Kultur.

Wenige Minuten später stößt Pastor Michael Schubach hinzu. Er ist Sendebeauftragter für die evangelischen Freikirchen. Gemeinsam geht es dann in eines der Aufnahmestudios, vorbei an der Onlineredaktion und dem Team von der Nachrichtenredaktion. Die Manuskripte für die sechs Beiträge, die Albrecht Hoffmann wenige Minuten später einsprechen wird, hat er zuvor beim MDR und dem Sendebeauftragten eingereicht. Dabei geht es nicht um Zensur, sondern die Vermeidung von Dopplungen mit anderen Kollegen, die eine Woche zuvor oder danach an der Reihe sind. An jedem seiner Texte, die maximal 150 Sekunden lang sein dürfen, hat der 37-Jährige im Vorfeld ungefähr drei Stunden gesessen. Die Themen hat er im Vorfeld mit seiner Familie besprochen und der auch das fertige Produkt zur Beurteilung präsentiert. Passend zur Jahreszeit dreht sich alles um die Adventszeit. Das Ganze soll sich wie ein roter Faden durch die sechs einzelnen Beiträge ziehen und zugleich jede Folge für sich eine abgeschlossene Geschichte sein.

Im Aufnahmestudio läuft alles ab wie am Schnürchen. Albrecht Hoffmann platziert seine Texte vor sich und trinkt noch schnell einen Schluck Wasser. Da bilden sich vor Aufregung auch erste Schweißperlen auf der Stirn. Doch kaum geht eine rote Lampe als Zeichen für "Aufnahme" an, legt er hoch konzentriert los. Er spricht locker und fehlerfrei, gut betont und gestikuliert nebenbei mit den Händen. Simone Kittel und Michael Schubach, die ebenfalls mit im Studio sind und den Text auf weiteren Ausdrucken mitverfolgen, zeigen sich nach der ersten Aufnahme zufrieden. Die Kirchenverantwortliche wirft einen Blick auf die Stoppuhr, die sie neben sich platziert. Ihr kurzer Kommentar: "Die Zeit stimmt, ist okay so." Beim zweiten Beitrag wird sie kritischer. "Da kommt mir bissel zu viel Christ vor. Christbaum, Christschmuck ... Können Sie einmal Christ weglassen? Baum reicht doch auch." Die Textpassage wird wiederholt und das Ganze danach im Studio zurechtgeschnitten, ohne dass der Hörer etwas bemerkt. Nach drei Aufnahmen wechseln sich die Männer ab. Andreas Heyn spricht seinen Text. Hoffmann wischt sich in der Zwischenzeit den Schweiß von der Stirn. Auch wenn das "Wort zum Sonntag" von Andreas Heyn bedeutend länger ist, bleibt nicht viel Zeit zum Entspannen. Die Männer wechseln den Platz vor dem Mikrofon. Es folgen die Folgen vier, fünf und sechs. "Können wir die Reihenfolge tauschen und die Folge sechs an die dritte Stelle rücken? Das passt dann besser vom thematischen Ablauf", fragte die Redakteurin. Albrecht Hoffmann nickt. Geschafft.

Den Feinschliff erhalten die Beiträge von Simone Kittel. Sie schneidet die Texte zusammen, stellt sie dann in einem im Computer hinterlegten Ordner, sodass der jeweilige Redakteur ab Montag die Beiträge per Mausklick abrufen kann. Ob dann auch Albrecht Hoffmann am Morgen vorm Radio sitzt? "Meine Familie schon. Ich selber weiß noch nicht so recht, seine eigene Stimme im Radio zu hören, klingt komisch."


Beiträge ab Montag in "Guten Morgen Sachsen" zweimal zu hören

Für alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gibt es besondere Beauftragte der Kirche. Sie vertreten die Anliegen der Kirchen gegenüber dem Sender und sind verantwortlich für die Verkündungssendungen. Beim MDR gibt es drei Sendebeauftragte, jeweils einen für die römisch-katholische Kirche, die evangelischen Landeskirchen und die evangelischen Freikirchen.

Das "Wort zum Tage" auf MDR 1 Radio Sachsen ist montags bis freitags gegen 5.45 und 8.55 sowie samstags 8.55 Uhr zu hören und wird im Wechsel von den Vertretern der jeweiligen Kirchen gesprochen. Albrecht Hoffmann ist vom 5. bis 10. Dezember an der Reihe. Zu hören sind die Beiträge auch auf MDR-Kultur.

Das Programm von MDR 1 Radio Sachsen wird laut Medienanalyse täglich von 1,1 Millionen Menschen mindestens 15 Minuten lang gehört und ist damit die Nummer 1 im Freistaat.

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