Schalreuters Manuskripte in Zwickau vereint

Die Ratsschulbibliothek erwirbt eine bedeutende Musikhandschrift des 16. Jahrhundert aus Privatbesitz. Präsentiert wird sie morgen anlässlich eines Festkonzertes.

Zwickau.

Zu den besonderen Schätzen der Ratsschulbibliothek Zwickau zählt die Sammlung von etwa 1200 Musikhandschriften und -drucken des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Im Jahr des Jubiläums "500 Jahre Reformation" kann die Bibliothek diese Sammlung mit einem für die nachreformatorische Musikgeschichte Mitteldeutschlands wichtigen Zeugnis ergänzen. Aus Privatbesitz wird sie das nach seinem bisherigen Aufbewahrungsort benannte "Manuskript Utrecht" erwerben - eine Musikhandschrift, die der vermögende Tuchhändler und humanistisch gebildete Zwickauer Bürger Jodocus Schalreuter (etwa 1487-1550) vermutlich zwischen 1540 und 1550 schrieb. Das sagte Zwickaus Stadtsprecher Mathias Merz. Das Manuskript stellt das Diskant-Stimmbuch (höchste Stimme) eines ursprünglich aus fünf oder sechs Stimmbüchern bestehenden Sammelbands dar, dessen übrige Teile verloren sind.

Jodocus Schalreuter, dessen Schreiberhand als kalligrafisch schönste mitteldeutsche Musikerhandschrift des 16. Jahrhunderts gilt, zählt als Sammler von mehrstimmiger Musik zu den wichtigsten Persönlichkeiten der nachreformatorischen Musikpflege in Mitteldeutschland, sagte Merz. Seine Notenhandschriften überliefern Werke berühmter europäischer Meister und regionaler Komponisten seiner Zeit, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert in Kirchen, Schulen und protestantischen Bürgerhäusern erklangen.

Das Manuskript enthält die Diskantstimme zu 64 teilweise nur hier überlieferten Kompositionen. Es überwiegen lateinische und deutschsprachige Psalmvertonungen für vier bis sechs Stimmen, unter anderem von Ludwig Senfl, Thomas Stoltzer, Ulrich Brätel sowie zahlreichen Komponisten des mittel- und oberdeutschen Raumes. Alle drei der Musikforschung bekannten Notenhandschriften Jodocus Schalreuters werden damit in der Ratsschulbibliothek Zwickau zusammengeführt. Der Ankauf erfolgt mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, dem Kulturraum Vogtland-Zwickau sowie des Fördervereins "Freunde der Ratsschulbibliothek Zwickau", sagte Merz.

Die Handschrift ist noch bis 25. Mai als Exponat in der Ausstellung "Erneuerung & Eigensinn. Zwickaus Weg durch die Reformation" in den Kunstsammlungen Zwickau - Max-Pechstein-Museum zu sehen.

Das "Manuskript Utrecht" wird morgen bei einem Festkonzerts mit dem Titel "... so der alte Jodocus Schalreuter mit seiner handt geschrieben" ab 17 Uhr in den Kunstsammlungen, Lessingsstraße 1 in Zwickau, vorgestellt. Das Sächsische Vocalensemble musiziert unter der Leitung von Matthias Jung Psalmvertonungen aus den Notenhandschriften Schalreuters, ergänzt mit Motetten von Heinrich Schütz. Karten (15, ermäßigt 9 Euro) können telefonisch reserviert werden.

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