Spektakulärer Unfall wird aufgerollt

Die Fotos sind nicht gestochen scharf. Aber dass sie an die Öffentlichkeit gelangt sind, ist ein kleines Wunder. Stadtchronist Wolfgang Hallmann hat sie bei den Sachsenring-Rennen 1977 und 1987 heimlich geschossen.

Hohenstein-Ernstthal.

Das Rennauto ist nur noch Schrott. Ein paar Meter daneben auf dem Bürgersteig verarzten Sanitäter den Fahrer des Wagens, der verletzt am Boden liegt. Auch ein paar Schaulustige stehen herum. Wir schreiben das Jahr 1987. Beim Großen Preis des ADMV der DDR auf dem Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal hat sich ein schwerer Unfall ereignet.

Die Aufnahme ist nicht gestochen scharf, eher im Gegenteil. Dass sie aber überhaupt existieren beziehungsweise erhalten geblieben sind, ist ein kleines Wunder. Geschossen hat sie damals der heutige Stadtchronist von Hohenstein-Ernstthal. Wolfgang Hallmann. "Es war strengstens verboten, Unfälle zu fotografieren", erinnert er sich. Trotzdem stellte Hallmann seine Vera 5 ein und drückte auf den Auslöser, nachdem der Unfall passiert war. Auch aus den angrenzenden Häusern heraus wurde fotografiert. Während die Polizisten in die angrenzenden Häuser gingen und die Filme mit den "geheimen" Fotos beschlagnahmten, blieb Hallmann unbemerkt. "Ich hatte großes Glück", sagte er. Dass die Bilder nicht die allerbeste Qualität haben, lag wohl auch daran, dass Hallmann schnell reagieren musste, um von den Ordnungshütern an der Strecke nicht entdeckt zu werden.

Jetzt werden die Aufnahmen sogar noch richtig berühmt. Wolfgang Hallmann hat sie nicht nur der "Freien Presse" zur Verfügung gestellt, sondern auch dem MDR-Fernsehen. Das hat in Hohenstein-Ernstthal für seine Sendung "Lebensretter" Dreharbeiten durchgeführt. Dabei haben die Fernsehleute auch zu dem Unfall aus dem Jahre 1987 recherchiert, von dem nun eben die Bilder von Wolfgang Hallmann vorliegen. Bei dem verunglückten Fahrer handelt es sich um den Rennfahrer Hans-Dieter Keßler aus Thüringen. Keßler war bei dem Rennen in der Leistungsklasse I eingangs der leichten Rechtskurve am Rosa-Luxemburg-Platz ins Schleudern geraten. Da hatte das Rennauto 170 Sachen drauf. Oberhalb des "Albertschlößchens" fuhr er mit den rechten Rädern seines Wagens eine Hauswand hoch - und kippte kopfüber zurück auf die Straße. An der Hauswand wird in 2,30 Meter Höhe ein Reifenabdruck entdeckt. "Keßler hatte einen Schutzengel. Wie durch ein Wunder kam er mit leichteren Verletzungen davon", berichtet Hallmann. Das MDR-Team der Sendung "Lebensretter" rollt diesen und zwei weitere Unfälle, die sich auf dem Sachsenring ereignet haben, gewissermaßen noch einmal auf. Im Mittelpunkt stehen aber weniger die Piloten, sondern eher die Sanitäter, Ärzte oder Streckenposten.

Der Bericht wird 17. Januar 2019 ausgestrahlt.

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