Wie sah er aus, der Herr Agricola?

Im nächsten Jahr begeht Glauchau den 525. Geburtstag des Renaissance-Gelehrten. Und dies wird zum Stadtgespräch. Dabei taucht die Frage nach seinem Antlitz auf.

Glauchau.

Egal, ob auf Briefmarken, Münzen oder in historischen Abbildungen - Georgius Agricola sieht nahezu immer gleich aus. Und auch das in den 1950er-Jahren im Glauchauer Bahnhofspark aufgestellte Denkmal zeigt den Renaissance-Gelehrten so, wie man ihn kennt: mit Kopfbedeckung, einem mantelähnlichen Kleidungsstück, das auch Schaube genannt wird, und einem Hemd darunter.

2019 ist es genau 525 Jahre her, dass der Begründer der Montanwissenschaft in Glauchau geboren wurde. Und in seiner Geburtsstadt wird er mehr und mehr zum Stadtgespräch. Dabei taucht die Frage auf: Hat der Mann tatsächlich so ausgesehen, wie das Denkmal glauben lässt? Der Glauchauer Münzsammler Peter Walther hat jetzt Münzen vorgelegt, auf denen Agricola anders als gewöhnlich dargestellt ist, mit Vollbart zwar, aber ohne die sonst bekannte Kopfbedeckung. Eine der Münzen, die den Gelehrten barhäuptig zeigt, wurde in der ehemaligen Tschechoslowakei geprägt, die andere stammt aus Freiberg. "Das sind sehr seltene Stücke", sagt Walther. Und dass sie ein anderes Antlitz Agricolas zeigen, sei sehr erstaunlich. "Es gibt nach meiner Kenntnis kein zeitgenössisches Bildnis von Georgius Agricola", sagt Walther. Abbildungen, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind, würden auf Erinnerungen von Zeitgenossen beruhen. In einem Aufsatz über das Agricola-Denkmal, der 1994 in der Schriftenreihe des Glauchauer Museums erschienen war, schreibt der Autor Wolf-Dieter Röber, dass das Antlitz Agricolas auf einer Darstellung aus dem Jahr 1688 beruhe, diese wiederum sei auf einen Stich aus dem Jahr 1574 zurückzuführen. Da war Georgius Agricola schon 19 Jahre tot.

Die letzte Münze, deren Prägung auf das Engagement von Glauchauern zurückging, wurde anlässlich des 500. Geburtstages Agricolas im Jahr 1994 gefertigt. Sie zeigt das althergebrachte Bild des Gelehrten. Die Protagonisten von damals gibt es laut Peter Walter heute nicht mehr: Die Numismatische Gesellschaft des Landkreises Glauchau sei im Jahr 2010 aufgelöst worden, die Goldschmiede Garcia Greno zog nach Leipzig, das Haus an der Brüderstraße, in dem die Goldschmiede untergebracht war, steht nicht mehr. Das Unternehmen Heine Druck, das damals die Prägung unterstützte, gibt es laut Walter nicht mehr. Und dass zum 525. Geburtstag eine neue Münze in Glauchau geprägt wird, sei eher unwahrscheinlich.

Dafür gibt es einen anderen Vorschlag: SPD-Stadträtin Helga Scheurer regt an, das Agricola-Denkmal vom Bahnhofspark an eine zentrale Stelle in Glauchau umzusetzen, sodass es von vielen Leuten wahrgenommen wird. Nico Tippelt, FDP-Stadtrat, wird konkreter und hat als neuen Standort den Schlossvorplatz vor Augen. Dort, wo jetzt die große Bautafel steht, könnte das Denkmal einen würdigen Platz bekommen. Doch eine solche Umsetzung erfordert nach Ansicht des Fraktionschefs der Linken, Andreas Salzwedel, die Genehmigung der Denkmalbehörde. Deshalb sei dies im Jubiläumsjahr kaum zu schaffen.

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