Schlossherr öffnet wieder seine Türen

Zum Tag des offenen Denkmals können Besucher in Lauterbach den belgischen Designer Henry van de Velde kennenlernen. Und ein besonderes Fahrrad sehen.

Lauterbach.

Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September wird Familie Lämmle wieder die Türen ihres Schlosses in Lauterbach öffnen. "Wir haben in den zurückliegenden Jahren eine Pause gemacht und freuen uns jetzt darauf, Besucher zu empfangen", sagt Schlossherr Claus Lämmle. Das Motto des europaweiten Denkmaltages heißt in diesem Jahr "Entdecken, was uns verbindet". Und Claus Lämmle findet, dass das sehr gut zu seiner Familie und der Gemeinde passt, in der er seit 2004 heimisch ist und sich angenommen fühlt. Jedes Jahr im Juni öffnen die Lämmles ihren Schlosspark, damit dort das Dorf- und Kinderfest gefeiert werden kann, das im Ort eine lange Tradition hat und dieses Jahr bereits zum 125. Mal stattfand. Auch bei den Vorbereitungen helfen sie stets aktiv mit. "Es hat uns wie immer Spaß gemacht, mitten im Geschehen zu sein", sagt der 58-Jährige schmunzelnd.

Nicht nur für Besucher des Denkmaltages gibt es im Inneren des Schlösschens einiges zu entdecken. Auch Wochenend-Ausflügler finden jetzt am Eingang zum Anwesen einen Hinweis, dass sie immer herzlich willkommen sind. "Wir haben des Öfteren beobachtet, dass Leute hier vorbeikamen, sich aber nicht reintrauten oder gar nicht richtig wussten, wie sie zu uns ans Haus gelangen. Deshalb haben wir die Schilder angebracht", sagt der Designer aus Stuttgart, für den der Kauf des Schlosses ein echter Glücksgriff war. In dem Anwesen hat sich die Handschrift des belgischen Designers Henry van de Velde erhalten, der vor mehr als 100 Jahren im Auftrag der ehemaligen Schlossherren, der Familie Esche, die gesamte Innendekoration für das Schloss übernommen hatte. Behutsam und mit Liebe zum Detail versuchen die Lämmles, diese Besonderheiten wieder herauszuarbeiten. Im 70 Quadratmeter großen Speisesalon mit seiner historischen Stoffbespannung ist das zum Beispiel bereits sehr gut gelungen. Maximal sieben Fotos gibt es vom Originalzustand dieses eindrucksvollen Raumes, den die Besucher zum Denkmaltag in Augenschein nehmen können.

Im früheren Wirtschaftstrakt des Anwesens ist kaum etwas von der Arbeit Henry van de Veldes erhalten geblieben. Diesen Teil des Schlosses haben die Lämmles zu einer modernen Ferienwohnung umgestaltet. "Aktiv haben wir die rund 75 Quadratmeter große Wohnung bisher nicht beworben. Vorige Woche waren Gäste aus dem Schwarzwald da." In den Räumen hat die letzte Schloss-Bewohnerin Gretl Schöneck bis zu ihrem Tod gewohnt. Deshalb wird das Feriendomizil auch mit ihrem Namen beworben. Und noch etwas ist von der Bewohnerin geblieben, die fast ihr ganzes Leben auf Schloss Lauterbach verbrachte. "Wir haben im Keller ihr altes Fahrrad gefunden und aufgearbeitet. Das können wir jetzt unseren Feriengästen, zusammen mit anderen Rädern, zur Verfügung stellen."

Zum Tag des offenen Denkmals ist Schloss Lauterbach von 10 bis 17 Uhr geöffnet.


Anwesen drohte der Abriss

Schloss Lauterbach wurde 1884 als Herrensitz des Rittergutes Lauterbach erbaut. Auftraggeber war Familie Esche, die das Rittergut 1841 gekauft hatte. 1945 wurde Schlossbesitzer Arnold Esche im Zug der Bodenreform enteignet. Vertreter der sowjetischen Besatzungsmacht forderten den Abriss. Das konnte verhindert werden. Die Gemeinde bekam das Schloss. Darin befanden sich der Sitz des Bürgermeisters und Wohnungen. Die Raumgestaltung van de Veldes wurde übermalt oder verkleidet, blieb aber recht gut erhalten. Die Gemeinde Neukirchen, zu der Lauterbach seit 1996 gehört, schrieb das Schloss zum Verkauf aus. 2004 erwarb es Familie Lämmle.

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