Schönauer mit Geduld am Ende: Fliegenbrutstätte soll weg

Seit das Kompostierwerk vor Jahrzehnten den Betrieb aufnahm, leiden Anwohner unter einer Fliegenplage. Mit der Verarbeitung von Biomüll wurde es noch schlimmer. Jetzt soll die Anlage, deren Schließung die Leidtragenden fordern, sogar erweitert werden.

Schönau.

Gern gehen die Schönauer im Sommer nicht mehr aus dem Haus. "Jedes Jahr hören wir, dass im Kompostwerk etwas gegen die Fliegenplage getan wird, die von dort ausgeht", sagt Matthias Joram, der im Wildenfelser Ortsteil Schönau nur wenige 100 Meter vom Kompostwerk ein Busunternehmen hat und auch in der Nähe wohnt. "Doch besser geworden ist es nicht. Wir glauben inzwischen auch nicht mehr, dass der Betreiber der Plage Herr wird. Die Anlage muss nicht erweitert, sondern geschlossen werden." Joram berichtet, dass es besonders schlimm geworden sei, seit in dem Werk Biomüll aus braunen Tonnen verarbeitet wird. Kaffeetrinken im Garten oder ein Grillabend mit Freunden sei seit vielen Sommern unmöglich. "Wenn wir unsere Busse zur Innenreinigung öffnen, fallen die Biester in Scharen ein und sind nur schwer zu bekämpfen."

André Förster, der in der Schönauer Siedlung wohnt, berichtet, dass sich die Leidtragenden zu einer Whattsapp-Gruppe zusammengeschlossen haben. "Wir stellen Fotos von Fliegenscharen auf unserem Essen rein und informieren, wenn wieder einmal die Tore der Anlieferungshalle für den Biomüll, die eigentlich geschlossen gehalten werden sollen, vorn und hinten länger offen stehen", sagt er. Förster weiß, dass es auf dem Dorf immer Fliegen gibt. "Aber nicht in diesen Mengen." Er erzählt, dass sich früher auf dem Gelände des Kompostwerks eine große Bullenmastanlage befunden hat. Da habe es im Ort deutlich weniger Insekten gegeben. Der Schönauer glaubt nicht mehr, dass die Plage in den Griff zu bekommen ist. "Das Kompostwerk muss weg", sagt er. Dieser Forderung schließt sich Manfred Fischer, Siedlungsbewohner und Wirt der Landgaststätte, an. "Ich habe jahrelang gehofft, dass die Missstände abgestellt werden. Aber es war nur eine Verarscherei", resümiert er bitter.

Der Wildenfelser Bürgermeister Tino Kögler (parteilos) versteht den Frust der Schönauer, unterstützt sie, hatte 2019 sogar einen Fliegenexperten von der Freien Universität Berlin nach Schönau geholt. Kögler glaubt ebenfalls nicht mehr daran, dass eine solche Anlage so nahe an einem Wohngebiet funktioniert. Es müsse ein anderer Standort viel weiter weg von Wohnhäusern gesucht werden.

Doch stattdessen plant der Betreiber sogar eine Erweiterung. Laut Landkreissprecherin Ilona Schilk hat es dazu im Mai ein Vorgespräch gegeben. Das Vorhaben erfordere ein umfangreiches Genehmigungsverfahren. Die verbindliche Abstimmung zum Genehmigungsantrag stehe aber noch aus und sei vom Umweltamt angemahnt worden. Die sogenannten Nachrotteflächen, die derzeit offen sind, sollen künftig als eingehauste, zwangsbelüftete Hauptrotten betrieben und die räumliche Anordnung der Lagerflächen geändert werden. Die Kompostierung von Biomüll solle steigen.

Bei neuen, offen betriebenen Anlagen sei derzeit ein Mindestabstand von 500 Metern, bei geschlossenen von 300 Metern von der Wohnhäusern gefordert, so die Pressesprecherin. Die Schönauer liege rund 290 Meter davon weg.

Auf die Zumutbarkeit der Anlage so nahe an Wohngebieten angesprochen sagt Schilk: "Grundsätzlich hat die Genehmigung der Anlage Bestandsschutz. Weist der Betreiber nach, dass alle rechtlichen Vorgaben erfüllt werden, muss genehmigt werden." Der Geschäftsführer hat sich dazu der "Freien Presse" gegenüber nicht geäußert. Mehrfache Anfragen blieben seit 21. Juli unbeantwortet.

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