Verrückter Moped-Opa fährt und fährt und fährt

Mit seiner Simson hat ein Werdauer ganz Deutschland erkundet. Jetzt interessiert den 66-Jährigen die Botanik.

Werdau.

110.000 Kilometer hat Lothar Kaczmarek mit seiner Simson S 51 Elektronik schon zurückgelegt. Das ist in etwa die Strecke Werdau - Rio de Janeiro - reichlich fünfmal hin und wieder zurück. Der Werdauer liebt sein Moped, das er vor 28 Jahren gekauft und das ihn bisher nie im Stich gelassen hat. "Ein Auto zu fahren ist mir niemals in den Sinn gekommen. Irgendwie gibt mir wohl das Unterwegssein auf zwei Rädern ein Gefühl von Freiheit", sagt der 66-Jährige, der bei seinen Touren oftmals Ehefrau Marlis als Sozia dabei hat.

Nicht nur in der schönen Jahreszeit plant der Werdauer seine Touren. "Ich fahre das ganze Jahr über, aber nur bei stabiler Wetterlage. Bei Regen bleibt die Simson in der Garage. Bisher hat es uns auch noch nie erwischt, dass wir so richtig nass geworden sind", sagt der Senior. Einen schweren Unfall gab es aber doch: 2012 stieß ein Auto auf dem Globus-Parkplatz in Zwickau mit Karacho mit dem Zweirad von Lothar Kaczmarek zusammen. Ein Unfall mit gesundheitlichen Spätfolgen, doch für den ehemaligen Bauarbeiter noch lange kein Grund, nicht wieder auf den Sitz zu steigen.

Deutschland hat der Werdauer komplett bereist. In seinem Autoatlas sind alle Städte markiert, die er gesehen hat. Im Süden Bamberg, im Westen Loburg, im Norden Zerbst und im Osten Bautzen: Das ist der Aktionsradius, in dem sich der Mopedpilot bewegt. Seit 2013 besucht der mobile Senior auch seine Schwester. Die wohnt in Mölln bei Lübeck. Selbstverständlich wird mit der Simson dorthin gefahren. Allerdings immer Landstraße, denn das Moped macht im Schnitt nur 60 Sachen. "Das erste Mal habe ich wegen vieler Baustellen 16 Stunden gebraucht. Jetzt sind es im Schnitt 12. Meine Frau und ich waren erst im Juli wieder in Mölln."

Doch Lothar Kaczmarek verzichtet immer öfter auf solch weite Strecken. Vielmehr zieht es ihn in die Gegend um Jena, wo er sein Herz für Natur und speziell die Botanik entdeckt hat. "Um eine seltene Blume dort auf dem Hausberg oder anderswo zu fotografieren, fahre ich zwei Stunden hin und zwei zurück." Mittlerweile hat der Senior ein riesiges Fotoarchiv von botanischen Besonderheiten Thüringens angelegt. Es ergänzt die Aufnahmen, die er von seinen Ausflügen in Deutschland gemacht hat. "Um meine ersten Fotos digital zu archivieren, brauchte ich mehrere Jahre. Seit 2011 fotografiere ich nur noch digital."

Ob die Leute ihn belächeln, ist Lothar Kaczmarek egal. "Meine vier Enkel nennen mich immer den verrückten Moped-Opa", sagt er lachend. Was der Werdauer stets im Gepäck hat? Eine Flasche Getriebeöl, einen Ersatzschlauch und diverses Werkzeug, falls die Simson doch mal schwächelt. Sie irgendwann für immer in die Garage zu stellen, kann sich der Mopedfan derzeit nicht vorstellen ...

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...