Storchenunfall mit Happy End

Nachdem ein Adebar sich bei ersten Flugversuchen in Mosel schwer verletzte, haben sich viele Menschen für seine Rettung engagiert. Die Chancen stehen gut, dass er ein Leben als Zugvogel führen kann.

Zwickau/Crimmitschau.

Einer der drei Adebare, die dieses Jahr im Nest auf der Esse des ehemaligen Betriebsteils vom Textilwerk Mülsen in Mosel geschlüpft sind, wohnt ab heute in Thräna bei Leipzig. Dort ist er sozusagen zur Reha aufgenommen worden und soll sich in Gesellschaft weiterer Rotschnäbel von seinem schweren Unfall erholen.

Am 2. Juli war um 21.31 Uhr ein Notruf bei der Zwickauer Berufsfeuerwehr eingegangen, weil der Storch verletzt im Moseler Kastanienweg lag. Die Kameraden rückten aus und brachten den Adebar in die Tierklinik nach Crimmitschau. Jens Hering von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises berichtet, dass der Jungvogel wahrscheinlich mit einer Bahnleitung kollidiert ist. "Er hat am rechten Flügel stark geblutet", sagt Hering. Nachdem der kleine Storch in der Klinik stabilisiert worden war, erfolgte eine mehrstündige Operation an der Flügelfraktur. Zusätzlich ist die Fraktur noch durch Kunststoffschlingen um den Knochen fixiert worden. Diese lösen sich nach einiger Zeit von selbst auf.

Die tiermedizinische Fachangestellte Fränze Schneider kümmerte sich in der Crimmitschauer Klinik Tag und Nacht liebevoll um den Vogel, hat ihn gepflegt und gefüttert, bis er am 5. Juli zur weiteren Genesung in den Tierpark Hirschfeld gebracht wurde. Von dort musste er zwar noch zweimal zu Behandlungen nach Crimmitschau, aber das Team der Tierklinik ist zuversichtlich, dass der Kleine nach der Genesung flugfähig wird und ein Leben als Zugvogel führen kann.

Da die beiden Geschwister des männlichen Storchs und seine Eltern inzwischen das Moseler Nest verlassen haben, beriet sich Jens Hering mit dem Storchenexperten Uwe Seidel aus Leipzig, wie es mit dem Patienten weitergehen soll. Seidel hatte bereits zu Beginn des Jahres geholfen, als es galt, einen neuen Unterbau mit Kunstnest auf den Moseler Schornstein zu setzen. Er stellte den Kontakt zu einem Hof in Thräna bei Borna her, holte den kleinen Moseler Freitagabend aus dem Tierpark Hirschfeld ab und brachte ihn dorthin. Auf dem Grundstück von Storchenfreund Jörg Spörl gibt es mehrere Horste, wie die Storchennester genannt werden, und eine offene Voliere. Neben einem Paar, das dieses Jahr vier Junge großgezogen hat, leben auf dem Gelände zwei junge Adoptivstörche und drei alte Rotschnäbel, die nicht mehr flugfähig sind.

"Wir haben hier schon mehrere verletzte Störche aufgenommen und erfolgreich ausgewildert. So hatten wir einen aus Geithain, der sich ein Bein gebrochen hatte. Noch im gleichen Jahr ist er wie seine Artgenossen, nur etwas später, in den Süden gezogen und später in Spanien anhand der Beringung identifiziert worden", berichtet Seidel. Ob sich der kleine Moseler den Thränaer Jungvögeln beim Abflug anschließt, bleibt abzuwarten. Wenn er noch keine Kraft dazu hat, kann er mit den Altvögeln auch auf dem Hof überwintern. "Auf alle Fälle ist er beringt worden, und wir können so seinen weiteren Weg verfolgen", sagt Seidel.

Bereits vorigen Juni hatte es in Mosel einen Storchenunfall gegeben. Ein Junges war bei einem Sturm aus dem Nest gefallen und verfing sich im Schneefang auf einem Firmendach. Die Berufsfeuerwehr befreite es. Der Vogel hatte mehrere offene Brüche an einem Flügel, der völlig verdreht war. Ein Tierarzt konnte ihn nicht mehr retten.

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