Vorkriegsmobile rollen auf Sachsens Pisten

An Freitag rollt ein Automobiles Museum durch die Region. Der Grand Prix in Erinnerung an Rudolf Caracciola macht Station im Horchmuseum und am Sachsenring.

Zwickau.

Rudolf Cracciola hätte seine helle Freude daran, wenn er wüsste, dass ihm zu Ehren ein automobiles Museum durch Mitteldeutschland rollt, das Raritäten seiner aktiven Rennfahrerzeit vereint. Am Freitag wird das spektakuläre Teilnehmerfeld gegen 14.30 Uhr das August-Horch-Museum in Zwickau erreichen.

Bereits am Donnerstag startet die Rallye in Kassel und erreicht noch am selben Tag das Etappenziel in Eisenach. Von dort aus geht es tags darauf über Gotha, Erfurt, Pößneck, das Schleizer Dreieck nach Zeulenroda und Zwickau. Am Freitag schnuppern die Teilnehmer dann auf dem Sachsenring echte Rennatmosphäre. Dort drehen sie ab 15.20 Uhr schnelle Runden, bevor sie weiter über Schloss Lichtenwalde und Freiberg zum Etappenziel vor der Semperoper in Dresden fahren.


Als die Organisatoren der Tour, Eduard Neitzke und Hagen Kruse die Bilder von der Flut im Fernsehen sahen, entschlossen sie sich kurzerhand zu einer Aktion. "Wir haben unsere Teilnehmer um zusätzliche Geldspenden gebeten. Die werden wir unterwegs in Orten übergeben, die vom Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden", sagt Eduard Neitzke. "Vielleicht gelingt es uns auch, den Leuten mit den wunderschönen Autos ein bisschen Freude zu bereiten", sagt er. Was die Leute an der Straße zu sehen bekommen, dürfte selbst oldtimerverwöhnte Westsachsen verblüffen. Automobile aus 90 Jahren, die nirgendwo sonst in dieser Konzentration auf der Straße zu sehen sind, geben sich ein Rendezvous in Sachsen. Vorkriegsrennwagen wie Mercedes SSK oder SS lassen ihre hubraumgewaltigen Kompressormaschinen tuckern - optisch und akustisch ein Hochgenuss. Im Feld der Boliden stehen Automobile, die von einstigen Weltklasse-Piloten wie Rudolf Caracciola oder Manfred von Brauchitsch gesteuert wurden. Ihr Wert liegt heute im siebenstelligen Bereich. Das gilt ebenfalls für die edlen Klassiker von Bugatti, Lagonda, Bentley, Riley, Aston Martin, Alfa Romeo, Alvis, Fiat, Jaguar, Ferrari, Maserati, Lancia und Porsche. Als Prachtstück dürfte auch der Fiat 520 Competizione aus dem Jahr 1928 gelten, der vom Team Lang/Diekmann auf die Strecke gebracht wird.

Und die Grand Dame des Oldtimersports, Heidi Hetzer, will entweder hinterm Lenkrad eines Opel oder einer Corvette ins Rennen gehen. Das älteste Auto des Feldes ist das 1924er Rallye Cyclecar vom Team Finkemeier. Bei dem Teil muss der Chauffeur in den Kurven am Lenkrad noch richtig arbeiten. Eine Rarität bringt das Team Fellner/Seiser aus Österreich an den Start. Beim Autobianchi Eden Roc handelt es sich um ein Cabriolet aus dem Jahr 1963, dessen Antriebsaggregat magere 500 Kubikzentimeter aufweist, aber seine Insassen mit stolzen 18 PS voranbringt. Übrigens kurvt auch Deutschlands berühmteste Schrauberin mit: Lina van de Mars wird mit ihrer 64er-Corvette die Fans der Ami-Cars begeistern.

Zur Siegerehrung der 2. Etappe versammeln sich die Blechschätzchen vorm Dresdner Verkehrsmuseum. Dort erhält der Führende das Gelbe Trikot. Am 29. Juni führt die Rallye dann von Dresden durch Rochlitz, Waldheim, Froburg, Kohren-Sahlis, Hohenmölsen und Freyburg wieder nach Kassel. Auf der Wilhelmshöhe angekommen, werden die Fahrer rund 900 Kilometer hinter sich und einiges vom Sachsenland zu berichten haben.


Eine Legende auf Rädern

Rudolf Caracciola, von seinen Fans "Karratsch" genannt, wurde am 30. Januar 1901 in Remagen geboren. Mit einer Sondergenehmigung durfte er im Alter von 15 Jahren die Führerscheinprüfung ablegen.

 

In einem Kompressor-Sportwagen von Mercedes gewann er 1923 sein erstes Rennen und fuhr im selben Jahr weitere elf Siege ein. Nur drei Jahre später gewann er überraschend den Großen Preis von Deutschland auf der Berliner Avus. Und er war der erste Nicht-Italiener, der 1931 die Mille Miglia für sich entschied.

 

In der Silberpfeil-Ära wurde er zwischen 1934 und 1939 dreimal Europameister, vergleichbar mit dem heutigen Formel-1-WM-Titel. Rudolf Caracciola erzielte außerdem einige Geschwindigkeitsrekorde auf neu gebauten Autobahnen. Er starb im Alter von 58 Jahren in Kassel an Leberversagen.

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