Schocken-Zuschuss: Stadtchef holt Fördermittel in Berlin ab

Bund und Stadt greifen einem privaten Investor unter die Arme. Zum Mehrwert für die Crimmitschauer gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Crimmitschau.

Doppelt hält (wahrscheinlich) besser. Das trifft auf die Unterstützung aus dem Programm "Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus" bei der geplanten Sanierung des Schocken-Kaufhauses zu. Ende August brachte der parlamentarische Staatssekretär Marco Wanderwitz (CDU) eine Plakette mit symbolischem Charakter nach Crimmitschau. Am heutigen Dienstag reist Oberbürgermeister André Raphael (CDU) mit dem Zug nach Berlin, wo er den Fördermittelbescheid in Empfang nehmen wird. Der Bund unterstützt die Sanierung mit 2,6 Millionen Euro. Dazu kommen 1,3 Millionen Euro von der Stadtverwaltung und 1,3 Millionen Euro von den privaten Investoren. Die Gesamtkosten für das Projekt werden auf 5,2 Millionen Euro beziffert.

Die geplanten Zuschüsse aus den öffentlichen Töpfen sorgen in Crimmitschau für ein geteiltes Echo. Die Bürgergemeinschaft "Für Crimmitschau", die neun von 22 Stadträten stellt, meldet in Person ihrer Fraktionsvorsitzenden Sarah Wagner ernste Bedenken an. "Wir sind der Meinung, dass das Projekt nicht in die Richtung läuft, wie es gedacht war", sagt Sarah Wagner. Sie stellt mit Blick auf den städtischen Zuschuss fest: "1,3 Millionen Euro sind viel Geld. Dafür erhalten wir aus meiner Sicht keinen Mehrwert für die Stadt. Ich bin kein Fan des Schocken-Projektes." In der letzten Legislaturperiode, als Sarah Wagner noch nicht im Stadtrat saß, mussten bereits verschiedene Beschlüsse für die Unterstützung des Projektes gefasst werden. Dabei gab es nur vereinzelten Gegenwind aus den Reihen der Bürgergemeinschaft: Jörg Erler meldete bei der Präsentation der Projektskizze seine Bedenken an, Andreas Osse stimmte aufgrund des Schocken-Zuschusses gegen den Haushaltsplan.

Für Oberbürgermeister André Raphael liegt der Mehrwert, den eine Sanierung und Wiederbelebung des Schocken-Kaufhauses bringen würde, auf der Hand. "Wir haben die Möglichkeit, wieder für Leben in der Badergasse zu sorgen. Dadurch wird ein historisch wertvolles Gebäude, mit dem sich mehrere Generationen aus Crimmitschau identifizieren, erhalten", sagt Raphael. Er verweist darauf, dass mit den Geldern von Bund und Stadt - dabei handelt es sich um 3,9 Millionen Euro - eine Wirtschaftlichkeitslücke geschlossen wird. Ohne die Zuschüsse sei das Vorhaben nicht zu stemmen.

Mit Blick auf die künftigen Nutzungspläne hat Investor Jens Dietrich bisher nur einen Teil der Karten auf den Tisch gelegt. In den beiden Obergeschossen sollen Wohnungen entstehen. Im Erdgeschoss sind ein "Café Schocken" und ein Multifunktionsbereich geplant. Die erste Etage kann möglicherweise an Mediziner vermietet werden. Die Idee sei bei einem Treffen von André Raphael und Jens Dietrich entstanden - mit Blick auf die Hausarztsituation in Crimmitschau. "Das wäre sogar ein absoluter Mehrwert - für die Stadt und die Crimmitschauer", kommentiert der Stadtchef mit Blick auf die aktuelle Kritik aus der Bürgergemeinschaft.

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