Warum die Marienkirche so bedeutend ist

Das größte Gotteshaus in Werdau soll saniert werden. Der Kirchenvorstand will am Montag die Bürger über das Vorhaben informieren und hat dazu Experten eingeladen.

Werdau.

Für Wolfram Voigt aus Zwickau steht fest: Die Marienkirche in Werdau ist eine der bedeutendsten Gotteshäuser in Westsachsen. Der Restaurator weiß, wovon er spricht. Er hat in den zurückliegenden Jahren bei der Restaurierung mehrerer Kirchen im Pleißenland mitgewirkt. Jetzt soll auch die das Stadtbild von Werdau prägende Kirche saniert werden.

Doch was macht das Gotteshaus nicht nur für die Glieder der Kirchgemeinde, sondern für die gesamte Stadt so bedeutungsvoll? "Der Wiederaufbau der Kirche nach dem Stadtbrand 1765 trägt die Handschrift von Samuel Locke, einem der wichtigsten Baumeister in Sachsen. Die Marienkirche ist das einzige Gotteshaus, welches Locke außerhalb von Dresden geschaffen hat", sagt Wolfram Voigt. Locke hatte als Maurermeister am Bau der Hofkirche in Dresden, errichtet im Auftrag von Kurfürst Friedrich August II., mitgewirkt. Heute ist das Gotteshaus die Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen und eines des bekanntesten Kirchen im Freistaat.


Locke errichtete auch zahlreiche Prachtbauten rund um die Frauenkirche, die nach ihrem Wiederaufbau heute die historische Altstadt prägen. "Auch wenn die Marienkirche im Laufe ihrer Geschichte mehrmals umgebaut und ergänzt wurde, lassen sind wir im Vorfeld der geplanten Sanierung der Kirche auf zahlreiche Spuren von Locke gestoßen", sagt Voigt. Der Restaurator hat an verschiedenen Stellen im Kirchenschiff Farbproben entnommen und sogenannte Probeachsen angelegt, wo die ursprünglichen Farben, die zigmal übermalt wurden, zu sehen sind. Bei seinen Arbeiten machte Voigt weitere interessante Entdeckungen. So waren beispielsweise die Engelsgesichter, die sich an den Stützpfeilern befinden, einst vergoldet. "Die Engel hatten zu Lockes Zeiten ein blasses Gesicht mit rosa Wangen", sagt Voigt. Bei seinen Untersuchungen im Vorfeld der geplanten Sanierung stieß der Restaurator auch auf Spuren, die in die Hofkirche nach Dresden führen. "Die Sonne über dem Altar findet man in der Form in beiden Kirchen. In der Hofkirche besteht sie jedoch aus Stein. Weil beim Bau der Marienkirche in Werdau das Geld knapp war, wurde sie in der Marienkirche aus Holz geschaffen." Worauf Voigt besonders stolz ist: " Wir haben noch ein Originalschriftstück des Kirchenbaumeisters Samuel Locke aus dem Jahre 1762."

Bei der geplanten Sanierung soll die Marienkirche weitgehend wieder ihr ursprüngliches Aussehen zurückerhalten. Doch nicht nur das. Die Elektrik und Heizung sind ein Sanierungsfall und sollen modernisiert werden. Für das Gesamtvorhaben sind rund 1,8 Millionen Euro eingeplant. Vor einer Woche erhielt der Kirchenvorstand vom Staatssekretär im Innenministerium, Günther Schneider, einen Fördermittelbescheid über 450.000 Euro überreicht. Damit kommt die Gemeinde ihrem Vorhaben ein Schritt näher. Die Kommune will sich ebenfalls finanziell an dem Kosten beteiligen. Ein Großteil der Summe muss die Kirchgemeinde aufbringen.

Eine Info-Veranstaltung für die Bürgerschaft zu den geplanten Arbeiten in der Marienkirche findet am Montag um 18 Uhr im Gotteshaus statt.

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