Sogar in der Kirche ging es um die Eishockey-Zukunft

30 Jahre Wende: Wie erlebten Menschen in unserer Region diese Zeit? Heute: Lutz Höfer und der Eishockey-Neubeginn.

Crimmitschau.

Nachwuchstrainer, Schiedsrichter, Stadionsprecher, Busfahrer und Veranstaltungsmanager: Lutz Höfer hat am Eishockey-Standort in Crimmitschau schon fast alles gemacht. Auch die Auswirkungen der politischen Wende im Herbst 1989 erlebte er hautnah im Kunsteisstadion im Sahnpark mit.

"Bis dahin war Eishockey das dritte Rad am Wagen. Unsere Nachwuchsteams durften nur in den Abendstunden trainieren, die Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen gestaltete sich schwierig", erinnert sich Höfer an die Situation der Puckjäger in der DDR. Das Thema kam sogar während der Montagsgebete, die in der Crimmitschauer St.-Johannis-Kirche stattfanden, zur Sprache: "Damals wurde der Wunsch geäußert, dass hier wieder an die lange Eishockey-Tradition angeknüpft werden soll."

Berlin und Weißwasser ermittelten seinerzeit in der kleinsten Liga der Welt, die nur aus zwei Mannschaften bestand, den DDR-Meister. Crimmitschau beteiligte sich an der DDR-Bestenermittlung. Doch mit dem Mauerfall keimte wieder Hoffnung auf, dass Eishockey nach zwei Jahrzehnten sein Schattendasein beenden kann. Lutz Höfer gehörte damals zur Eishockey-Spartenleitung bei der BSG Einheit Crimmitschau. Bereits im November und im Dezember 1989 folgten etliche abendfüllende Beratungen. Daran nahm auch der ehemalige DDR-Nationaltorhüter Peter Kolbe teil, der unter Eishockeyfans als Mann mit der "weißen Maske" bekannt ist. "Er hat in jener Zeit seine Kontakte spielen lassen", erinnert sich Lutz Höfer.

Die größte Herausforderung damals: Die Cracks aus Crimmitschau mussten eine Spielklasse für sich finden. Berlin und Weißwasser durften in der 1. Bundesliga starten. Die restlichen Eishockeymannschaften auf dem Gebiet der damaligen DDR - unter anderem in Dresden, Erfurt, Halle und Rostock - befanden sich noch in einer Findungsphase. "Damit war schnell klar, dass wir uns in Richtung Süden orientieren müssen", sagt Höfer.

Das Team aus Sachsen durfte mit einer Sondergenehmigung in der Bayernliga starten. Kurz nach der Wiedervereinigung, am 27. Oktober 1990, fand das erste Punktspiel im Sahnpark statt. Crimmitschau gewann 5:4 gegen den SV Gendorf. Vor 2500 Zuschauern trafen Olaf Proske (3), Ronny Reddo und Stefan Rudert für die Gastgeber. "Die Begeisterung bei den Zuschauern war riesig", erinnert sich Lutz Höfer.

Zum Kern der Mannschaft, die nun wieder regelmäßig um Punkte kämpfen durfte, gehörten Leute wie Ralf Heinicke, Andreas Osse, Peter Schneemann, Roland Frisch und Reiner Steinbock. Sie waren damals Ende 20 beziehungsweise Anfang 30. Die Männer haben- trotz der Verlockungen aus dem Westen - ihrer Heimat die Treue gehalten. "Der Stamm der Mannschaften ist zusammengeblieben. Die meisten Spieler hatten Arbeit und sicher auch durch die riesige Eishockey-Euphorie einen Grund zum Bleiben", sagt Höfer.

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