Weil Orchestergraben fehlt: Musik kommt vom Dachboden

Eine Premiere erleben die Zuschauer im Freitag im Malsaal gleich in doppeltem Sinn: Ein Musical wird zum ersten Mal aufgeführt. Und die Musik spielt ganz oben.

Zwickau.

Das Musical "Das Lächeln einer Sommernacht" von Stephen Sondheim in der Inszenierung des Musiktheaterdirektors des Theaters Plauen-Zwickau, Jürgen Pöckel, feiert am Freitag Premiere im Zwickauer Malsaal. Damit verbunden ist eine Besonderheit, denn es gibt keinen Orchestergraben. Das Theaterorchester wird zwar live spielen, findet aber auch auf der Bühne keinen Platz. Die Musik kommt vielmehr von ganz oben. Denn das Orchester samt Generalmusikdirektor Leo Siberski, der die musikalische Leitung und das Dirigieren des Musicals übernommen hat, wurde direkt unterm Dach einquartiert - zwischen alten Bildern und sonstigem Zeugs, das man auf einem Dachboden so findet. "Mehr Backstage geht wirklich nicht", sagte der GMD, der die Idee dazu hatte. "Da sich das Geschehen in ,Das Lächeln einer Sommernacht' an elf verschiedenen Orten abspielt, hatte ich eben diese verrückte Idee, das ganze Orchester drauf zu setzen", sagte Siberski. Dafür musste jedoch zuerst abgeklärt werden, wie viel Gewicht die Decke pro Quadratmeter trägt und ob das sicherheitstechnisch überhaupt zulässig ist. "Nun ist die Bühne frei für die Sänger. Sie haben jetztviel mehr Platz zum Agieren, und wir kommunizieren über Mikrofone und Bildschirme", sagte Siberski.

"Wir haben ein Dach überm Kopf und viel Platz, da nicht das gesamte Orchester zum Einsatz kommt", sagte Cellist Dietrich Mund am Dienstag während der Pause der großen Durchgangsprobe. "Ja, es gibt kein Schlagzeug in Stephen Sondheims Musical", sagte der Dirigent, der wie das gesamte Team von dem Musical verzaubert ist. Das Stück entstand 1973, stammt von dem einflussreichsten noch lebenden Komponisten am Broadway, und es basiert auf dem Oskar prämierten Spielfilm der schwedischen Regie-Legende Ingmar Bergman aus dem Jahr 1955.

Das Publikum wird staunen, wie wunderbar das Zwischenspiel "Orchester-Sänger" funktioniert, wenn ein Cello auf der Bühne zum Einsatz kommt, und das in den Händen desSängers André Gass. Der junge Franzose spielt den Cello spielendenSohn des Anwalts Fredrik Egerman (Marcus Sandmann), der mit seiner zweiten, 18-jährigen Ehefrau Ann (Nataliia Ulasevych) die Ehe noch nicht vollzogen hat. Bei einem Theaterbesuch mit der jungen Gattin sieht er auf der Bühne seine frühere Geliebte, die Schauspielerin Desirée Armfeldt (Sandrine Guiraud), die nun einen anderen Liebhaber hat, dessen Ehefrau ihn aber nicht kampflos aufgeben will.

Das hochvergnügliche Spektakel voller Musik, Witz und Esprit, Irrungen und Verwirrungen spielt im schwedischen Mittsommer des Jahres 1900.

Die Premierenveranstaltung sowie die beiden Vorstellungen im Dezember sindbereits ausverkauft. Tickets für die Vorstellungen am 6. Januar, 19 Uhr, und 13. Januar, 18 Uhr, gibt es unter anderem in allen "FreiePresse"-Shops und an der Theaterkasse.

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