Widerstand mit dem Leben bezahlt

Das Schicksal der "Aktivisten der Freiheit" hat nicht nur Familienangehörige bewegt. Was 1950 geschah, erzählt jetzt ein Buch.

Werdau.

Die Recherche für das Buch "Aktivisten der Freiheit" habe ihn sehr stark beschäftigt. "Es geht durch den Kopf und durch das Herz." So beschrieb Autor Bernd Gerber die Arbeiten an dem Büchlein, das am Dienstagabend im Martin-Luther-King-Zentrum in Werdau interessierten Zuhörern vorgestellt worden ist. Mehrere Jahre lang recherchierte der Königswalder gemeinsam mit seiner Kollegin Claudia Möckel zu dem Thema, unterstützt durch Berichterstattungen in der "Freien Presse", die immer Resonanz gebracht hätten.

Die "Aktivisten der Freiheit" waren eine der aktivsten Widerstandsgruppen in der frühen DDR. Gegründet im Sommer 1950 setzten sich die jungen Männer aus Werdau, Zwickau und den umliegenden Gemeinden für ein nicht kommunistisches und für ein wiedervereintes Deutschland ein. "Sie haben den Herrschaftsanspruch der SED in Frage gestellt und sich gegen den sich ausbreitenden Stalinismus gewandt", schilderte Bernd Gerber die "Vergehen" der 20 jungen Leute. Eine ihrer spektakulärsten Aktionen war das Abschießen von zwei selbst gebastelten Raketen, die mit Flugblättern bestückt waren. Das passierte am 11. Mai 1951 vor einem 40.000 Mann starken Publikum im Stadion Zwickau, als Motor Zwickau gegen den FC Schweinfurt 05 Fußball spielte. "Bildhauer Berthold Dietz rief uns an und konnte sich noch genau daran erinnern, was er damals auf dem Flugblatt gelesen hatte: S E D, das stand dort für Stalins Ergebene Diener." Nach einem Verrat aus der Gruppe wurden 17 junge Männer verhaftet. Fünf von ihnen wurden in Moskau zum Tode verurteilt und erschossen. Die anderen wurden zu Zwangsarbeit in russischen Gulags verurteilt. Der Steinpleiser Helfried Pansa verlor seinen Vater. "Ich war damals erst zweieinhalb Jahre alt. Meine Mutter und ich haben meinen Vater im Kaßberg-Gefängnis besucht. Ich bin froh, dass die Geschichte aufgearbeitet wurde", sagte der Steinpleiser am Dienstagabend. Niemand von den Angehörigen erfuhr Genaueres über das Schicksal der jungen Männer. "Darüber gesprochen wurde nur hinter vorgehaltener Hand", sagte Helfried Pansa. Seine Mutter hat die Zusammenhänge bis sie verstarb nie erfahren. Das Schicksal der "Aktivisten der Freiheit" steht stellvertretend für andere Widerstandsbewegungen, die es in der Region gegeben hat, wie die "Werdauer Oberschüler", die im Herbst 1950 mit Flugblättern gegen die manipulierten Volkskammerwahlen protestierten.


Das Buch ist im Martin-Luther-King-Zentrum in der Stadtgutstraße 23 in Werdau zu haben. Es kostet 7,60 Euro.

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