Protest gegen Artensterben

Die "Fridays for Future"-Aktivisten haben sich Freitagabend mitten in der Fußgängerzone totgestellt. Bei einigen Passanten war die Neugier geweckt.

Zwickau.

Freitagabend in der Zwickauer City: Mehr als 20 Teenager liegen wie tot auf den blanken Steinen vor den Zwickau-Arcaden. Tot können sie nicht sein. Sonst würde Bürgerpolizist Peter Barth nicht so sorglos daneben stehen. "Wir wollen mit dieser Aktion auf das Artensterben aufmerksam machen", erklärt die 16-jährige Sandberggymnasiastin Vanessa Hein, eine der Veranstalterinnen dieser "Fridays für Future"-Aktion. Die Schüler stellen sich tot, wie es die vielen bedrohten Arten bald sein werden, wenn sich nichts ändere... "Ich bin unentBÄRlich" steht auf einem der Plakate und Spruchbänder, mit denen die Liegenden ihre Protestaktion erklären.

Sandberggymnasiast Lauritz Kapplusch hat einen Schuldigen ausgemacht: Glyphosat, dank dem "unzählige Arten von Insektenfresser genauso am Arsch sind wie die Insekten selbst. Am Ende dieser Nahrungskette steht der Mensch. Wir verzichten auf 100.000 faszinierende Arten, damit eine überleben kann, die jetzt schon plant, den Planeten zu verlassen", so Kapplusch.


Kilian Lippold vom Humboldtgymnasium Werdau bekommt Applaus für seine Lieder auf der Gitarre, auch sie provozieren: "Und wir singen im Atomschutzbunker, hurra, diese Welt geht unter..."

Die Zwickauerin Gudrun Schmidt, die mit ihrer Freundin unterwegs ist, bleibt stehen, um die Plakate zu lesen. "Ich finde es erst einmal ganz toll, wenn die Jugendlichen mobilisieren. Aber handeln sie auch danach?" Sie sehe, wie sorglos Jugendliche Müll produzieren. "Das geht schon beim Griff zur Plastetüte los, da bekomme ich so einen Hals", sagt die Frau. Freundin Heiderose Eichner stimmt ihr zu. "Müll vermeiden und trennen ist uns längst in Fleisch und Blut übergegangen."

Eine Passantin, die schnellen Schrittes unterwegs ist, verharrt kurz vor den Liegenden. Als sie weiß, worum es hier geht, flitzt sie weiter. "Sinn hat es sicher, aber ob man damit durchkommt?" sagt die ältere Dame.

Dirk Hübler aus Lichtenstein, der mit seiner Tochter unterwegs ist, schaut eine Weile zu. "Ich war erst überrascht, dass die Leute hier liegen, finde es aber gut und wichtig. Toll, dass sich Jugendliche Gedanken machen, was wichtig für ihre Zukunft ist."

"Alles, was gegen den Klimawandel unternommen wird, ist gut", sagt ein älterer Mann im Vorbeigehen. "Es müssten sich viel mehr hinlegen", meint eine Frau mittleren Alters. Einige Passanten gehen unberührt weiter.

Sie sei stehen geblieben, weil sie neugierig war, sagt Sina Ebersbach. Die Lengenfelderin fragt bei den Schülern nach und meint: "Großartig. Ich finde es immer toll, wenn Leute sich für etwas einsetzen, und dieses Thema ist besonders wichtig."

Ein 19-Jähriger beobachtet das Ganze aus der Entfernung. Mitten in der Stadt auf die Erde legen sei eher nicht sein Ding, und mit Klimaschutz habe er sich noch nicht groß beschäftigt, sagt er. Doch er bleibt bis zum Schluss - mit dem Fahrrad in der Hand.

Nächste Aktion der Zwickauer Aktivisten von "Fridays for Future", einer weltweiten Klimaschutzbewegung von Schülern: Laut Organisator Jakob Springfeld findet am heutigen Samstag erneut eine Müllsammelaktion in Zwickau statt. Treff: 15 Uhr vor den Arcaden.

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