Werdau verzichtet vorerst auf Jugendstadtrat

In der Stadt steht die Mitbestimmung junger Leute nicht an vorderer Stelle. An mangelndem Interesse liegt es jedoch nicht.

Werdau.

Es ist paradox: Während in einigen Städten im Landkreis Zwickau die Jugendstadträte eine nicht unbedeutende Rolle spielen, scheint es in Werdau mit einem solchen Gremium nicht zu funktionieren. Mehrfach hatte die Verwaltung im Rathaus Anlauf genommen, ein solches Sprachrohr für die Jugend der Stadt und aus den Ortsteilen zu installieren. Das bisher letzte Mal wurde im März 2014 gewählt. Fünf junge Leute zwischen 14 und 18 Jahren bildeten daraufhin den neuen Jugendstadtrat. Doch das Gremium ging schnell in der Bedeutungslosigkeit unter. Ronja Oehler, ehemaliges Mitglied des Jugendstadtrates, bedauert das. "Wir waren alle euphorisch, wollten mitgestalten und Ideen einbringen, aber von der Stadtverwaltung war kein Wille erkennbar, uns in unserer Arbeit zu unterstützen. So ein Gremium ist doch kein Selbstläufer", sagt die 18-Jährige. Die Jugend solle angestupst und nicht abgestellt werden. Dabei gehe es nicht vordergründig um den eigenen Etat. Etwa 300 Euro hatte der Jugendstadtrat pro Jahr zur Verfügung. Noch vor Ende der mehr als zweijährigen Amtszeit löste sich das Gremium auf. "Es war einfach kein Interesse mehr da - von beiden Seiten nicht", sagt Ronja Oehler.

Dennoch befürwortet sie einen erneuten Anlauf für einen Jugendstadtrat. "Der Zug ist noch nicht abgefahren, es gibt doch auch viele gute Beispiele wie in Wildenfels und Glauchau. Und auch in Werdau haben viele junge Leute gute Ideen", so Oehler. Allerdings sollte für den nächsten Jugendrat im Rathaus das Konzept geändert werden. Eine aktive Jugendpolitik sei doch Werbung für die Stadt. Ronja Oehler hat sich indes ein neues Betätigungsfeld für eine Mitgestaltung gesucht. In Zwickau mischt die junge Frau beim "Jugendbuffet" des "Alten Gasometers" mit. Dort stehen Projekte für die Jugendkultur, Mitbestimmung junger Leute und das Engagement für die Stadt im Vordergrund. "Wir organisieren da eine ganze Menge, da braucht es auch keine Unsummen an Geld", sagt Oehler.

Und während in Werdau das Projekt Jugendstadtrat offenbar gescheitert ist - die Stadtverwaltung lehnt bisher eine Stellungnahme dazu ab -, nimmt Zwickau Anlauf, um genau ein solches Gremium zu gründen.

Ganz Schwarzmalen wollen die Verantwortlichen in Werdau jedoch offenbar nicht. Stadtrat Robby Scharmacher (Die Linke) als einer der beiden Tutoren an der Seite des bisherigen Jugendstadtrates sieht die Fehler auf beiden Seiten. "Meiner Meinung nach sind die jungen Leute durch uns unterstützt worden. Sie hatten alle Möglichkeiten", sagt Scharmacher. Es sei schade, dass alles so im Sande verlaufen ist. Doch auch er plädiert wie Stadträtin Andrea Falk (CDU) dafür, dass es einen neuen Start geben sollte. "Dafür müssen wir aber die Rahmenbedingungen ändern", schlägt Schar- macher vor. So sollte etwa die Gremiumsgröße von bisher fünf Leuten aufgestockt und die Altersgrenze bis Mitte 20 angehoben werden.

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